Ausgabe 
5.8.1907
 
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Außerdem haben zu unserer höchsten Ehre und Freude unsere akademischen Schwesteranstalten, die mit uns Schul⸗ ter an Schulter die gleichen Ziele verfolgen, die Universi⸗ täten, Hochschulen und Akademien deutscher Zunge zu un⸗ serem Jubelfeste ihre Vertreter entsandt. Im Namen der studierenden Jugend Gießens heiße ich Sie aufs Herzlichste willkommen. 5

Muß es uns nun nicht mit Wehmut und zugleich mit stolzer Freude erfüllen, wenn wir heute als Spiegelbild mit⸗ unter längst vergangener Tage eine stattliche Fahl ehemaliger Herren Dozenten in alter Anhänglichkeit an ihre alma mater Ludoviciana unter uns weilen sehen. Don der Maas, von der Memel, von der Etsch und von dem Belt sind sie herbei⸗ geeilt, um mit uns die n e unserer alma mater feierlichst zu begehen. Wir danken Ihnen für Ihre un⸗ wandelbare Treue zur alten Musenstadt und rufen Ihnen aus vollem Herzen den Willkommengruß entgegen.

Aber auch die hochverehrten alten Herren unsere Cudo⸗ viciana; wenn ich Sie so nennen darf, Sie, ohne die wir uns eine studentische Feier im großen Stile nur schwer denken Können, Sie sind es, die das Gesamtbild des heutigen Tages vervollständigen helfen und Ihnen gilt unser Willkommen⸗ gruß nicht weniger herzlich. Mögen Sie sich heute noch⸗ mals jung fühlen, mögen Sie sich zurückversetzen in die Tage der Jugendfreude und Jugendlust und mögen Sie die Stunden der Jubelfeier unserer alma mater nicht zu den verlorenen zählen.

Möge nun der heutige Festabend schöne Stunden der Erinnerung in allen Festteilnehmern wachrufen, mögen Sie Alle einige Stunden echt studentischen Frohsinns verleben und möge Ihnen der heutige Abend unvergessen bleiben. Ich fordere daher die sehr verehrten Herren Dozenten der Ludoviciana sowie meine Kommilitonen auf, mit mir auf unsere hochverehrten Gäste einen urkräftigen, donnern⸗ den Salamander zu reiben.

Den Dank der Gäste brachte Herr Wirkl. Geh. Ober⸗ regierungsrat Harnack zum KHlusdruck. Sein Auftreten wurde

von Beifallsstürmen begleitet, und noch einmal gelang es

auf Minuten die wogende Unruhe zu stillen. Er sagte:

Meine Herren Kommilitonen!

. mein Herz ist voll Dank erfüllt und ich weiß, daß alle Gäste, die Sie soeben freundlich haben leben lassen, dieselbe Empfindung mit mir teilen. Diese Gäste sind erstens solche, die noch niemals hier gewesen sind. Sie werden zurück⸗ kommen mit dem Bewußtsein, ein Stück unvergänglichen deutschen Lebens gesehen zu haben in dem Spiegel eines herrlichen Landes, so wie es unser Deutschland ist. Jeder Teil seine Eigenart, und doch das Ganze unser Daterland. Aber zweitens sind solche Gäste da, die hierher zurück⸗ gekommen. Sie sind zurückgekommen in ihr altes Paradies, in das Paradies, in welchem ihnen die Flügel gewachsen sind und das sie nie vergessen werden. Meine Herren, dieses Gießen, welches heute wieder bewiesen hat, daß es in freiem Streben hinter keiner Hochschule zurücksteht, dieses liebe Gießen ist heute für uns verkörpert in Seiner Magnifizenz, der da als dreihundertjähriger Rektor nach seinen Taten verdient hätte, Rector perpetuus zu bleiben. Meine Herren, ich fasse den Dank der Gäste in das Wort zusammen: Gießen und Seine Magnifizenz, unser verehrter Rektor, sie leben Hoch!

