Ausgabe 
6.1.1851
 
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1893

Seite der zweiten Kammer mehrfache Interpellation an den

Finanzausschuß auf rasche Beendigung der Budgetsarbei⸗ ten erfolgt, obgleich der riesenhafte Fleiß des Finanzaus⸗ schusses notorisch und der brave Abgeordnete Volhard in Folge seiner zu sehr angestrengten Finanzarbeiten sogar bedeutend erkrankt ist. Herr Abg. Hofmann von Fried⸗ berg, derselbe Abgeordnete, welcher schon einmal die fran⸗ zösische Gesetzgebung als einen Quark und die in der Provinz Rheinhessen im Jahre 1847 und 48 Statt ge⸗ babte Agitation gegen das Polizeistrafgesetzbuch als eine Thorheit bezeichnet hette, dieser Herr Hofmann unternahm es auch heute wieder, gegen den Finanzausschuß eine Lanze einzulegen und auf schleunige Vorlage des Berich⸗ tes über das Budget mit obigem Antrage zu dringen, in⸗ dem er bemerkte, daß das Land mit der Verzögerung die⸗ ser Arbeit sehr unzufrieden sei. Wie gerieth er aber mit seinen Mitantragstellern unter die Dachtraufe!

Seinem Angriffe wurde von Seiten der Abg. Müäller⸗ Melchiors, Becker, Metz, Mathy, Zöppritz, Cretzschmar, Wittmann u. A entgegengehalten, daß zwar nicht der Hof und sein Anhang, als da siud die Empfänger großer Pensionen und Renumerationen, wohl aber das Volk mit den Arbeiten des Finanzausschusses zufrieden seie, der Alles aufzudecken sich bemühe, wie noch niemals. Aus diesem Grunde sei es auch begreiflich, warum man von der Seite her, wo man die Beleuchtung fürchte, den Fi⸗ nanzausschuß zu einer oberflächlichen Bearbeitung des Bud⸗ gets drängen wolle. Der Finanzausschuß solle und werde aber, wie bisher, in seiner gründlichen Bearbeitung fort⸗ fahren. Hierfür gebühre jedem Mitgliede desselben von dem Volke eine Bürgerkrone.

Abg. Müller⸗Melchiors vertheidigte die Aufgabe und strenge Pflicherfüllung des Finanzausschusses in schärfster Weise gegen den Angriff der Abg. Hofmann und Con- sorten, welchen er eine Usurpation nannte, während das Volk mit dem Finanzausschusse völlig übereinstimme, der einen wahren Augiasstall zu räumen habe und auch räumen werde.

Dieser Ausdruck versetzt die Rechte des Haufes in große Aufregung. Zwischenrufe erschallen und nur mit Mühe vermag der Prästdent eine tumultuarische Scene zu vermeiden. Abg. Witmann glaubt, daß Herr Hofmann sich in den Kammerverhandlungen langweile, weil der⸗ selbe, wie er selbst zugegeben habe, in der Sitzung mit der Lektüre der demokratischen Mainzer Abendpost sich be⸗ schaͤftige. Wenn also Herr Hofmann und seine Mitan⸗ tragsteller Langweile in der Ständeversammlung hätten, so würden sie am besten thun, sie legten ihr Mandat nieder und zögen sich hinter die Fleischtöpfe ihrer Heimath zurück. Der Finanzausschuß habe eine riesenhafte Arbeit, welche Redner unter Bezugnahme auf die Kammerver handlungen bezüglich des Baues der Mainweserbahn mit den schwierigen Erdarbeiten an der Lindener Mark ver⸗ vergleicht. So wie dort die Grundarbeiter die größten Terrainschwierigkeiten bei dem Abtragen eines Berges zu beseitigen hätten, so habe auch der Finanzausschuß einen ganzen Berg hinwegzuräumen und das Volk müsse ihm Dank wissen, daß er die verschiedenen Erdschichten dieses Berges so gründlich durchsuc e. Gar manche vor⸗ märzliche Crystallisationen lagen darin, die Pensionen und Pensiönchen, die Reunmerationen und Reunmervtiönchen u. s. w. kämen ans Tageslicht, so wie auch jüngst der Finanzausschuß mehrere Hunderttausend Gulden für das Volk darin aufgefunden habe.

Hierfür sei das Volk dankbar und wuͤnsche Nichts, als

daß der Finanzausschuß nnr so fortarbeiten möge. Die

bisherigen Arbeiten des Finanzausschusses möge Jeder sich

hübsch einbinden lassen und das Motto darauf schreiben: Es ist nichts so fein gesponnen,

Ab. 39 endlich an die Sonnen.

za g. Metz versetzt dem Herr Hofma i i näftige Hiebe 8 Herr Hofmann nicht minder

Der Gothaer, der sich von einem Mitgliede der außer⸗ sten Rechten durch Nichts mehr unterscheidet, hat seine derbe Lektion erhalten..

