Ausgabe 
3.1.1849
 
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nur das Recht dazu zugeftanden, sondern auch die Mittel dazu geradezu in die Hand gelegt, indem sie sich überall zur Einführung der Volksbewaffnung und Verminderung der ste henden Heere bereit erklärten. Setzen sich diese r Menschen dahin und berathen in ihrem blödfinnigen Vertrauen 5 Monate lang über die Grundrechte, über diese Grundrechte, in de⸗ ren Besitz wir uns längst befanden und von welchen wir täg lich in Volksversammlungen, Vereinen, ceusurfreien Zeitungen, Adressen, Petitionen u. s. w. Gebrauch machten. Doch genug davon! Ihr wißt das Alles: auch kennt ihr den ehrlichen Leithammel, der unsere guten verirrten Schafe in die Wüste gefübrt hat, aus der sie Niemand erretten will. Denn ach, der Hirte, nach dem sie blöcken, er ist kein guter Hirte, er fürchtet sich selber und ruft verzweiflungsvoll: Es geht nicht! Es geht nicht! Es geht nicht!

So hätte also die Prophezeihung auf 1848 gelogen! Nicht doch, ihr Kleingläubigen, sie ist in Erfüllung gegangen! Das Reich der Gerechtigkeit und Wahrheit ist wirklich erschienen in den Köpfen und Herzen des Volks. Das Volk es hat vom Baum der Erkenntniß gegessen und gelernt, die Wei sen von den Thoren zu unterscheiden und die politischen Män⸗ ner von den politischen Schwaͤtzern; die Treue, die falsche, hündische Treue an den angestammten Herrn und die ange stammte Kette ist fort und hin für immer. Das Vertrauen, das einfältige, kindische Vertrauen auf die Verheißungen be drängter Vorrechtler und verächtlicher Diplomaten ist todt, mausetodt; der Gedanke der deutschen Einheit ist in den Geist der ganzen Nation übergegangen und es it eine de mokratische Partei da, die, wäre sie auch nur halb so stark an Zahl, Eifer und Entschlossenheit, als sie scheint, nimmer und nimmer vernichtet werden kann. das deutsche Volk ist noch nicht Mann geworden, aber es ist auch kein Kind mehr; es fehlt ihm noch an Charakter, nicht aber an Ein⸗ sicht; sein Wille ist noch nicht sehr stark, aber er ist gut, In der That, Freunde, nur die Kurzsichtigen und Ungeduldigen können den ungeheuern Umschwung verkennen, der in dem Geist der Narion vorgegangen ist, nur die Kleingläubigen und Un⸗ wissenden können wähnen, daß diese neue Geistesrichtung je unterdrückt und vernichtet werden könne. Pah, Freunde! selbst der Geist, der in den Einzelnen lebt, kann nicht vernichtet wer⸗ den. Den Einzelnen kann man einsperren, köpfen, bestechen der Geist aber, der in ihm lebte, wenn er ein guter und wah rer Geist war, wird dann alsbald in einem andern Menschen seine Wohnstätte aufschlagen. Hat sich aber erst einmal der Geist der Freiheit und Nationalität eines ganzen Volkes be⸗ mächtigt: so kann er nicht mehr verdrängt werden; denn ein ganzes Volk kann man weder einsperren, noch hängen, noch be⸗ stechen ein Volk stirbt nicht!

Darum, Freunde, schauet getrost und mit Zuversicht in das neue Jaht 18491! Und laßt euch nicht von der Unge⸗ duld ergreifen. Woher doch in aller Welt ist dieser Sa⸗ tan der Ungeduld plötzlich in so viele dieser Deutschen gefahren, die sich sonst so geduldig Alles, Alles gefallen ließen! Wissen sie nicht, daß die wahre, selbstbewußte Geduld eine herrliche, männliche Tugend ist, ohne welche nichts Großes erreicht wer⸗ den kaynn. Geduldig, Freunde, geduldig, thätig und entschlossen sei unser Wahlspruch. Sagt mir nicht, der rechte Augenblick sei verpaßt, weil man nicht zugeschlagen, als Hecker die Standarte der Empörung erhob. Was auch unsere jungen Freunde sagen mögen, wie sehr auch das Volk

