Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend?

4. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche?

Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang?

a. Der Boden der Gemarkung Guntersblum iſt verſchieden. Die nahe dem Rhein gelegenen Felder haben einen mit Thon gemiſchten Sandboden, die Unterlage iſt theilweiſe Kies und theilweiſe undurchlaſſender Thon; die Ackerkrume iſt ſeicht. Die übrigen in der Ebene gelegenen Felder haben einen tiefgrundigen fruchtbaren Lehmboden; an dem mit Reben bepflanzten Hange und auf der Höhe etwas Kalk⸗ mergel, dann Lößboden und Lehm mit Kalkſtein als Unterlage.

Die Fruchtbarkeit iſt eine mittlere, die in den tiefer gelegenen Feldern durch das Druckwaſſer des Rheines geſchädigt wird. Der Boden iſt klee⸗ auch luzernefähig und, mit Ausnahme des von Reben beſetzten Hanges, eben.

b. Es gibt drei Arten Culturland in Guntersblum, Acker, Wieſe und Weinberg und wenig Gartenfeld. Das Verhältniß des Ackerfeldes zu den Wieſen iſt ungefähr wie 5:1 zu den Weinbergen wie 14:1. Von den hier in Betracht kommenden Wieſen der größte Theil der, durch den Rhein bewäſſerten, Wieſen gehört dem Staat, der Gemeinde und dem Grafen von Oberndorf werden nur ungefähr 100 Morgen von dem Rhein bewäſſert, während annähernd 900 Morgen innerhalb des Rheindammes liegen, nicht bewäſſert und auch nicht gedüngt werden, in Folge deſſen weniges und ſaures Gras liefern.

c. Die Bodenproducte ſind vorzugsweiſe Getreide, Kartoffeln, Klee, Rühben und Wein, von erſterem vorherrſchend Roggen und Gerſte, weniger Weizen und Hafer. Dem Rapsbau, der in den letzten Jahren durch die niederen Preiſe vernachläſſigt wurde, haben ſich die Landwirthe wieder mehr zugewendet.

Der Obſtbau iſt nicht bedeutend, der ſtrenge Winter von 1879/80 hat einen großen Theil dieſer Bäume vernichtet. Das meiſte Obſt wird auf der Gräflich Obern⸗ dorf'ſchen Beſitzung Schmittshauſen geerntet. Der Ertrag iſt im Durchſchnitt circa 1800 Centner Aepfel und Birnen und 250 Centner Zwetſchen.

Dem Molkereiweſen wird viele Aufmerkſamkeit geſchenkt. Die Milch, ſoweit dieſe nicht in der eigenen Wirthſchaft verbraucht wird, wird zum Theil nach Mainz ver⸗

ſendet, zum größten Theil aber in einer Genoſſenſchaftsmolkerei zu Butter und Käſe

verarbeitet, während die Rückſtände zur Schweinemaſt verwendet werden.

Die Fruchtfolge iſt: Raps⸗Korn, Gerſte mit Klee, Weizen, Kartoffeln und Hafer, oder gedüngt zu Kartoffeln oder Rüben, Korn oder Weizen, auch Gerſte und Klee. Im Allgemeinen iſt die Fruchtfolge keine ſtreng geregelte, da die Wirthſchaft eine mehr freie iſt.