Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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ſichtigt, daß ausdauernde Kleearten: Luzerne und Esparſette, in der Ackercultur unterworfenem Boden mit ihren tief gehenden Wurzeln viel höhere und ſichere Erträge bringen müſſen, als wie nur ſpärlich oder wohl auch gar nicht bewäſſerbare Wieſen. Der in ſo günſtiger Lage ſich befindende Landwirth, der den Anbau des ausdauernden Klee's ſo vollſtändig in der Hand hat, wie hier, kann natürlich auch den Marktcon⸗ junkturen für die thieriſchen und pflanzlichen Producte viel leichter folgen und die⸗ ſelben ausnützen, als wie der auf unſichere Wieſen als hauptſächliche Futterlieferanten angewieſene Landwirth.

Neben dem Ackerbau kommt als weſentlich von Bedeutung in Weſthofen nur noch der Weinbau in Betracht. Das Verhältniß der beiden ſtellt ſich ungefähr wie 10:1. Es hat ſich dieſes Verhältniß im Laufe der Zeit aus der Betriebsweiſe der Güter unter Berückſichtigung der für den Weinbau beſonders geeigneten Lagen wohl aus

beſonderer Liebhaberei ꝛc. ergeben. Es wird dieſes Verhältniß als ein im Allgemeinen

recht günſtiges bezeichnet und zwar, weil hierdurch der eigentliche Ackerbau das Funda⸗ ment der Wirthſchaft bleibt, und der doch immerhin mit großen Chancen verbundene Weinbau das Gleichgewicht in der wirthſchaftlichen Exiſtenz der Landwirthe nicht weſentlich zu ſtören, wohl aber, hauptſächlich in guten Weinjahren, den Einzelnen recht bedeutend aufzuhelfen vermag. Der ſichere Wohlſtand derjenigen Reborte, welche den Schwerpunkt ihrer Production auf den Ackerbau, gegenüber denjenigen, welche ihn auf den Weinbau gelegt haben, beruht auf dem nicht zu engen Verhältniß dieſer beiden Culturarten zu einander. In Weſthofen ſpeciell würde zwar in guten Jahr⸗ gängen ein erweiterter Weinbau größere Einnahmen erzielen laſſen, im Durchſchnitt der Jahre, bei den heutigen Preis⸗ und Abſatzverhältniſſen, aber wohl kaum. Außer⸗ dem iſt die Anlage der Weinberge local bedingt. Wirthſchaftlich kommt noch in Betracht, daß ein zu erweiterter Rebbau durch die bedeutende Düngerentnahme aus der Wirthſchaft, bei nicht ſtarkem Kunſtdüngerzukauf, einen Raubbau für das Ackerland zur Folge hat.

Das Verhältniß der Culturarten kann daher als ein günſtiges bezeichnet werden.

c. Als Hauptproducte der Landwirthſchaft ſind für Weſthofen zu nennen: Ge⸗ treide, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Kleeheu, Wein, Obſt. Zum Verkauf kommen von dieſen: Weizen, Roggen, Gerſte, Raps, Zuckerrüben und Wein. Von den thieriſchen Producten kommen hauptſächlich Maſtvieh und Butter in Betracht.

In Bezug auf die Productionsrichtung ſei zunächſt erwähnt, daß die folgende

Fruchtfolge bis vor Kurzem mehr oder weniger allgemein eingehalten worden iſt: 1. Brache, gedüngt, 2. Raps, 3. Korn, 4. Weizen, 5. Kartoffeln und Rüben, 6. Gerſte mit Kleeeinſaat, 7. Klee(Rothklee, oder Luzerne und Esparſette gemiſcht), 8. Klee, 9. Klee, 10. Korn, 11. Kartoffeln und Rüben, 12. Hafer. Da ein Zwang in der

Einhaltung einer beſtimmten Fruchtfolge durch nichts geboten iſt, ſo kommen häufig Abweichungen vor. In den meiſten Wirthſchaften wird in neuerer Zeit der Roggen, der Erzielung größerer Strohmengen wegen, ſtärker angebaut. Im Allgemeinen wird man die Productionsrichtung annähernd als richtig charakteriſiren, wenn man annimmt, daß die Weſthofener Landwirthe, abgeſehen von den in der eigenen Wirthſchaft ver⸗