Jahrgang 
1837
Seite
66
 
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wächſt die Gunſt, die ſie ſich im Herzen des Publikums geſchaffen, und man fängt bereits zu glauben an, daß die Individualität dieſer Schauſpielerin von einer Importanz iſt, die unſer Theater nicht leicht entbehren könnte. Am 8. d. M. erſchien ſie als Hedwig in dem neuen Luſtſpieleder Vall zu Ellerbrunn v. Karl Blum. Der dür re Boden des deutſchen Luſtſpiels er zeugt ſolche dürftige Früchte, daß die ſes Produkt mit allen ſeine Fehlern und Mängeln doch noch als eines der beſſern angeſehen werden muß. Die Handlung, in welcher ein liebendes Weib ihren lokern Gatten durch eine künſtlich erzeugte Eiferſucht wieder zur Pflicht zurükführt, iſt ſehr abgedro ſchen; die Charaktere ſind leicht ſkiz⸗ zirt und gehalten, urd der Konverſa tion fehlt Adel und der Salonston. Doch iſt das Ganze, mit Ausnahme ei niger Diskurſe, unterhaltend und das iſt beinahe Alles was das große Pu⸗ blikum heutzutage von einem Luſtſpie⸗ le fordert. Dem. Müller war in ihrer vielſeitigen Rolle ſehr graziös. Unver wüſtliche Gattenliebe, Eiferſucht, Ver ſtellung, Liſt, Schlauheit wußte ſie mit gleicher Liebenswürdigkeit uns vor Augen zu führen und bewährte in al len Situationen einen richtigen Takt. Vorzüglich gelang ihr die Szene, in welcher ihr Plan die Kriſis herbeiführt. Innigkeit und Gefühl ſprach ſich hier ſehr deutlich aus. Sie erhielt einmü thigen Beifall und ward zweimal geru fen. Den Baron Jakob gab Herr Kalis und er zeigte uns die Flatter haftigkeit in lebhaftem Kolorite. Er war rührig und gewandt und benahm ſich recht chevaleresk. Das Publikum

zeigte ſich ſehr befriedigt. Herr Berg.

(Doktor Platanus) gab ſeine vermit telnde Rolle ſehr lobenswerth. Herr Rott übergoß das Ganze mit einer ihm nie verſtegenden Heiterkeit. Uebrigens

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wirkten Dem. Schmidt, und die H. H. Pauli und Lang nach Kräſten mit. Am 10. d. M. war große Repräſenta tion in der Oper. Gegeben wurde: Norma. Als Gäſte erſchienen Dem. Henriette Carl, königl. ſpaniſche Hof ſängerin, als Norma, u. Hr. Wurda, erſter Sänger des Hamburger Stadt theaters, als Sever, zur erſten Gaſt⸗ rolle. Die Schnelle der Mittheilung gebietet uns für diesmal Kürze und wir melden nur das Reſultat. Herr Wurda, ein geborner Ungar, iſt ein ſeltener Sänger. Er hat eine überaus kräftige, männliche Stimme, die rein der Bruſt entquillt; große und geläu⸗ terte Deklamation im Vortrage und routinirtes Spiel. Seine Entree-Arie war das Gelungenſte, das Folgende war etwas ſchwächer, aber immerhin höchſt werthvoll. Die große Zufrieden heit des Publikums ſprach ſich durch einen Veifallsſturm u. oftmaliges Her vorrufen aus. Dem. Carl begeiſterte wieder als Norma. Enthuſfiaſtiſcher Beifall. Wohlverdienter Blumenkranz. Hr. Kaler(Oroviſt) trefflich. Drü kende Hize. Volles Haus. Hag. Ofen.(Arena.) Unſerm Tags⸗ theater ſtehen neue Abwechſelungen u. neuer Reiz bevor. Ein Paar ausge⸗ zeichnete gymnaſtiſche Künſtler ſind hier angekommen, und ſchon heute, Sonn⸗ abend, ſoll Neſtroy'sAffe und Bräu⸗ tigam gegeben werden, in welchem der rühmlich bekannte Gymnaſtiker, Herr Negenti, als Affe Mamok erſcheinen wird. Ein günſtiger Ruf geht ihm voraus und wir zweifeln nicht, daß er auch auf dieſem annehmlichen Schau⸗ plaze ein großes und geneigtes Publi kum finden werde. P. Hermannſtadt(20. Juli). Auch unſere Sonne gefiel ſich in ihren Lau⸗ nen. Dank unſerer Kalenderfabrikatur, die uns der Jahreszeiten Wechſel an⸗ deutet, ſonſt wären wir bei dieſen win⸗