Ausgabe 
3.1.1849
 
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2.

Vehr'

(Angekuͤndigt unter dem Titel:

Organ der demokratischen Vereine Oberhessens und des Lahnwehrbundes.

ich!

Der Neue Juͤngste Tag.)

Erscheint täglich, Morgens, Montags ausgenommen. Preis 1 fl. 30 kr. vierteljährlich. Bringerlohn 12 kr., welche zu Ende des Quartals bezahlt Die einzelue Nummer 2 kr. Jnserate 2 kr die gespaltene Pet stzeite. Auswartige können nur bei ben zunachst gelegenen Postamtern abonniren,

werden.

bei denen sich das Abonnement um den üblichen Postaufschlag erhöht. Briefe und Gelder franko. . I. Gießen, Mittwoch den 3. Januar 1849.

Ankündigung.

In Folge einer Verständigung zwischen den Herren Carl Schild und Aug. Becker u. Comp. er⸗ scheint mit dem Neujahr 1849 weder derJungste Tag, noch der neuangekundigteNeue jüngste Tag, sondern es erscheint unter dem TitelWehr Dieh!! Organ der demokratischen Vereine Oberhes⸗ sens und des Lahnwehrbundes(angekündigt unter dem Titel:Der neue jüngste Tag) unter der Redaktion Aug. Beckers und unter der Letrung der Herren Ant. Gastauer und Jak. Wahl eine neue Zei⸗ tung, welche unter verändertem Namen die Richtung des jüngsten Tags unermüdlich weiter verfolgen und in dem Geist desselben geschrieben wird. Der jungste Tag will also nur seinen Namen und sein äußeres Kleid ver⸗ ändern. Herr Jak. Wahl, welcher die Geschäftsfüͤhrung und die Expedition desWehr' Dich übernehmen wird, ist beauftragt, von den Einwohnern dieser Stadt die Abonnementsgelder zu erheben, und allfällige Be⸗

schwerden wegen unregelmäßiger Expedition u. dergl. entgegenzunehmen. sich deshalb zunächst an die benachbarten Postämter zu wenden.

bitten wir,

sich bereits auf den von Herrn Schild angekundigtenJuüngsten Tag nicht dagegen reklamiren sollten, denWehr' Dich zusenden.

Die auswärtigen Herren Abonnenten Denjenigen Abonnenten, welche abonnirt haben, werden wir, falls sie Auch werden wir den Offerten, welche Hr. Schilo

dem Publikum in Bezug auf die Aufnahme von Auszügen aus den Civilstandsregistern u. dgl. gemacht hat, in

dieser neuen Zeitung nachzukommen suchen. oder desNeuen jüngsten Tags eingehen sollten, gen zu lassen.

Politische Neujahruachtsrede.

Landsleute, Freunde, Parteigenossen! So sind wir denn wieder versammelt, um nach einer mehr oder weniger löb⸗ lichen alten deutschen Sitte hinüberzutaumeln aus einem alten in ein neues Jahr halb Hoffnung, halb Verzweiflung im Herzen! Viele, wenigstens Einige von Denen, die hierherge⸗ kommen sind, haben, ich fühle es, zu diesen lirmenden Festge⸗ lagen und zum huͤpfenden Tanz ein schweres Herz mitgebracht,

so schwer, daß es sie niederziehen möchte auf den kalten Boden,

um dort zu durchweinen diese verhängnißvolle Nacht, welche hinüberführt aus dem alten Jahr bitterer Taͤuschung in das neue Jahr der schweren Sorgen und der bangen Erwartungen, in das Jahr 1849, das, wir fühlen es Alle, schwanger geht mit verhangnißvollen, entscheidenden Ereignissen.

Es gab eine schoͤne, alte Prophezeihuug auf das Jahr 1848, eine Prophezeihung, welche sagte, dieses Jahr der sog. segensreichen Geburt Jesu Christi werde das Grab sein der Tyrannei, werde den jüngsten Tag bringen der rohen Gewalt des Menschen über den Meunschen, werde der Anfang sein jenes Reichs der Gerechtigkeit und der Wahrheit, dessen Er⸗ scheinen auf Erden unsere Väter seit Jahrhunderten vergeblich (weil unbewußt) in täglichen Gebeten vom Himmel erfleht

Briefe und Gelder, bitten wir die Herren Postbeamten,

welche unter der Adresse desJungsten Tags an Heren Wahl gelan⸗

A. Becker, verantwortlicher Redakteur; A. Gastauer, J. Wahl, Geranten

desWehr' Dich!

0 hatten. Ach! das Jahr 1848 ist ins Grab gesunken, die

Ungerechtigkeit aber und die Lüge noch sind sie obenz noch sizen die Gewaltherrschaft und das Vorrecht auf den Thronen, die betrogene Menschheit ins Angesicht höhnend; noch scheint das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit ferne von uns von uns Deutschen zumal! Bemitleidet und verachtet von den freien Völkern, gehaßt und verflucht von den unterdrückten, verkauft und verrathen von den eigenen Landsleuten, enttäuscht und entmuthigt, verwirrt und rathlos: so ist das deutsche Volk in dem Winter eines Jahres angelangt, dessen Frühling es mit so stolzen Hoffnungen und wir dür fen es wohl sagen mit manch' glorreicher Waffenthat be⸗ gonnen hatte. Siegreich im Vortreffen, hatte es in verderbli⸗ cher Vertrauensseligkeit den um Menschen-Gnade flehenden Herren von Gottes Gnaden einen unüberlegten Pardon und Waffenstillstand bewilligt und eine Nationas versammlung ge⸗ wählt, um das mit den Waffen begonnene Werk der Wieder⸗ herstellung Deutschlands auf dem Wege der souveränen Gesetz⸗ gebung zu Ende zu fuhren. Der Gedanke war gut, aber die Ausführung war schle cht. Die Nationalrersammlung war allmächtig im Anfang ihres Zusammentretens; sie konnte Alles und that Nichts; sie konnte Deutschland zu Ein em freien Staat vereinigen; die Fürsten selber hatten ihr nicht