Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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2.

Vom allergrößten Einfluß auf die Ertragsfähigkeit wie den Preis des Grund und Bodens ſind die Waſſerverhältniſſe. An Druckwaſſer leiden bei mittlerem Waſſer⸗ ſtand(910 Fuß Mainzer Pegel) circa 200 Hectar, bei hohem Waſſerſtand(15 Fuß Mainzer Pegel) circa 350 Hectar, meiſt von dem beſten Feld. In Folge dieſes Uebelſtandes ſind in den letzten 10 Jahren die Erträge und Preiſe der an Druckwaſſer leidenden Grundſtücke ganz bedeutend zurückgegangen, im Verhältniß gegen frühere Preiſe bei circa 200 Hectar um ein Drittel und bei weiteren 200 Hectar um ein Drittel bis zur Hälfte. Für leidlichen Abfluß des Druckwaſſers ſind Abzugsrohre durch den Damm gelegt, demnächſt ſoll noch ein weiteres angebracht werden.

Ueberfluthungen der ganzen Flur ſind in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen und zwar in den Jahren 1845, 1850, 1862, 1876, 1880, 1882, 1883 und ſind die⸗ ſelben immer in Folge von Dammbrüchen entſtanden, welche neben dem großen directen und kaum exact berechenbaren indirecten Flurſchaden, außerdem noch der Gemeinde durch die Dammreparaturen ſehr ſchwere pecuniäre Opfer verurſachten.

Die Gemeinde zählt 1510 Einwohner in 233 Häuſern und 290 Haushaltungen, darunter 21 Jsraeliten, welche ihre Geſchäfte zum Theil außerhalb betreiben. Die chriſtliche Bevölkerung zerfällt in 76 Katholiken und 1413 Evangeliſche. Die Ein⸗ wohnerſchaft iſt ſtändig. Es wanderte vor 5 Jahren ein einzelner Mann aus, vor⸗ dem, vielleicht in 25 Jahren, Niemand. Die Heirathen finden meiſt innerhalb der Gemeinde ſtatt, die Güter werden jedoch ohne Ausnahme getheilt.

Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung beträgt im Ganzen 889,4 Hectar in 3760 Parcellen. Hiervon ſind 748,9 Hectar Ackerland und 140,3 Hectar Wieſen. 512 Hectar Ackerland und Wieſen vertheilen ſich auf 152 Beſitzer, davon haben 48 unter 1 Hectar, 42 von 12 Hectar, 42 von 15 Hectar, 14 von 5 10 Hectar, 3 von 10 20 Hectar, 3 über 20 Hectar.

Die directen Steuern für die Gemarkung Ginsheim betrugen für 1884/85 10658 Mk. An Communalſteuern hat die Gemeinde erhoben: im Jahre 1865 2815 fl., 1870 3185 fl., 1875 9052 Mk., 1880 13537 Mk., 1883/4 14580 Mk.

Die Gemarkung iſt beſetzt mit 4450 Aepfelbäumen, 1700 Birnbäumen, 6700 Pflaumen⸗ und Zwetſchenbäumen, 25 Kirſchbäumen, 58 Aprikoſen⸗ und Pfirſichbäumen, 230 Wallnußbäumen.

Waldung iſt in der Gemarkung nicht vorhanden. Die Einwohner decken ihren geringen Bedarf an Holz, da überall Steinkohlen gebrannt werden, aus den Weiden⸗ anlagen am Rhein. Die Laubſtreunutzung iſt daher auch ſehr unbedeutend und beſteht nur in etwas Weidenlaub, das von ärmeren Leuten geſammelt wird. Ein Zukauf von Streumaterial findet meiſt nicht ſtatt, nur in ſchlechteren Jahren und wird dann meiſtens Stroh gekauft. Die Kopfweiden nehmen eine größere Fläche längs des Rheines ein. Mit der Anpflanzung von Korbweiden wurden ſeitens der Gemeinde ſchon Verſuche gemacht, jedoch iſt die Anpflanzung ſolcher Weiden nicht weiter ausgedehnt worden. Von den Kopfweiden, welche in vierjährigen Schlägen abgeholzt und als Wellen verkauft werden, wurden ſchon einige Strecken abgeholzt und mit Obſtbäumen angelegt. Die Korbweiden werden verſteigert und jährlich circa 30 Mk. daraus erlöſt.