Ausgabe 
3.8.1907
 
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den erfolgreichen Förderer der ästhetischen Kultur in Deutsch⸗

land.

Aber so stolz wir uns des Besitzes bedeutender Männer erfreuen, so wenig wollen wir vergessen, daß die wissenschaft⸗ liche Forschung an keine Landesgrenzen gebunden ist. Auch die Philosophische Fakultät bedient sich des schönen Vorrechts, bei so feierlichem Anlasse ihren akademischen Ehrengruß

den Fachgenossen anderer Fänder zuzurufen. Wir begrüßen

als unseren Ehrendoktor aus dem stammverwandten Ester⸗ reich den K. K. Hofrat Adolf Ritter von Guttenberg,

Professor an der K. K. Hochschule für Bodenkultur in Wien, der durch seine vortrefflichen Schriften über die verschie⸗ densten Gebiete der Horstwissenschaft, durch seine erfolgreiche Lehrtätigkeit und durch ausgedehnte praktische Berufs⸗ arbeiten sich um die Horstwissenschaft, besonders um die Forstbetriebseinrichtungen, ausgezeichnete Verdienste erwor⸗ ben hat.

Unsere Gedanken wandern über die Alpen und huldi⸗

gen der Wissenschaft Italiens in der Person des Professors

Pio Rajna in Florenz, des ausgezeichneten Kenners der romanischen Citeratur des Mittelalters, und sie überschreiten die Grenze, um die einst so hart gekämpft worden ist, um die höchste Ehrung einer deutschen Universität einem französischen Forscher dar⸗ zubringen, der sich in besonderem Maße um die friedliche Eiinigung der beiden Völker durch die Vermittelung der Kenntnis deutscher mathematischer Forschung an seine Lands⸗ leute verdient gemacht hat, dem Professor der Mathematik

Jules Molk in Nancy.

Wir gedenken endlich der ausgezeichneten Leistungen englischer und amerikanischer Forscher, indem wir ehren⸗ halber zu Doktoren ernennen:

den Professor des Arabischen an der Universität Cam⸗ bridge,

Edward G. Browne, den hervorragenden Kenner der Literatur und Geschichte der Perser und der Türken, dem wir vor allem für seine ein⸗ gehenden Studien über die modernen Reformbewegungen innerhalb des persischen Islam zu Danke verpflichtet sind; ferner den Professor der politischen OGkonomie an der Universität Chicago, 4 J. Laurence Caughlin,

den scharfsinnigen Kenner der Finanzwissenschaften und ener⸗

gischen Förderer der wissenschaftlichen Annäherungsbestre⸗ bungen zwischen Deutschland und Amerika, der seinen Lands⸗ leuten die Methoden und Resultate deutscher nationalökono⸗ mischer Forschung zu vermitteln bestrebt ist und die Deutschen hinwiederum mit den Grundlagen der nordamerikanischen Dolkswirtschaft vertraut machte; endlich den Professor der Physik Ernest Rutherford,

bisher an der Universität zu Montreal, künftig an der Universität zu Manchester, den kühnen Erforscher und Deuter der radioaktiven Erscheinungen, der in seinem großen Lehr⸗ buche der Kadioaktivität eine meisterhafte Darstellung dieses neuen wunderbaren Gebietes gegeben hat und der mit seiner Lehre vom radioaktiven Atomzerfall auf neuen, vielverheißen⸗ den Bahnen unserer Naturerkenntnis wandelt.

Der alte akademische Brauch ist vollzogen. Wie bei der

Gründung unserer Hochschule, und bei den früheren Jahr⸗

hundertfeiern, haben wir auch dieses Mal eine stattliche Anzahl von Namen der bedeutendsten Seitgenossen in das goldene Buch der Cudoviciana eingetragen. Möge ihr Glanz weit hinausleuchten in das kommende Jahrhundert unserer Hochschule, als Wahrzeichen und Wegweiser in der tastenden Forscherarbeit, als Panier, unter dem wir kämpfen, als Dorbild, dem wir nachstreben und nachzustreben lehren. So sei es geschehen den Alten zur Wehr, den Jungen zur Lehr, Allen zur Ehr.