Der von ihm und einigen Kollegen gestell:e Antrag wird mit Majorität von 24 Stimmen gegen 19 für nicht dringlich erklärt und hat sonach die Spitze verloren.

Nächste Sitzung Mittwoch den 19. Nov., Tagesord⸗ nung: Verhandlung über den Reh'schen Antrag.

* Darmstadt, 14. Nov. 215 Ortsbürger aus Freilaubersheim und Volrheim haben in Betracht der Ab⸗ setzung des Landtagsabgeordneten Pfarrer Mathy aus Freilaubersheim eine Eingabe an die 2. Ständekammer eingegeben, der wir solgende Stellen entnehmen:

Herr Mathy ist bereits 22 Jahre unser Pfarrer. Sein Wandel und sein Wirken liegen vor uns. Sein Privat⸗ leben, sein Familienleben waren uns Muster. Seine Wirk⸗ samkeit als Geistlicher muß sowohl von seinen Gegnern, als auch von der Behörde anerkannt werden. Mathy war unser Freund und Rathgeber; er ist der inniggeliebte und höchst geachtete Lehrer einer hiesigen ganzen Generation. Jung und Alt, Alles hängt mit gleicher Liebe an ihm. Nicht leicht wird ein gleich schönes Verhältniß in unserer Provinz dem an die Seite gestellt werden können, wie das zwischen unseren beiden Gemeinden und unserem Pfarrer war.

Greise machten es auf ihrem Sterbebette ihren Angehö⸗ rigen zur Pflicht, ste nur von ihrem Pfarrer und Freunde Mathy beerdigen zu lassen. Viele Familien ließen ihre Kin⸗ der wochenlang ungetauft, weil sie dieselben zur von ihrem geliebten Lehrer gerauft haben wollten. Dieß sind Thatsachen. Und nun stört man dies schöne Verhältniß, indem man un⸗ sern Pfarrer entsetzt. Es ist für uns höchst schmerzlich, die Ueberzeugung gewinnen zu müssen, daß die geistliche Oberbe⸗ hörde dadurch den Beweis liefert, daß sie auch nicht die ge⸗ ringste Rücksicht auf die hiesigen religiösen Beduͤrfnisse un⸗ serer Gemeinden genommen.

Wir sind in dieser Beziehung der Meinung, daß wir nicht dazu da sind, um irgend einem andern Pfarrherrn eine gute Versorgung zu bereiten, wir sind vielmehr der Meinung, daß ein Geistlicher der Gemeinde wegen da ist, dazu da ist, um Religiofität und Sittlichkeit sowohl durch erworbenes Ver⸗ trauen und seinen Wandel, als auch ducch amtliche Thätig⸗ keit zu fördern und zu heben. Unser bisheriger Pfarrer ent sprach Allem diesem in vollem Maaße.

Es steht uns nicht zu, das Verfahren einer höheren Behörde einer Beurtheilung zu unterwerfen; aber das steht uns zu, gegen ein solches Verfahren hier förmlich zu prote⸗ stiren: 5 Einen andern Pfarrer wird man uns wohl geben, aber zwingen wird man uns nicht wollen, ihm die Kirche zu besuchen..

Von der russisch⸗polnischen Gränze, 9. No⸗ vember. Von einer zuverlässigen Person aus dem König⸗ reiche ist mir mitgetheilt worden, daß russische Offiziere sie versichert hätten, wie mit dem 1. November, also nach unserem Styl mit dem 13. d. M. die ganze jenseitige Armee sich auf Kriegsfuß befinden solle, und zwar im vollsten Sinne des Worts. Zwar sind keine neuen Fou⸗ rage⸗Bestellungen gemacht, aber die Lieferung derselben ist schon dermaßen etwas Gewöhnliches, daß man glauben könne, es werde fortwährend Krieg geführt.

Mantua, 5. November. DasF. di Verona be⸗ richtet: Ein des Besitzes revolutionärer Schriften und des Versuches, k. k. östreichische Soldaten zur Desertion zu verleiten, überwiesenes Individuum ist standgerichtlichem Urtheile zu Folge mitteist Pulver und Blei hingerichtet worden.

Paris, 13. November. Die Ersatzwahl, welche auf

den 30. November festgesetzt ist, wird wahrscheinlich binaus⸗ geschoben werden, da die Regierung nur nach neuen Wäh⸗ lerlisten dieselbe vornehmen lassen will. 1

Man hört seit einiger Zeit wieder von politischen Ver⸗ haftungen.