Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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Es iſt dies der Fall, trotzdem die Rentabilität der Weſthofener Güter nicht durchaus eine befriedigende iſt. Wie aber aus den Geldrechnungen hervorgeht, treten, trotz der recht guten Lebensweiſe der Bewohner, Geldüberſchüſſe auf, die, wenn keine oder nicht bedeutende Schulden vorhanden ſind, zur Capitalsbildung oder zum Ankauf von Grundſtücken verwendet werden.

Um die Rentabilität der Weſthofener Güter zu heben, erſcheint es wünſchens⸗ werth, auf eine intenſivere Bewirthſchaftung, hauptſächlich der mittleren und kleineren Güter hinzuwirken. Die Benutzung der künſtlichen Düngemittel, die beſſere und tiefere Bearbeitung des Bodens ſind diejenigen Angriffspunkte, auf die im Bericht mit Recht beſonders hingewieſen wird.

Bei der immerhin ziemlich bedeutenden Zerſplitterung der Grundſtücke erſcheint es wünſchenswerth, eine Zuſammenlegung derſelben durch Conſolidation, vielleicht auch nur einzelner Fluren, zu verſuchen. Von einzelnen Grundbeſitzern wird dies ſogar gewünſcht und für den Betrieb als äußerſt zweckmäßig bezeichnet.

Allgemein, und auch mit Recht, iſt der Wunſch nach einer billigeren Credit⸗ quelle. Der jetzt bezahlte Zins von 6 pCt. für Geld aus den Kaſſen oder von 5 pCt. von Privatcapitaliſten bei einvierteljähriger Kündigungsfriſt, iſt entſchieden zu hoch und entſpricht durchaus nicht dem Wirthſchaftsgange und Reſultat des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes. Außerdem wird über die Schwierigkeit geklagt, mit der die Landwirthe, welche oft über ein bedeutendes Vermögen verfügen, zu thun haben, um nur einige tauſend Mark geliehen zu erhalten. Jedenfalls wäre daher eine Ein⸗ richtung zu erſtreben, welche bei gleichzeitiger Amortiſation und billigerem Zinsfuß eine allzu hohe Belaſtung der Güter bei Geldaufnahmen vermeiden läßt. Einzelne Stimmen ſprechen ſich für die Bildung einer Landescreditkaſſe, welche dieſe Vortheile in ſich vereinigt, aus.

Der Wunſch nach beſſeren Verkehrsverhältniſſen behufs beſſeren Abſatzes der landwirthſchaftlichen und auch induſtriellen Producte, geht jetzt durch den beſchloſſenen Bau einer Secundärbahn von Oſthofen nach Weſthofen in Erfüllung. Die Bewohner Weſthofens erhoffen durch dieſen Eiſenbahnbau in dem Anſchluß an den Weltverkehr für ihren Ort neues Leben und neue Anregung. Beſonders die Gewinnung von Sodaſteinen, die weiterhin wieder mehr Nebenverdienſt für die auf Tagelohn ange⸗ wieſene Bevölkerung zur Folge hat, dürfte durch den erleichterten Abſatz eine größere Zukunft haben. Es iſt zu wünſchen, daß dieſe Hoffnungen erfüllt werden.

Der Berathung über den Bericht, welche das vorſtehende Reſultat hatte, wohnten außer den Unterzeichneten bei: der Großh. Kreisrath Freiherr von Gagern, der Vice⸗ präſident des landwirthſchaftlichen Vereins für Rheinheſſen Stephan von Heßloch, der Bürgermeiſter Chr. Orb, der Beigeordnete Hirſch, der Müller Chr. Schwan und die Gutsbeſitzer Fr. Orb, Math. Hees II. und Math. Hees III. zu Weſthofen.

Weſthofen, den 22. Mai 1886.

Jaup, Geheimerath. C. Beſt, Landwirth in Oſthofen. O. Möllinger, Landwirth auf dem Mühlheimerhof. Leithiger, Landwirthſchafslehrer in Alsfeld.