Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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gegen 5 pCt. und 1 pCt. feſte Amortiſation darleiht. Auch Juden haben Hypotheken⸗ titel zur Sicherſtellung von Forderungen an einzelne Einwohner in Händen.

Beträge bis zu 500 Mk., ſpäter bis zu 300 Mk. wurden ſeither gegen Bürg⸗ ſchaft der Gemeinde, die ſich dann wieder durch zwei Bürgen zu ſichern ſuchte, von der Sparkaſſe zu Büdingen gegeben. Es wurden 10jährige Abzahlungstermine feſt⸗ geſetzt, die in der Regel auch eingehalten wurden, doch hat die Gemeinde ſo unlieb⸗ ſame Erfahrungen gemacht, daß ſie jetzt keine Schuldſcheine unter ihrer Bürgſchaft mehr ausſtellt. Genannte Kaſſe gibt auch Darlehn auf jährige Rückzahlung. Bei weitem die meiſten Einwohner von Wenings ſind der Sparkaſſe Büdingen mit Be⸗ trägen bis zu 400 Mk. und darunter verpflichtet.

Kaufſchillingsreſte bei genannter Kaſſe hat faſt jeder Einwohner von Wenings zu entrichten. Die Ziele werden gewöhnlich auf 5 Jahre geſtellt und ſind der Spar⸗ kaſſe außer 5 pCt. Zinſen in der Regel 2 pCt. Proviſion von dem Verkäufer zu vergüten. Die Abzahlungen erfolgen in der größeren Mehrzahl regelmäßig. Außer⸗ dem borgen die Einwohner von Wenings nicht unbedeutend bei den Vorſchuß⸗ und Creditvereinen in Büdingen und Gedern, welche nicht nur Darlehen auf Schuldſcheine geben, ſondern namentlich auch Kaufſchillinge übernehmen; in einzelnen Fällen hat dies auch der Creditverein und die Sparkaſſe in Ortenberg gethan. Vor Kurzem hat ſich auch in Wenings eine Darlehnskaſſe gebildet, welche ebenfalls für die Credit⸗ Bedürfniſſe ſorgt. Bedenkt man ſchließlich, daß bei der reichlichen Anweſenheit von Juden auch reichen in Wenings dieſe borgen, daß auch Juden aus der Um⸗ gegend Geſchäfte nach und in Wenings machen, ſo bekommt man einmal ein Bild von der Leichtigkeit, mit welcher Schulden gemacht werden können, aber auch ein Bild, und zwar ein ſehr unvortheilhaftes, von den vielen Schulden, die in der That gemacht werden. Wie die Landwirthe aus denſelben je herauskommen werden, namentlich bei den jetzigen geringen Getreidepreiſen, bei den geſtiegenen Abgaben, iſt dem Referenten unerfindlich, es ſei denn, daß ein ganz anderer Geiſt der Ordnung, der Rührigkeit, ein ganz anderes Beſtreben nach verbeſſerten Maſchinen, nach beſſerer Cultur, nament⸗ lich Anwendung von künſtlichem Dünger, nach Zuſammenlegen der Grundſtücke ꝛc. über die Leute komme!

Frage VII.

a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere?

b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere