— 22—
wirthſchaftlichen Betrieb vereinigen läßt. Sie nutzen deßhalb ihre Arbeitszeit mangel⸗ haft aus, und rüſtige Männer müſſen ſich nicht ſelten mit Frauenarbeiten abgeben. Die Einführung einer geeigneten Hausinduſtrie oder anderer paſſender Nebenverdienſte würde daher die Lage der kleinen Landwirthe weſentlich verbeſſern.
Weitere Umſtände, welche zu der nicht durchaus befriedigenden Lage der Schwan⸗ heimer Landwirthe beitragen, ſind Unterzeichnetem nicht bekannt geworden.
Rückſichtlich des Unterſchiedes in der Rentabilität der Güter verſchiedenen Um⸗ fanges und der materiellen Lage der betreffenden Familien ergibt ſich aus den be⸗ rechneten Belegsbeiſpielen Folgendes. Bezüglich der Grundrente tritt eine geſetz⸗ mäßige Beziehung zu der Größe des Betriebes nicht hervor, indem das mittelgroße Gut die höchſte Rente ergibt. Die materielle Lage der betreffenden Familien erweiſt ſich dagegen, wie vorauszuſehen, offenbar um ſo günſtiger, je größer der Betrieb iſt, denn, ungeachtet die Zahl der Familienmitglieder in den drei Beiſpielen ſich im All⸗ gemeinen verhält wie die Größe des Beſitzes, iſt auch der verbleibende Ueberſchuß bei dem größten Gut am höchſten, bei dem kleinſten am niedrigſten, die Ernährung und ſonſtige Lebensweiſe bei dem erſten am beſten, bei letzterem am ordinärſten bezw. dürftigſten. Berückſichtigt man außerdem, daß auch die Verſchuldung im Allgemeinen eine beträchtlich geringere iſt, je größer die Güter ſind, ſo muß man wohl zugeben, daß die Inhaber der größeren Güter ſich durchſchnittlich weſentlich beſſer ſtehen, als die der kleineren.
Das Geſammturtheil des Commiſſärs geht dahin, daß eine bemerkenswerthe Noth⸗ lage bei den Schwanheimer Landwirthen im Allgemeinen bis jetzt nicht vorliegt, daß deren Situation aber, namentlich in Anbetracht ihres im landwirthſchaftlichen Betrieb angelegten Vermögens, nichts weniger als glänzend iſt, daß ſie das Gleichgewicht ihres Budgets großentheils ihrer ſehr ſparſamen Lebensweiſe zu danken haben, und daß dieſes Gleichgewicht, namentlich bei vielen kleinen Landwirthen, ein recht ſchwach begründetes iſt, daher durch Erſchütterungen, wie ſie z. B. im Einzelnen Familien⸗ unglück, in der Gemeinde Naturereigniſſe, unter der Geſammtheit der heſſiſchen oder deutſchen Landwirthe Preisrückgänge zu bewirken vermöchten, leicht in ausgeſprochene Nothlage umſchlagen könnte.
Frage X.
Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen?
Unter Frage IX. wurde dargelegt, daß die wirthſchaftlichen Verhältniſſe der Gemeinde Schwanheim ſchon nach dem Status der vorliegenden Enquete(1884) nicht
als durchaus befriedigend, im Hinblick auf etwaige ungünſtige Veränderungen aber, für ungeſichert anzuſehen ſind. Als ein Beiſpiel letzterer wurden dabei Preisrückgänge