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jetzt fuͤr Hecker begeistert sein mag: Hecker konnte uns damals nicht helfen! Damals freilich waren die Fürsten schwach, aber die Demokraten waren es auch; das Vextrauen des Volks zu den Fürsten war zu jener Zeit noch nicht erschüttert; ein Sieg der Demokrateu würde daher nicht von Dauer gewesen sein. Das Volk selbst würde sich für Fürsten, welche gewiß wieder Alles versprochen haben würden, erhoben haben, um die De mokraten niederzuschlagen. Die Art und Weise aber, wie die Vorrechtler ihren Sieg benutzt haben, hat dem Volk die Augen geöffnet und darum steht die Sache Deutschlands heute besser q ls 18.

Doch um wieder auf den bewußten Hammel und auf den Hirten zurückzukommen: so wisset ihr Alle, wen ich darunter gemeint habe. Unter dem Ersteren verstehen wir e inen Mann, der fruher einige Proben von einer gewissen Unabhängigkeit, des Charakters gegeben, niemals aber irgend etwas gethan, geredet oder geschrieben hat, was uns den Beweis lieferte, daß er ein Herz habe für die wirklichen Leiden des Volks, daß er den Geist und die Kraft habe, unser so tief ins Unglück ge⸗ rathenes Land aufzurichten und wiederherzustellen. Dieser Mann hat einmal den Staatsrath Knapp einen Parteimann genannt und ist deshalb pensionirt worden. Er hat die Pension ausgeschlagen und später Händel mit Herrn Georgi bekommen u. s. w. Das Alles und seine dumpfdonnernden Reden mit den langen Pausen, seine feierlich zuternde Stimme, seine starken Augenbrauen u. s. w., hatten den Mann schon früher bei einem verehrlichen deuischen Publikum sehr beliebt gemacht und ihm die Bewunderung der guten Schafe der Pauls⸗ kirche zugezogen, die in ihm wirklich einen großen Staats- mann und den Erretter Deutschlands erblickten. Das gute Volk! Sie wollten schwimmen ohne sich naß zu machen; sie glaubten die Einheit und Freiheit Deutschlands mit bloßem Gackern fertig zu bringen; sie hielten sich für Politiker, weil sie selbst manchmal gegackert, sich im Uebrigen aber nie ernst⸗ lich mit der gefährlichen Frage beschäftigt hatten, wie ein Volk frei, mächtig und groß gemacht werden könne. Kurz, Gagern, der wiklich ein edler Ritter, aber ein schlechter Musikant ist, wurde der Leithammel und hat seine Schafe zum großen Gaudium und unter Anleitung der falschen Fünse von Diplo⸗ maten in die Irre geführt, so daß sie jetzt nicht mehr wis sen, wo aus noch ein. Und nun schreien sie alle nach dem König von Preußen, der sie erretten soll von den Füchsen und Wölfen, die sie umschwärmen.

Der König von Preußen wahrhaftig er wäre ein gan⸗ zer Mann, wenn er nicht ein halbes Weib wäre; er wäre ein Stück von einem Ritter, wenn er nicht ein ganzer Pietist und nebenbei ein Gemisch von einem russischen Autokraten und ei⸗ nem deutschen Professor wäre. Dieser Mann ist in den letzten Jahren arg gescholten worden in Deutschland und ich selbst weiß, daß kein Verlaß auf ihn ist. Und doch ist der Geist dieses Mannes nicht sowohl schlecht, als vielmehr unge sund und verunstaltet durch Pfoffen und Pfaffenwahn. Als er im März die Berliner bombardiren ließ, glaubte er in seinem gött⸗

lichen Recht zu handeln; als er das Haupt entblößen mußte

vor den Erschossenen, glaubte er, der Herr wolle ihn demüthi⸗ gen, um ihn später wieder zu erhöhen und wenn er sich jetzt weigert, deutscher Kaiser zu werden, so thut er es, 8 er fürchtet die Gesalbten des Herrn in ihrem vermeintlichen Rechte zu kränken.. Dieser Mann nun sei er wie er wolle ist ein maͤch⸗