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deſſen ſie ſich bei uns zu erfreuen hat. Faſt jede Geſangsnummer von einiger melodiöſen Importanz mußte von ge— nannten Künſtlern wiederholt werden. N Ofen. Den Freunden des Komus ſteht ein beſonderer Genuß bevor. Mad. Jäger, v. Leopoldſt. Theater, ein aus— gezeichneter Liebling der Wiener, wird auf einige Gaſtrollen hier erwartet. (Arena). Wieder kam ein harm⸗ loſer Scherz, der ſich mit der freien
Abendluft des Tagstheaters beſtens
amalgamirte.„Maurer und Ziegelde— ker“ heißt das loſe Produkt, das ziem⸗ lich gedeihlich auf die Lachmuskeln des zahlreich verſammelten Publikum wirk⸗ te. In der Handlung iſt zwar auch nicht ein Schatten von Sinn, Zuſam⸗ menhang und Wahrſcheinlichkeit; der Dialog wizelt auf gemeinem Felde (hauptſächlich werden die Affengymna⸗ ſtiker zur Zielſcheibe genommen) u. die Charaktere ſind ohne Charakter; aber einige Situationen beluſtigen ſehr u. die Brieſſzene im erſten, ſo wie die Gartenſzene im zweiten Akt ſind be⸗ ſonders von draſtiſchem Effekte. Was aber dem Stüke den größten Erfolg ſicherte, war die recht gelungene Dar—⸗ ſtellung. Vorzüglich iſt es unſer treff⸗ licher Seydl, der in der Rolle des Kellners unerſchöpflich an Drollerie u. Natürlichkeit war. Liebenswürdig wie immer war Mad. Thomé(geb. Matu— reny) im Geſang u. Spiel. Mad. Wil⸗
helmi, die das Fach der komiſchen Müt— ter löblich bekleidet, wirkte auch heute nach Möglichkeit in ihrer ſo dürftig bedachten Rolle. Hr. Juſt gab den al⸗ ten Kavalier mit Wahrheit und Lau- ne, u. Hr. Kurt ſtellte in dem Feuer⸗ werker ein groteskkomiſches Freskobild auf. Auch Hr. Macho wußte ſich durch ſeinen bekannten trokenen Humor Theil— nahme zu verſchaffen.— Die Haupt⸗ perſon des Stükes, der Gymnaſtiker, der, wir wiſfen nicht durch welche Ge⸗ ſchikes⸗Mächte in dieſen Bund gefloch⸗ ten wurde, erntete durch ſeine halsbre⸗
cheriſchen Produktionen den laute Beifall. Den Schluß machte 4
ſantes Feuerwerk— und voila P'aréne!
N Vera g.(Neue Stüke von der
Seine, der Spree u. der Wien. Gym—
naſtiker. Gäſte erſter Größe. Ditto mi- norum gentium. Zwei Debütanten. Alte Novitäten.) Zwei neue Stüke ſind uns zu Geſichte gekommen, zu denen das Publikum ein langes u. gelangweil⸗ tes Geſicht machte. Können Sie, Ma⸗ dam Aneelot, keine herrliche dramati— ſche Panegyrik der Frauenehre ſchrei— ben, als Ihre„Marie, oder die drei Zeiträume“? Ein Töchterlein befreit ihren Vater durch eine reiche Heirath von ſeinen Schulden. Zwar kein gro⸗ ſes Opfer, aber dafür an Intereſſe— reich! Beſagtes Töchterlein bleibt als Gattin treu ihrem Manne, troz dem, daß ihr ehemaliger geliebter Ge— genſtand ſie umgibt. Wieder kein gro⸗ tes Opfer, aber dafür ſehr— neu! Daſſelbe Töchterlein willigt als Witt⸗ we in die Verbindung ihres Töchter— leins mit dem cidevant Geliebten. Das größte Opfer, das Mutterliebe brin— gen kann! Geſpielt wurde dieſes Pro— dukt, das von Th. Hell recht gewandt übertragen iſt, mit beſtem Fleiſſe und beſonders zeichneten ſich Dem. Herbſt (Marie) und Hr. La Roche aus.„Die Herrin von der Elſe“ heißt das an⸗ dere Schauſpiel, das wirklich kein Schauſpiel für Götter iſt. Die Lan— geweile hat hier ihren Siz aufgeſchla⸗ gen, Fadheit führt das Protektorat und Flachheit das Wort.„Die Herrin von der Elſe“, deren Herr Hr. Blum in Berlin iſt, dauerte bis nach halb eilf Uhr— ach, das geduldige Publikum dauerte mich ſehr. Dem. Denker ſtellte die Titelrolle, ein Kotzebue-Clau⸗ ren'ſches Naivitätchen dar, und ver⸗ ſchwendete die Summe ihres reichen Darſtellungstalents auf ein ſo undank⸗ bares Kind, wie die Helene iſt. Die


