Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen

Wie aus der Beantwortung der Frage VI erſichtlich, werden für alle einge⸗ ſchriebenen Forderungen in Fürfeld durchweg 5 pCt. Zinſen bezahlt. Wäre es mög⸗ lich, den Zinsfuß auf 4 oder 3 ½ pCt. herabzudrücken, was unter gegenwärtigen Conjuncturen ganz gut angenommen werden kann, ſo würde bei den 105,279 Mk. Hypotheken eine jährliche Zinſenerſparniß von 1052 bezw. 1577 Mk. eintreten. Auch die rückſtändigen Kaufſchillingſchulden könnten durch Umwandlung auf dieſes Niveau herabgeſetzt werden, wodurch eine jährliche Entlaſtung dieſer einen Gemeinde bis zum Betrage von 2500 Mk. und mehr möglich wäre. Solche Zahlen ſprechen ſehr deutlich.

Es drängt ſich hier ſchließlich noch die Frage auf, ob nicht vielleicht die För⸗ derung und weitere Ausbreitung der Darlehenskaſſen ein beſſeres Mittel zur Erreichung des vorgeſteckten Zieles ſei, und daß alſo dieſer Punkt in das Capitel der Selbſt⸗ hülfe verwieſen werden könnte. Wir glauben, daß das Eine das Andere nicht aus⸗ ſchließt und daß da, wo die Vorbedingungen zur Gründung von Darlehenskaſſen vorhanden ſind, dieſem Wege ſogar der Vorzug zu geben ſei, ſchon deßhalb, weil hier eine Verunterpfändung von Immobilien in Wegfall kommt. Doch ſind dieſe Vor⸗ bedingungen ſehr häufig nicht vorhanden und hier müßte die Staatsanſtalt die Lücke ausfüllen.

Wo untigennützige, thätige und energiſche Männer ſich vorfinden, um die Leitung der Darlehenskaſſe zu übernehmen, wo unſaubere Elemente ſtreng fern ge⸗ halten werden, da wird auch die Solidarhaft nicht verhängnißvoll werden, wo dieſe Vorausſetzungen jedoch nicht vorhanden ſind, da kann ſie ſehr üble Folgen haben. Eine Concurrenz einer ſtaatlichen landwirthſchaftlichen Credit⸗Anſtalt gegen die be⸗ ſtehenden und ſich bewährenden Darlehenskaſſen, wäre wohl ſicherlich nicht zu fürchten, da eine ſolche Anſtalt doch nur in der Weiſe gedacht werden kann, daß ſie nach Maß⸗ gabe der jeweiligen günſtigſten Conjuncturen des Geldmarktes arbeitet und der Staat dabei keine Subventionen zu leiſten hat.

Die Zuſammenlegung der Grundſtücke iſt zwar für Fürfeld keine brennende Frage, da, wie aus den Erhebungen hervorgeht, keine übergroße Zerſplitterung vor⸗ handen iſt, auch die Grundſtücke meiſtens durch Wege zugänglich ſind. Doch könnten auch ſelbſt unter den obwaltenden Verhältniſſen noch bedeutende Vortheile erzielt werden. Durch Verminderung der Grenzfurchen könnte an nutzbarer Fläche gewonnen werden, die Wegeanlagen könnten zweckmäßiger eingerichtet und die Bebauung der Felder erleichtert werden. Die Einführung des Maſchinenbetriebes würde in vielen Fällen möglich werden, wo er ſich vorerſt noch verbietet, kurz alle Vortheile, welche die Zuſammenlegung bietet, kämen den Grundbeſitzern zu gut.

Der erſchwerte, ja zu manchen Zeiten oft ganz unmöglich gemachte Abſatz der wichtigſten landwirthſchaftlichen Erzeugniſſe, muß nothwendigerweiſe auch die Aufmerk⸗ ſamkeit lenken auf den Nutzen, den eine Bahnverbindung in dieſer Beziehung gewährt. Steht es ſchon richtig und findet allgemein Beſtätigung, daß die wichtigſten landwirth⸗ ſchaftlichen Erzeugniſſe oft ſchwer⸗ oder ganz unverkäuflich ſind, in den dem großen Verkehr erſchloſſenen Gegenden, ſo muß ohne Zweifel dieſes Uebel um ſo drückender