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terlichen Frühlings- und bisher auch Sommerabenden weit ſchlimmer daran geweſen, als weiland Robinſon.— Un⸗ ſere Sonne glich bisher einer verblüh— ten Primadonna, die ſich des Tages ſelten bliken läßt. Unſere reizende Um— gegend war die ganze Zeit verwafſt— bei momentaner ſchöner Witterung wa—⸗ ren wir auf die, durch die raſtloſe Thä— tigkeit u. Munifizenz des hochverdien— ten königl. Nathes und Stabsarztes von Latzl entſtandene Promenade redu— zirt, u. doch dürften wir weniger als irgend andere Großſtädter über Phö— bus Launen zu klagen haben. Das re— ge Landtagsleben, die ſo geiſtreiche, als joviale Geſelligkeit im freundli— chen Kreiſe unſers hochverehrten, all— gemein geſchäzten und geliebten Lan— des- Kommandirenden, Exzellenz von. Wernhardt, und das Theater, unter der umſichtigen energiſchen Leitung, des als Menſch und Künſtler gleich geach— teten Hrn. Theodor Mäller, geſtatten kaum Zeit mit der Zeit zu hadern.— Wir ſehen hier eine Oper, ein Schau— ſpöel und eine Lokal-Poſſe, wie wir ſelbe früher, im ſo vollſtändigen Ver⸗ eine, nie zu ſehen Gelegenheit hat— ten. Folgende Opern und Volkspoſſen ſind während des kurzen Zeitraums, von kaum 27 Monaten, bei ſtets vol⸗ lem Hauſe und meiſtens höchſt befrie⸗ digend, zur Aufführung gekommen: „Montecchi u. Capuletti““,„Norma“ und„BVarbter von Sevilla“(dreimal); Die„weiße Frau“,„Unbekannte“, „Zampa“,„Don Juan“(jede zwei Mal);„Tankred“,„Freiſchüz“,„Fra Diavolo“, Stumme v. Portici“,„die⸗ biſche Elſter!“,„der Schwur“, Kreu⸗ tzers herrliches„Nachtlager“, Meyer— beers„Kreuzritter“,„Cenerentola““, „ſchwarze Frau““,„Eulenſpiegel“, „Staberl als Freiſchüz“,„Sylphide“, „Bauer als Millionär“,„Hutmacher und Strumpfwirker“(2 Mal),„Kirch⸗
tag zu Petersdorf“,„Julerl, die Puz⸗ macherin“— alſo 33, ſchreibe fünfund⸗ dreißig Opern und Volkspoſſen, in kaum 10 Wochen. Das Gaſtſpiel der renommirten hochbegabten Hof-Opern⸗ ſängerin, Mad. Schodel, bildet den ſchönſten Schlußſtein unſerer Opern⸗ ſaiſon. Die geſchäzte Gaſtſängerin ſang bis jezt den Romeo, die Julia, die Camilla und Unbekannte, und erntete hier, wie überall, verdienten Beifall. Die gefeierte Gaſtin iſt auf 12 Vor⸗ ſtellungen, mit 100 fl. C. M. pr. Rolle Honorar, gewonnen u. der wakere Di— rektor Müller hat ſich durch dieſe koſt— ſpielige Acquiſition dem Publikum hoch verpflichtet. Auch unſere heimiſchen Opern⸗-Mitglieder verdienten und er⸗ hielten für die fleißige Unterſtüzung des Gaſtes rühmliche Anerkennung. Auch der berühmte Athlet Rappo und der Chineſe Motty ſollen auf Gaſt— rollen gewonnen ſein, ſo wie auch der VBalletmeiſter Uhlich mit ſeiner Fami⸗ lie jezt die Zwiſchenakte der Schau— ſpiele mit Beifall ausfüllt. Unter un⸗ ſern, größtentheils äußerſt verdienſt— vollen Bühnen- Mitgliedern, muß ich der anmuthigen, talentbegabten Dem. Auchter, in Uebereinſtimmung mit un— ſerm hochgebildeten Publikum, gebüh⸗ rendes Lob ſpenden. Fortgeſezter Fleiß und Achtſamkeit auf die verſtändlichere Ausſprache der Textworte werden die jugendliche Künſtlerin bald auf eine bedeutendr Stufe ſtellen. Dann erwäh⸗ ne ich die Damen Crisnitz, Conti, ge—⸗ borne Rieländer, Köpf, Saalfeld und Triſa; dann die H. H. Herz(erſter Tenor), Herrmann(zweiter Tenor), Huber(Bariton), Conty(Bariton), Di— rektor Müller, Ranftl, Toiſſaint, Weinpolter(leztere 4 Baſſiſten). Rech⸗ net man zu dieſen wakern Soloſängern noch 18 muſikaliſch-gebildete, einſtu— dirte Choriſten u. den fleißigen Hrn. Kapellmeiſter Köpf, dann läßt ſich die


