tiger Herr. Er ist der Köuig eines großen aber zerrissenen Staates, der gern noch größer werden möchte; er ist der Chef einer Armee von 600,000 tapfern Männern. die, wie es scheint, nur ihm allein zu gehorchen geneigt find.
Der König von Preußen— Ihr wißt es alle, daß ihn Gagern und seine Freunde zum deutschen Kaiser machen wol⸗ len,— auf daß er die Einheit Deutschlands begründe; auch wißt Ihr, daß sich die demokratischen Gegner Gagerns, mit sammt den Katholiken diesem Ansinnen widersetzen und sich mit Planen herumtragen, durch deren Verwirklichung die Zer— rissenheit Deutschlands auf's neue sanctionirt werden würde. Denn soll die Kaiserwürde wechseln zwischen Baiern, Oester— reich und Preußen: so wäre damit die Berechtigung dieser Staaten auf ihre fernere Existenz aus gesprochen und die Con⸗ stitutionellen hätten Recht, weun sie den parlamentarischen Geg⸗ nern Gagerus vorwerfen, daß dieselben der deutschen Einheit entgegenarbeiten.
Was sollen nun wir, die Demokraten, thun unter diesen Umstaͤnden?
Freunde, Parteigenossen! Die Zeit drängt! In 14 Ta⸗ gen schon kann die Welt ein anderes Aus ehen haben! Wir müssen einen Entschluß fassen, wir müssen uns wenigstens vor— bereiten, einen solchen zu fassen in dieser Frage— und wir dürfen uns dabei,— wenn wir klug und patriotisch sein wol— len— weder von unseren persönlichen Abneigungen noch von unseren vorgefaßten Meinungen leiten lassen.
Ihr wißt es alle, Freunde, daß ich kein sonderlicher Freund weder vom König von Preußen noch vom Herrn von Gagern und den Herrn Constitutionellen bin.
Und dennach dennoch schlage ich Euch auf die Gefahr hin, Vielen von Euch vor den Kopf zu stoßen, biermit öffentlich vor, dahin zu wirken, daß unsere Partei im Vereine mit den Constitutionellen die Candidatur des Königs von Preußen un⸗ terstütze— aber, wohlgemerkt, unter der Bedingung, daß der König und die Constitutionellen folgendes Programm auf— stellen:
1) Hochverräther und Galgenkandidat sei Jeder, welcher der deutschen Nation einen erbli⸗ chen Kaiser aufbürden hilft. Die deutsche Nation hat ihre Soguveränität nicht in die Hand genommen, um sie zu verschenken oder verschenken zu lassen.
2) Landes verräther und Galgenkandidat sei Jeder, welcher die Einheit Deutschlands ohne Oesterre ich dekretirt. Eine solche Einheit wäre die blutigste und nieder trächtigste Zerstücklungg und Ber aubung, welche zu voll⸗ ziehen Niemand, selbst die deutsche Nation nicht, das Recht hat.
3) Deutschland muß nach den Stämmen in Provinzen oder Länder getheilt werden, und jedem Stamm das Recht zu⸗ erkannt werden, sich seine Gouverneure oder Landfürsten frei auf bestimmte Zeit zu wählen,— damit diejenigen Staͤmme, welche ihre Landesfürsten in Rang und Würde belassen wollen, dies thun, diejenigen aber, welche derselben satt find, sich an⸗ dere wählen können.
Stellen die Constitutionellen dieses Programm auf, dann können wir den König auf's Schild erheben und in die Schlacht tragen, die dereinst— vielleicht im Bund mit Ungarn und Italien— zu Ehren der deutschen Einheit geschlagen werden muß, dann können wir ihn auf's Schild heben und in den Koth werfen, wenn er je wieder riefe: Es geht nicht! Dann
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könuen wir Manches vergessen und in das neue Jahr hinein- rufen: Pereat der König von Prenßen! Vivat Friedrich Wilhelm von Hobenzollern, Kaiser der Deutschen in spe, Gründer der deutschen Einheit! Vielleicht, daß denn später ein Mann aus einem deutschen Kerker hervorgeht, vielleicht, daß wir dann später dem Sohn eines Bauern begegnen, dem Gott einen gesünderen und stärkeren Geist gegeben hat, der Kaiser der freien Maͤnner Germaniens zu sein.— e
Tages neuigkeiten.
