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Nürnberg, 25. Dez. Unser„Freier Staatsbürger“ bemerkt: Die Augsb. Allg. Z. kann den Todten, den das deutsche Volk be⸗ dauert, dessen Mörder es verflucht, nimmer ruhen lassen. Immer zerrt sie seinen Schatten aus dem Grab hervor, und sucht den Lieb— ling der Nation auf eine ebenso niedrige als schwachsinnige Weise herabzusetzen. So hat sie neuereings die Entdeckung gemacht, Blum sei zwar nicht feige, aber auch nicht als Held gestorben. Denn— man höre!— ein Offizier, der ihn zum Tode geführt, habe aus⸗ gesagt, Blum habe unterwegs dreimal gefragt, ob denn das der Weg zur Brigittenau sei? woraus der Offizier geschlossen, daß er nicht an seine Hinrichtung geglaubt. Auf die bejahende Antwort sei seine Haltung„merklich ungewisser“ geworden. Als der Wagen auf die Wiese einbog, habe Blum mit thränenden Augen einige halblaute Worte der Crinnerung an Frau und Kinder gesprochen. Blum habe nach Verlesung des Urtheils nicht zu reden verlangt und„der Offizier sprach subjektis die Meinung aus, daß Blum in diesem Augenblick nicht hinlängliche Fassung zu einer Anrede gehabt.“
Aus all' dem subjektiven Gefasel schließt die A. a. Z., Blum sei nicht feige, aber auch nicht als Held gestorben. Derjenige, wel
cher im Angesicht des Todes sich an Weib und Kind crinnert, stirbt
also nicht als Held? Was versteht denn die A. a. Z. unter dem „Heldenthum?“ Hätte Blum mit blastirter Gleichgiltigkeit oder Leichtfertigkeit den Tod empfangen ollen? Dann wäre er vielleicht als Theaterheld, aber nicht als Held gestorben.
Gerade der, sollten wir meinen, stirbt als Mann oder Held, welcher in den letzten Augenblicken den rein und ächt⸗menschlichen Gefühlen ihr Recht nicht versagt, ohne sich von ihnen besiegen zu lassen. Aber wir vergessen, daß es eben Blum ist, welcher so starb, und daß die A. a. Z. einen Mann der Linken nicht als Mann und Helden sterben lassen darf. Er muß verkleinert werden, koste es was es wolle. Wäre er einer der ihrigen gewesen, dann wäre des Rüymens und Preisens kein Ende. Wir er nnern nur an den Tod List's, der zu den Auserkornen der A. a. 3.— wir wünschen, sie hätte keinen schlechtern— gehoͤrte. Was war das ein Trauern, ein Feiern und Rühmen! Und als die durch seinen Tod neu an— geregte Frage über seinen Antheil an der Schaffung der deutschen Zolleinheit von einigen Seiten faktische Berichtigungen hervorrief, wie warf sich da Herr Kolb pathetisch in die Brust und deklemirte gegen Hrn. Emil Hofmann, der die Grabesruhe des großen Tod⸗
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ten störe! Blum aber, der Mann des Volks, der Mann der Lin⸗ ken, er darf im Grabe geschmäht werden, wie er im Leben geschmäht n Wien, 25. Dez. Herr v. Schmerling fordert zu milden Bei⸗ trägen für das leidende Wien auf. Dieser Herr v. Schmerling, der als Reichsminister in Frankfurt kaltblütig zusah wie unsere deutsch⸗ gesinnte Stadt von einer wüthenden Soldateska geplündert, durch Brand verwüstet wurde, der all' diese Gräuel abläugnete und nur von wiederhergestellter Ordnung sprach, sagt jetzt höchstselbst, daß Wien grenzenlos unglücklich geworden sei, daß Tausende von Fami⸗ lien verarmt seien. Dieser Aussage jenes höhnenden, hartherzi⸗ gen, alles Menschengefühl verleugnenden Bedienten der blinden Fürstengewalt werden jetzt doch wohl die Reaktionäre und die mit ihnen gleichgesinnten Freunden der constitutionellen Monarchie auf breitester demokratischer Grundlage Glauben scheukeu. Als die Freiheit noch in Wien eiwas galt, als kein Eigenthum verletzt wur⸗ de, da sah man nur Pöbelherrschaft, Anarchie, jitzt wo nur die blinde Gewalt das Schwert schwingt uud die heiligsten Menschen— rechte mit Füßen getreten werden, da steht der Volksfeind nur Ord⸗ Wo ist da die Pöbelherrschaft und die Anarchie zu sin⸗ Die Wahl wird nicht schwer fallen.
wurde!
nung. den?
Gießen, 2. Jan. Am letzten 24. Dez. waren hier Abgeord⸗ nete der Bürgergarden von Wetzlar, Butzbach und Gießen versam⸗ melt, um die Statuten zu einem„Lahnweh rbund“ zu berathen. Wir werden diese Statuten, welche der Nationalversammluug zur Bestätigung vorgelegt werden sollen, morgen mittheilen und bemer⸗ ken hier nur, daß unsere Zeitung„Wehr Dich!“ zum Organ dieser Verbindung erkoren worden ist,.
Bezirksrath.
Gießen, 2. Jan. Die heutige 31e Vormittagssitzung des Bezirksraths wurde mit Verbandlungen über Bittgesuche um die Aufnahme in's Gemeindebürgerrecht ausgefüllt. Nach lan⸗ gen hartnäckigen Debatten darüber, ob das Weberhandwerk ein seinen Mann ernährendes Gewerbe sei, wurde der Leinwe⸗ ber Killer mit seinem Gesuch um Aufnahme ins Gemeinde⸗ recht von Großenbuseck abgewiesen.— Der Schuhmacher Wal⸗ tper, welcher sich in Gießen etabliren will, wurde einstweilen dahin beschieden, seine Nachweisungen in Bezug auf sein Vermögen zu vervollständigen Wir kommen Morgen auf diese Verhand- lungen zurück.— i
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Nenjahrwunsch.
Von allen Wünschen in der Welt ö Nur einer mir anjetzt gefällt, Nur: Knüppel aus dem Sack! And gäbe Gott mir Wunschesmacht, Ich dächte nur bei Tag und Nacht, Nur: Knüppel aus dem Sack!
O Märchen, würdest du doch wahr Nur einen einz'gen Tag im Jahr, O Knüppel aus dem Sack! Ich gäbe drum, ich weiß nicht was, Ich schlüge drein ohn' Unterlaß: Frisch: Knüppel aus dem Sack Auf's Lumpenpack! Auf's Hundepack! Hoffmann v. Fallersleben.
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960) Den Mitnehmer der blauen Kappe aus dem Leib'schen Wirthslokale am 2.
pr. Flasche
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hin wieder abzugeben, gegenfalls solcher zur Rückgabe in diesem Blatte aufgefor⸗ dert werden wird.
ich für die Herren
Verantwortlicher Redaktör Ang. Becker.
Druck von Larl Schild.
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