Das Dasein der Frau ist durch ihre Natur einfacher, als das des Mannes. Wenn sie daher nicht von vorn herein unglücklich gewaͤblt bat, so kann ein Mann ihren geistigen und Herzensbedünfnissen volle Befriedigung ge⸗ währen und thut es in der Regel auch. Für den Mann ist das unmöglich. Er ist zu vielseitig, um sich in einem Weibe zu erschöpfen. Indessen dies ist eine Nebenfrage. Ob das Bedürfniß des Wechsels da ist oder nicht, das wird sich erst finden, wenn die Ehe frei ist; das Unsitt⸗ liche ist, zu der Liebe, welche das innerste Heiligthum des Herzens ist, polizeilich gezwungen zu sein. Dies heißt die Spontanität, die Freiheit des Menschen im Kern angrei⸗ fen und die Gesellschaft von innen heraus korrumpiren.
(Schluß folgt.)
Politische Nundschau.
Aus Kassel wird dem„Magdeburger Korresp.“ ge⸗ schrieben, daß Se. königl. Hoheit der Kurfürst beabsichtige, die Ehe mit seiner, von dem Rittmeister Lehmann erhan⸗ delten, Frau für ebenbürtig erklären zu lassen, um seinen Kindern die Nachfolge zu verschaffen. Dieses. Pro- jekt durfte auf nicht geringe Schwierigkeiten stoßen von Seiten Derer, die bei der Erbfolge in Kurhessen betbeiligt sind. Jedoch ist anderseits von der bekannten diplomatt schen Geschicklichkeit des Herrn Hassenpflug das Beste zu hoffen. Sollte ein Mann, dem es gelungen die Landes⸗ verfassung für ungültig erklären zu lassen, es nicht auch dahin brigen können, eine Ehe für gültig erklären zu lassen?— Die kurhessischen Mitglieder der deutschen Nationalversammlung, welche mit in Stuttgart tagten (Hildebrand, Bayrhofer, Schwarzenberg und Förster) sind in Anklage versetzt worden. Die beiden ersteren sind in
Sicherheit in der Schweiz, Förster, den die weimarische
Regierung nicht auslieferte, ebenfalls und Schwarzenberg wird eben steckbrieflich verfolgt
In Baiern haben die Redaktionen selbst der zahmsten f
Zeitungen einen sehr harten Stand. So sind wiederum die Nr. 217 des„Bairischen Landboten“, sowie Nummern der„Kempter Ztg.“ und des„Fränkischen Kuriers“ mit Beschlag belegt worden. Dasselbe Schicksal widerfuhr einer schon seit mehreren Monaten erschienenen Schrift:„Der erneuerte Bundestag und die Rechte des deutschen Volkes“ von Gotthelf.— Ueberhaupt entwickelt die Polizei eine große Thätigkeit und nimmt häufige Haussuchungen vor nach„staatsgefährlichen“ Drucksachen und Papieren. Man sucht Aufschluß zu erlangen über die große Arbeiterver⸗ schwörung, die nirgends existirt. Ein„keckes Augen, ein ystechender Blick“, ein„großer Bart /, erregen schon Ver⸗ dacht und man visitirt sogar die Bündel der aus der Schweiz und Baden kommenden Gesellen.
In Preußen verbietet das Preßgesetz die Namen der Geschwornen, die in einem Prozesse gesessen haben, zu nennen, und jetzt ist sogar polizeilich bekannt gemacht wor⸗
den, daß die Veröffentlichung der monatlich neuernannten
Geschwornen strafbar sei. Nach der„Voss. Ztg.“ soll „eine allseitige Modifizirung des Geschwornen⸗ wesens von Bundeswegen beabsichtigt sein“
In Würtemberg ist Dr. Elsner, der bekanntlich mit dem König von Würtemberg sehr intim steht, wegen verschtebener Schmähungen und Verläumdungen zu 5 Mo⸗ naten Festungsarrest und einer beträchtlichen Oeldfrafe verurtheilt worden.
In Oestreich macht das Sinken des Papiergeldes so rasche Fortschritte, daß die Regierung gewaltsame Mittel
duͤrrer Zweig von dem Leben der Gesellschaft abfallen will.