Inland.
Darmstadt. Während Baiern, Hannover und Oesterreich noch nicht einmal die Grundrechte promulgiren wollen, während Preußen die deutsche Centralgewalt mit schönen Worten abspeist, und in der Verfassungsfrage, der schleswig⸗holsteinischen ꝛe. ꝛc. dem Parlament den Gehorsam aufkündigt, vollzieht Hessen alle Beschlüsse des Parla ments, die ihm zuträglich scheinen. Fünf Sechstheile von Deutschland führen die Parlamentsbeschlüsse nicht aus, diese§ be⸗ schließen aber, was der Rest thun soll und der kleine Rest thut es. Das ist die Jaupische deutsche Einheit. Hessen wird das Opfer, indem es Beschlüsse vollzieht, die von Leuten gefaßt werdeu, die in ihrer eigenen Heimath für ihre Beschlüsse keine Anerkennung ftinden. So eiwas Colossales ist in der Geschichte noch nie dagewesen, und wir sind einigermaßen neugierig, wie Herr Jaup, wenn er nach sei⸗ ner Entfernung durch die nächste Kammer, als Lehrer des Staats⸗ rechtes auftreten sollte, dieses seltsame Verhältniß staatsrechtlich be⸗ gründen will. Hessen, Baden, Würtemberg und Nassau, vollziehen allein den Parlamentsbeschluß, wodurch das Heer um 2 Procent vermehrt wird.
Nie, selbst in den Zeiten des blutigsten franzoͤsischen Krieges ist eine solche Conseription erhört worden, die Ausgaben für diese Truppenmassen sind nicht aufzubringen, und wenn man sie beisam⸗ men hat, bleibt kein Mittel, als sie gegen Großh. Hessische Schatz⸗ scheine einzuquartieren, wie man es mit den Reichstruppen gemacht⸗ Die eine Hälfte der Unterthanen wird Soldat, die andere muß ste füttern. Es lebe der 6. März und die deuische Einheit.— Das Geld für die Einquartierung ist immer noch nicht bezahlt, Armuth und Nahrungslosigkeit nehmen zu, das Land steht am Rande des Abgrundes, der Staat wird einen Staatsbanquerott kaum ver⸗ meiden können, aber die Truppen verdoppelt man.
(Neue Zeit.)
Wiesbaden, 29. Dez. Mit dem ersten Januar tritt unsere Landesbank ins Leben. An ihrer Spitze steht ein Director mit zwei Räthen und drei von der Deputirtenkammer gewählten sach⸗ verständigen Beiräthen. Der Staat übernimmt die Garantie und zieht dafür auch den vollständigen Gewinn der Bank. Dieselbe giebt Darlehen gegen Hypotheken und andere Versicherungen, sie treibt Incasso und Girogeschäfte und ist zu Depositengeschäften be⸗ fugt. Ihr Betriebsfonds besteht zunächst aus größeren Anlehen, welche die verfassungsmäßige Genehmigung erhalten haben.
Sie ist zugleich Generaldepositencasse; über 50 fl., wenigstens auf 6 Monate stehend, verzinst sie mit 3 pCt. Sie ist endlich auch Sparkasse mit 43 pCt. Zinsen für Darlehen von 5 bis 100 fl. für die weniger bemitielnden Landesbewohner mit dreiwöchentlicher Aufkündigungszeit. Sie ist allein berechtigt, Banknoten bis zu 1 Million auszugeben. Die bisherigen Landeskredit⸗Cassenscheine wer⸗ den bis auf weitere Bestimmung als Banknoten beibehalten. Halb⸗ jährig hat sie eine Darstellung ihres Geschäftsbetriebes öffentlich bekannt zu machen.(M. 3.)
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