Druckschrift 
Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen

41

men hat, ſind gewiß nicht Urſache der Krankheit. Glaſer beobachtete im Amt Suhla 1778 eine Epizootie, in wel⸗ cher ſich an den erkrankten Thieren viel nußgroße Knoten zeig⸗ ten, die bald groͤßer wurden. Da dieſe Erſcheinung einige Ahnlichkeit hatte mit denen, bei welchen Inſekten geſtochen ha⸗ ben, ſo muthmaßte Glaſer, die Krankheit ruͤhre von Inſekten⸗ ſtichen her. Glaſer verwechſelte hier offenbar das Product der Krankheit mit der Krankheit ſelbſt. Denn nach allen gemach⸗ ten Erfahrungen entſtehen die Beulen und Geſchwuͤlſte erſt in Folge der Krankheit. Die beſten Schriftſteller ſtimmen darin uͤberein, daß bei ſchnellem Verlaufe des Milzbrandes ſelten Beulen ſichtbar werden, ſondern weit haͤufiger beim langſa⸗ men Verlaufe der Krankheit. Hier in der Wetterau ſah ich verhaͤltnißmaͤßig ſelten dergleichen Beulen und nur dann ent⸗ ſtehen, wenn durch das angewendete ſpecifiſche Mittel die Krankheit ſo gut, wie beſeitigt war. Offenbar ſind die Beulen und Geſchwuͤlſte, die beim Milzbrande aͤußerlich beob⸗ achtet werden, lediglich nur als das Product der Heilbeſtrebun⸗ gen der Lebenskraft und deren Reaction anzuſehen.

7) übertriebenes Arbeiten der Laſt⸗ und Zugthiere; weites Treiben des Viehes bei heißem Sonnenſcheine. Auch dieſe Annahme widerlegen viele Erfahrungen, nach denen das Vieh, welches ruhig im Stalle bleibt und nicht ausgetrieben wird, eben ſo gut von der Krankheit befallen wurde. Das Treiben auf weit entfernte Weiden findet in hieſiger Gegend gar nicht Statt. Auch das zu fruͤhe Austreiben des Viehes iſt von den Buͤrgermeiſtern vieler Orte verboten, um die Krankheit zu ver⸗ huͤten; indeſſen haben ſich dieſe Vorſichtsmaßregeln durchaus nicht bewaͤhrt finden laſſen. 6

8) Man kam auf die Vermuthung, daß der Genuß ge⸗ wiſſer Pflanzen den Milzbrand erzeuge. So wurde auch hier nach dieſer Vermuthung behauptet, es wuͤchſe eine ſehr ſchaͤd⸗ liche Pflanze(Attich, Niederholder, Sambucus ebulus) um den Ort herum, in welchem der Milzbrand jaͤhrlich herrſcht. Des Verſuchs halber ließ ich einen Hammel mit dieſer Pflanze mehrere Tage fuͤttern und das Thier zeigte keine Spur von Unwohlſein. Auf dieſe Weiſe wird Vieles, ohne Erfahrung fuͤr ſich zu haben, hehauptet, wo oft ein einzelner Verſuch hinrei⸗ chend iſt, um eine vorgefaßte Meinung zu widerlegen. In⸗ deſſen widerlegte ſich dieſe Anſicht ſchon dadurch von ſelbſt, daß dieſe Pflanze bei andern Doͤrfern ebenfalls haͤufig waͤchſt, in welchen der Milzbrand ſeit wenigſtens 20 Jahren nie ge⸗ ſehen wurde.

9) Anſteckung. Die Verbreitung des Milzbrandes durch