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Gartenfest Sr. Königlichen Hoheit.

Die Großherzoglichen Herrschaften hatten um Uhr im Hause Sr. Magnifizenz des Rektors das Frühstück ein⸗ genommen, um 4 Uhr empfingen sie unter den herrlichen Bäumen des botanischen Gartens die Ehrengäste, die Herren des Lehrkörpers und der Bibliothek mit ihren Damen, die Assistenten und Beamten der Universität, sowie Vertreter der Sivil⸗ und Militärbehörden und der Bürgerschaft. Die hohen Herrschaften unterhielten sich huldvoll mit vielen der Geladenen, denen der Kufenthalt in dem schönsten Garten

Gießens auch durch Musik und Erfrischungen aller Art

verschönt wurde. 8

Nachträge zu Nr. 2.

Durch ein Versehen ist in der gestrigen Nummer der Ver⸗ fassername der zündenden Jubiläumsposse ausgelassen wor⸗ den. Es werden ihn wohl alle Leser des Tageblatts kennen, aber der historischen Genauigkeit zu Liebe wollen wir doch ausdrücklich sagen, daß der reizende Scherz ein Werk des Geh. Hofrats Professor Dr. Eugen Netto ist. Wir fügen hinzu, daß die Herren Netto und Fabricius in der Pause von den Großherzoglichen Herrschaften in ihrer Loge em⸗ pfangen wurden.

Nachzutragen ist auch eine bedeutsame Ehrung, die der juristischen Fakultät von allen früheren juristischen Dozenten Gießens erwiesen worden ist. Professor Frank (Tübingen) überreichte in ihrer aller Namen eine Fest⸗

schrift, zu der 14 von ihnen Beiträge geliefert haben.

Un Tagen so gedrängter Arbeit, wie sie das Fest für Berichterstatter und Setzer mit sich bringt, feiert der Druck⸗ fehlerteufel seine fröhlichsten Orgien, die Leser werden seine Bosheit auch in den Spalten des Tageblattes merken und hoffentlich verzeihen. Feststellen wollen wir heute nur,

daß die Kette das Zeichen der Ehrung, nicht Verehrung, ist,

daß die einzelnen Universitäten ihre Glückwünsche natürlich nicht in Abrissen, sondern in Adressen niedergelegt haben, und daß sich der Rektor der Baseler Universität noch immer Meier(nicht Meyer) schreibt, wie das Verzeichnis der Ehren⸗ gäste in Ur. 1 ja richtig angibt.

Wir sind auch in der Lage, den gestrigen Trinkspruch des Herrn Geh. Kirchenrat Krüger nach einem Stenogramm

Königliche Hoheit!

Hochansehnliche Festversammlung! Se. Exzellenz der Herr Staatsminister hat soeben in

mitzuteilen:

überaus wohlwollenden Worten der Landesuniversität ge⸗ dacht und dabei, wie heute früh schon Se. Exzellenz der

Herr Minister des Innern, mit besonderem Nachdruck das hohe Maß von Selbstverwaltung hervorgehoben, das unsere Universität, darin vor manchen anderen Nörperschaften bevor⸗ zugt, genießt. Wir sprechen Sr. Exzellenz, als dem ersten Vertreter der Regierung, deren Spitzen in diesem Raume versammelt sind, unseren ehrerbietigsten Dank aus, einen stolzen Dank, wenn das Wort gestattet ist, denn wir sind uns bewußt, daß wir unsere Pflicht erfüllen, und daß wir das große Dertrauen, das unsere Regierung in uns fetzt, völlig rechtfertigen. Wir versprechen der Großh. Regierung unter Einsetzung unserer Person, daß wir die Craditionen, die wir übernommen haben, hochhalten, sie selbst weiter schaffen und auf die künftigen Geschlechter vererben wollen. Gestützt auf die Vergangenheit, mit sicherem Fuß durch die Gegenwart schreitend, mit kühner Hoffnung der Hukunft entgegen, so wollen wir die geistigen Güter, die unserer Hut anvertraut sind, hegen und pflegen in Gemeinschaft und Gefolge einer erlauchten Regierung, die uns dazu die wege offenhält. Um das zu können, find wir freilich nicht nur