Jahrgang 
1837
Seite
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Frequenz anſers Theaters leicht erklä⸗ ren. Wahrend der Abweſenheit des Hrn. Direktors leiten die Herren Hu ber u. Kreibig die Oper u. das Schau⸗ ſpiel, und man kann bei der bekann⸗ ten gründlichen Bühnenkenntniß dieſer Künſtler nur Treffliches erwarten. Im Schauſpiel u. in der Volkspoſſe wur- de, troz der Vorliebe unſers Direk- tors für die Oper, durchaus nichts vernachläſſigt, ja viel Ausgezeichnetes geleiſtet. Als Graf Morin, Scheva, Daniel, Perin, Koke, Unbekannter, Hamſa Beg, erwarb ſich Direktor Mül⸗ ler einſtimmigen Veiſall, ſo wie Herr Kreibig, als Don Cäſar oc. de., Herr Ranftl, als Crescendo de., Hr. Ge⸗ bauer, als Strömborſt u. Staberl, ſich allgemeine Anerkennung erwarben. Hie⸗ zu die eminenten Leiſtungen der Dem. Saalfeld, als Donna Diana u. Louis, imPariſer Taugenichts, die ge⸗ treuen Charakter-Zeichnungen unſerer hochbegabten Dem. Sonnleitner, als Gervaiſe, Baronin Morin de., dann die ausgezeichnete Wirkfamkeit unſerer drei Komiker Beſold, Brechenhain und Schmidl und der anmuthigen Köpf, ſo ergibt ſich das Neſultat, daß unſere Bühne nichts zu wünſchen übrig läßt, um ſo mehr, als durch das neue En⸗ gagement des Hrn. und Mad. Treu⸗ mann, vom Peſther Theater, welche ſich raſch die Gunſt des Publikums erwor⸗ ben, unſer Schauſpiel als vollſtändig betrachtet werden kann. Hr. Direktor Müller reiſte geſtern nach Temesvar ab, um daſelbſt den neuen Zubau des Theaters ſelbſt zu leiten. Hr. Direk- tor Müller verwendet eine ungewöhn liche Summe, man will wiſſen 18,000 ff. W. W. ohne irgend eine Unterſtü⸗ zung oder Erſaz zu erhalten, auf dieſe Renovirung u. in zwei Monaten wird Femesvar einen, eines ſo kunſtſinni⸗

gen Publiknms würdigen Muſentem pel beſizen. 3.

Mignon⸗Zeitung.

Leipzig. Hieſige Intelligenzblät ter vom 12. Juli dieſes Jahres ent⸗ halten eine originelle Todesanzeige, die wir wörtlich unſern Leſern hier mittheilen:Den 8. Juli 1857, früh 85 Uhr traf mich das Schreklich⸗ ſte, was mich treffen konnte. Gott nahm mir in einem Augenblike der Freude, meines Lebens höchſte Freude, nämlich meinen Mann, Johann Gott fried Dähnert, Bürger, Hausherrn u. Kaufmann. In der Geſundheitsfülle von 45 Jahren u. 5 Monaten, freund⸗ lichlächelnd, vor mir ſizeud, um das Frühſtük zu verzehren, ſtürzte er zu meinen Füßen todt. Ein Schlagfluß führte ihn von dannen. O mein Glük war überſchwänglich groß! Ich kannte ſeinen Werth, und wußte ſein Ver- trauen hoch zu ehren. Unſer Familien zirkel hat ſeine Krone verloren. Du Schweſter und du Schwager im fernen Marienbad, die ihr euch Geſundbeit dort holen wollt, ihr werdet den Theu⸗ ren nicht mehr ſehen. Laſſet dieſe Nach richt euer Herz nicht zerreißen. Aeu ßere Zeichen der Trauer liebte der Todte nicht, daher dein Gedächtniß nur mit zum Seegen bleiben wird. Ruhe in Frieden! Dort im Himmel wirſt du mich vielleicht ſpät wiederfinden! Dort iſt keine Trennung mehr Allen geehrten Geſchäftsfreunden aber die Anzeige, daß das von meinem ſe⸗ ligen Manne geführte Geſchäft ſeinen gewöhnlichen Fortgang haben wird. Die betrübte hintetlaſſene Wittwe Thereſe Dähnert.

F.

Redigirt von der Redabtion des Spiegels.