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— 1896—
dagegen anwendet, ob mit Erfolg, steht freili i So wird aus Wien geschrieben e 1 Abr erschien der Hr. Stadthauptmann an der Börse, um den dort versammelten Stadtspekulanten persönlich zu erklären, daß jedes weitere Treiben der Agiotage auf's strengste verfolgt und bestraft wird. Die meisten der Anwesenden 5 sogleich die Börse verlassen.“
Die neulich erwähnte Verringerun der Ar 400,000 Mann ist bereits 2 10 4 In. 1 i A. alte Verordnung vom 23. Juni 1787 ans Tageslicht ge⸗ zogen worden(die besonders den Abgeordneten Hrn. Ploch interssiren wird). Durch dieselbe wird das Billardspielen an Sonn⸗ und Feiertagen vor 4 Uhr Nachmittags un⸗ tersagt..
In Genf haben die Demokraten beiden Staats—
rathswahlen glänzend gesiegt. Von 5085 abge⸗
gebenen Stimmen fielen 4600— 4800 auf die demokrati⸗ schen Candidaten.
Frankreich. Gerüchte von einem Staatsstreiche des Prasidenten sind wieder an der Tagesordnung, veranlaßt durch eine bis Mitternacht dauernde Zusammenkunft der Führer der monarchischen Majorität der Rationalversamm⸗ lung bei Hrn Baze, dem Quästor der Nationalversammlung. Wenn auch an diesen Gerüchten wenig Thatsächliches sein dürfte, so soll doch in dieser Conferenz eine andere Art von Staatsstreich, nämlich die Abstimmung für den nur wenig modisizirten Antrag von Baze,(daß das Bureau der N.⸗V. ermächtigt werde, jede beliebige Anzahl von
Militär requiriren und den Kommandanten derselben er⸗
nennen zu dürfen) verabredet worden sein. Ginge die ser Antrag durch, so wäre der wichtigste Theil der Exekutiv⸗ gewalt den Händen Napoleons entzogen und Changarnier und seinen Verbündeten die Diktatur in die Hände ge⸗ spielt. Das Ministerjum hat deshalb auch schon erklart, daß es sich diesem Beschlusse nicht fügen werde. Was dann???
In England feiert Kossuth täglich neue Tri 52 Er wird nicht vor dem 20. d. M. c Kae 5
Tagesereignuisse.
Darmstadt, 14. Nov. Ein dringlicher Antrag der Abgeordneten Hofmann, Klippstein, Lange, v. Rabenan und Kempf auf Beschleunigung der Arbeiten des Finanz⸗ aus schusses, welche nach Ansicht der Antragsteller nicht den erwarteten Fortgang finden, bilden den interessantesten Thetl der heutigen Sitzung der 2. Kammer. „Bekanntlich hat der Finanzausschuß durch seine gründ⸗ lichen Arbeiten und seine klare Darlegung unserer Finanz⸗ verhältnisse nicht die Zufriedenheit von Jedermann gefun⸗ den. Aber Hunderttausende von Gulden fließen in Gefolge hiervon zur Hauptstaatskasse zurück und das steuerbelastete Volk ist den sämmtlichen sieben Mitgliedern des Finanzausschusses zu größtem Danke verpflichtet. Die Finanzverbältnisse des Landes vollständig an's Licht zu ziehen, diese Aufgabe zu erfüllen, erachtet der Finanzaus⸗ schuß für seine Pflicht. Und wahrlich! er hat schon einen großen Theil dieser Pflicht zum Segen des Landes erfüllt. Jetzt ist er mit der Aufstellung des Budgets beschäftigt, wodurch die Staatsausgaben für die nächsten drei Jahre regulirt werden sollen. Die Wechtigkeit dieser Arbeit leuchtet ein, ebenso wie der Umstand, daß die künftigen Staatsausgaben nicht eher festgesetzt werden konnten, als bis der erst kürzlich in der zweiten Kammer verhandelte Rechenschaftsbericht für die verflossenen Jahre erlegt war, denn ehe ein guter Hausvater seine Ausgaben bestimmt, muß er wissen, wie viel er einnimmt und in Kassa hat. Das ist doch ganz natürlich!— Aber bekanntlich sind schon in der ersten Kammer und auch von einer gewissen


