Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
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guten Wirthſchaften, damit dieſelben den Verbeſſerungen mehr zugänglich werden. Mag der Beſuch von Schulen bei einer großen Anzahl Landwirthen wirklich auf pecuniäre Schwierigkeiten ſtoßen, in eine beſſere Wirthſchaft könnten die meiſten ihre Söhne doch ſchicken.

Sofern die angeführten Mittel nicht hinreichen, die Nothlage zu beſeitigen, müßte man jedenfalls verſuchen, die Getreidepreiſe zu heben. Da die niedrigen Getreide⸗ preiſe unzweifelhaft die Folge ausländiſcher Concurrenz ſind, ſo wäre dies nur durch Schutzzoll zu erreichen. Ob in Nieder⸗Florſtadt die zuerſt erwähnten Mittel aus⸗ reichen würden, den Betrieb rentabel zu machen, wird man mit Sicherheit ohne Verſuch kaum entſcheiden können, aber ebenſo wenig kann man auf das Gegentheil ſchließen. Man muß ſich vielmehr der Anſicht zuneigen, daß ein rationeller Betrieb allein ſchon genüge, wenigſtens jede Gefahr für die Exiſtenz des Landwirths, ſoweit er noch nicht überſchuldet iſt, zu beſeitigen, da es immerhin einzelne, und zwar bäuerliche Betriebe gibt, die ſo viel abwerfen, daß von Nothlage nicht die Rede ſein kann, ohne daß die⸗ ſelben ſich von den übrigen durch etwas anderes, als die beſſere Bewirthſchaftung unterſchieden.

Es iſt jedoch unzweifelhaft gewiß, daß die meiſten Landwirthe einen rationellen Betrieb nicht ſo urplöͤtzlich einführen werden, ſie brauchen dazu lange Zeit. Nicht einmal die bedrängte Lage, ja wirkliche Noth, in welche manche derſelben durch die plötzlich ſo enorm gewachſene Concurrenz gerathen ſind, hat dieſe Schwerfälligkeit von ihnen abzuſtreifen vermocht, das ſehen wir, was bleibt da anders übrig, als mit dieſer, allerdings bedauernswerthen Charaktereigenſchaft des mittleren und kleineren Landwirths zu rechnen, wenn man ihm überhaupt helfen will. Von dieſem Stand⸗ punkte aus ſind Schutzzölle als Hülfsmittel freudig zu begrüßen, ſie geben dem Land⸗ wirthe Zeit und Muth zur Einführung von Verbeſſerungen, denn wer den Landmann kennt, weiß, daß er Verbeſſerungen eher zugänglich iſt, wenn es ihm wohl geht, als wenn er mit der Noth kämpft, im letzteren Falle iſt ſein einziger Gedankeſparen.

Der Berathung über den Bericht wohnten außer den Unterzeichneten bei: Kreis⸗ rath Dr. Braden, Kreisausſchußmitglied Keller aus Oſſenheim, ſowie Bürgermeiſter Alles, Baron von Löw, Oeconom Schaubach und Ortsgerichtsmann Dauernheim, ſämmtlich von Nieder⸗Florſtadt.

Nieder⸗Florſtadt, 27. Auguſt 1885.

Jaup, Geheimerath. G. Heuermann.