Herr Geh. Mirchenrat Krüger brachte sodann in warmen Worten Exzellenz v. Eichhorn den Dank der Festversamm⸗ lung dar:

Es ist mir in dieser vorgerückten Stunde nicht mehr möglich, gebührende Worte des Dankes zu sprechen, für das, was Se. Majestät der Naiser der Universität Gießen an Huldbeweisen getan hat. Aber die Seit ist noch nicht so vorgerückt, daß wir nicht unsern ehrerbietigen Dank aus⸗ aussprechen können, dem unter uns weilenden Abgesandten Sr. Majestät. Se. Exzellenz der Kommandierende General

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des 18. Armeekorps, Herr v. Eichhorn, hat vorhin durch

seine gütigen Worte gezeigt, daß er in seiner Person während unseres Festes so oft zitierten Wahlspruch verkörpert. Er hat eine staunenswerte Kenntnis des Horatius gezeigt und eine Sicherheit im Verszitieren, die in diesem Rugenblick ge⸗ wiß keiner unter uns ihm nachmachen kann. Wir wissen aber, daß das bei Sr. Exzellenz sozusagen nur eine schöne Beigabe ist: denn Se. Exzellenz gehört zu denjenigen Füh⸗ rern der deutschen Armee, von denen diese Armee und wir alle jetzt und in Zukunft bei jeder Gefahr alles Große erwarten. Meine Herren, ich fordere Sie alle auf, erheben Sie Ihre Gläser und rufen Sie: Se. Exzellenz der kommandierende General des 18. Armeekorps, Herr von Eich⸗ horn, lebe hoch!

Den Beschluß der offiziellen Reden bildete der Trink⸗ spruch des Herrn stud. math. Nuß(Tlassorhenaniae), der den Damen geweiht war:

Hönigliche Hoheit! Sehr verehrte Damen! i Hochansehnliche Festversammlung!

Deutsch ist unser Herz und deutsch unser Sinn. Und wo immer deutsche Studenten sich bei Frohsinn und Becherklang zusammenfinden, halten sie es für ein Gebot der echten deutschen Rittersitte, den deutschen Frauen ein frohes Minnelied zu singen. So war es immer deutscher Brauch in unseren Landen gewesen! i

Wenn Sie darum, hohe Festkorona, nach den vielen glänzenden Reden, die Sie aus beredtem Munde vernommen, meinen Worten auf die deutschen Frauen in vorgerückter Stunde lauschen, so geschieht dies sicherlich in erster Linie aus ritterlicher Höflichkeit und Galanterie gegen die Damen, deren blumenreicher Kranz die Festesstimmung dieses glanz⸗ vollen Kommerses erhöht. a

Fürwahr, wollte man mich heute fragen, was hat dir am besten zugesagt von all dem Schönen, und wem würdest du den Preis zuerkennen, so möchte ich begeistert ausrufen:

Blick ich nun hin zu jenem hehren Throne,

Welch' hoher Anblick macht das Herz erglüh'n,

Von holden Frauen eine Blumenkrone a

In blüh'nder Pracht, so herrlich, frisch und grün.

Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, die mir der heutige Abend auferlegt, Ihnen, meine sehr verehrten Damen, den herzlichsten Dank zu übermitteln, dafür, daß Sie in so stattlicher Schar und mit so sichtlicher Begeisterung zum Glanze dieses Kommerses und der gesamten Jubiläums feier beigetragen haben und noch beitragen werden.

Frauenehre und Frauenwürde, welch herrliche sittliche Ideale! Ja, von Frauenehre und Frauenwürde singen und sagen unsere deutschen Dichter aller Seiten und aller Jahr⸗ hunderte. Wie ljeb und traut klingen die Weisen eines Walter von der Dogelweide an unser Ohr, wenn er uns von der deutschen Frau erzählt. Goethe und Schiller haben in mancher Perle ihrer Dichtungen den Frauen gehuldigt⸗ Das:Ehret die Frauen, sie flechten und weben

Himmlische Rosen ins irdische Leben,. es war das Leitmotiv nicht nur eines Schiller, nein auch jedes deutschen Dichters, der mit der deutschen Gemütstiefe sittlichen Ernst verband. 1

Und die Tonkunst hat die herrlichsten Orchesterklänge und schönsten Töne gefunden zum Preise der Frauen. Alles Schöne und Erhabene, was unsere Musik zu deutschem Frauenlob erfinden konnte, es braust noch einmal zusammen zu mächtig erhebendem Gesang in den Tonschöpfungen des großen Bayreuther Meisters. i

Und was unsere deutschen Meister zum hehren Lob der deutschen Frauen ersannen, das sind keine inhaltlosen Phrasen, das sind berechtigte Lobeshymnen, die solche Geister aus einem edlen Born schöpfen, aus dem Born deutschen Gemütslebens. Berechtigte Lobeshymnen! Denn blättern wir zurück in der Geschichte aller Jahrhunderte, so finden

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