Jahrgang 
1837
Seite
69
 
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Der Schmetterling.

Ein

Flugblatt zum Spiegel.

Mittwoch, 30. Auguſt.

1837.

Theater.

Meſt eh. Wir glauben in Erwäh⸗ nung zweier im Verlaufe voriger Wo che hier gegebenen Opern nur kurz ſein zu dürfen. In derStummen v. Por tici, der erſten franzöſiſchen(von einem Franzoſen komponirten) Oper, in der an die Stelle der bis dahin ausgeprägten heiteren Sentimentalität und artigen Lebhaftigkeit das Gewaltige und Un⸗ gebundene tritt, ja ſogar das Wilde und Extravagante, in bunt und lär mend durcheinander geſchüttelten Ak⸗ kordhaufen, zum Vorſchein gelangt, in dieſer wahrhaft gelungenen Oper Au- ber's findet ein Künſtler Gelegenheit genug, ſeine ausgezeichneten Geſangs⸗ und Darſtellungstalente genügend an den Tag zu legen. Aber gerade weil die Aufgabe gar ſo hoch geſtellt iſt, werden ſich nur wenig Tenoriſten fin⸗ den, die dieſelbe für den ſchärfer Be⸗ urtheilenden in jeder Rükſicht vollkom- men zu löſen im Stande wären. Hr. Wurda leiſtete im 2. Akte ſchon ſehr Ge nügendes höchſt Gelungenes aber im 4. Akte, in dem er beſonders das Schlum⸗ merlied ſo bewundernswerth und hin reißend vortrug, daß er es wiederholen mußte. Würdig ſtanden ihm Mad. Piehl und die Herren Kaler u. Stoll zur Seite. Was diePuritaner betrifft, die man des früh verblichenen Bellini Schwanengeſang nennt, muß

Referent unumwunden geſtehen, daß er dieſes Produkt zu den ſchwächern(2 Erzeugniſſen Velliniſcher Muſe zählt. Wenn in Roſſinis leichtfertigen Kom poſitionen das Geniale, welches unver ſehens, überraſchend u. überwältigend eintritt, uns mit den vorkommenden Plattitüden u. der Frivolität verſöhnt ſo gibt es in Bellinis Muſik wenig Entſchädigung für die im Uebermaße angebrachten elegiſchen Seufzer. Wohl findet man die Melodien gemüthlich aber dieſe Gemüthlichkeit iſt poeſtelos; ſie ſind gefühlvoll, aber ohne Tiefe; ſie ſind voll Seele, aber ohne Geiſt. Dieſe Oper vollends iſt eine Perſonifika tion der Weinerlichkeit, und die hie und da nicht mit dem beſten Geſchike angereihten ernſten und heiteren Me lodien unterbrechen dieſe Monotonie nur ſelten. Wohl ſoll darin der Schmerz vorwalten aber es iſt nicht der ſe lige Schmerz, in dem man ſchwelgen kann, nicht jener Schmerz, der eine Luſt, ein Glük iſt, weil er rührt, ſtärkt, erhebt: es iſt der Ausdruk ei⸗ ner ſüßſauren Empfindung, die depri mirend und erſchlaffend, weder Geiſt noch Herz erſchütternd, mit einem Worte und proſaiſch geſprochen, ein⸗ ſchläfernd wirkt. Nur ſolche Ge ſangstalente, wie die eines Wurda, Kaler, Oherhoffer, Pohl-Veiſteiner kön⸗ nen der etwas ennuyanten Oper die jenige Theilnahme u. Anklang ſichern,