22
77 . 1
—
den Geheimen Regierungsrak im Kaiserlichen Gesund⸗
Heitsamt
Georg Röckl, den früheren Hochschullehrer, der, lange Jahre im Reichs⸗ dienst unermüdlich tätig, bedeutsamen Anteil an dem Aus⸗ bau der Seuchengesetzgebung genommen hat,
den Professor der hygiene an der Universität Greifswald Friedrich Löffler, den hervorragenden Bakteriologen, der rastlos bestrebt ist, wissenschaftliche Errungenschaften für die Bekämpfung an⸗ steckender Tierkrankheiten nutzbar zu machen.
Den Beschluß machte Herr Professor König:
Neben den drei großen Fachfakultäten stand einst die philosophische Fakultät als diejenige, welche die Wissenschaft um ihrer selbst willen pflegte; sie war es, die im Gegen⸗ satz zu den praktischen Anwendungen der Grundlagen aller Wissenschaften behandelte und die zugleich das Band einer allgemeinen wissenschaftlichen Bildung um die Hörer der drei andren Fakultäten schlang. Cängst hat sie diese Stellung verloren; auch unsere Hörer sind heute Studenten eines besonderen Faches und was sie treiben, ist ein Brotstudium. kiber die Universalität ihrer ursprünglichen Aufgabe hat die philosophische Fakultät behalten. Sie kommt nicht bloß darin zum Ausdruck, daß diejenige Wissenschaft, von der sie ihren Namen trägt, die Philosophie noch immer an der Spitze der Fakultät steht. Sie kommt nicht minder zum Husdruck in der bielseitigkeit der Sonderfächer, in die der ursprüngliche Lehrinhalt der Fakultät sich im Laufe der Entwicklung gespalten und durch Angliederung praktischer Fächer erweitert hat. Entsprechend dieser Vielgestaltigkeit ist die Zahl der Namen, die die Fakultät heute in die Ehren⸗ liste ihrer Doktoren einverleibt, größer als bei den Schwester⸗ fakultäten, und bunter und wechselvoller sind die Gründe, die für die Auswahl dieser Namen maßgebend waren.
Vor allem hat es die Fakultät als eine Pflicht der Dankbarkeit erachtet, der Förderung zu gedenken, die bei Aufgaben der wissenschaftlichen Forschung und Bildung alle Jeit durch unsere Staatsregierung erfahren. Es sei uns gestattet, in dieser Stunde den Empfindungen des Ver⸗ trauens und der Derehrung Kusdruck zu geben, die wir dem Manne entgegenbringen, der seit kurzem an der Spitze des Ministeriums des Innern steht. Aber wir dürfen ihm unsere Huldigungen bei diesem Anlasse doch noch in einem ganz anderen Sinne darbringen. Er ist seit Jahren die Seele der sozialpolitischen Gesetzgebung in Hessen. Seiner vorwärtsdrängenden Tatkraft verdankt hessen eine Reihe bedeutsamer und vorbildlicher wirtschaftspolitischer Maß⸗ nahmen. Dem Sozialpolitiker, dem glücklichen Vermittler zwischen wirtschaftspolitischen Gegensätzen gilt es, wenn ich
Se. Exzellenz den Minister Ernst Braun bitte, das Diplom eines Ehrendoktors der Philosophie aus meiner Hand entgegenzunehmen.
Mit besonderer Freude benützen wir die Gelegenheit zu einer öffentlichen Kundgebung unserer Dankbarkeit dem Manne gegenüber, der als Verkreter der Stadt Gießen im hessischen Landtage unermüdlich mit Kraft und Wärme für die Interessen der Landesuniversität eingetreten ist. Wir bringen diesen Dank zum Ausdruck, indem wir ehren⸗ halber zum Doktor der Philosophie ernennen den Justizrat
Dr. jur. Egid Gutfleisch in Gießen.
Die Fakultät gedenkt ferner in dieser Stunde der Män⸗ ner, die an unserer Hochschule in früheren Jahren gelehrt haben, und wünscht Seugnis dafür abzulegen, daß das Gedächtnis ihrer Wirksamkeit und das Interesse an ihrer wissenschaftlichen Arbeit an der Ludoviciana unvermindert erhalten bleibt. In diesem Sinne ernennt sie ehrenhalber zum Doktor der Philosophie den Professor der Theologie an der Universität Halle, i b
Ferdinand Kattenbusch,
in Erinnerung an seine langjährige hiesige Lehrtätigkeit und in Anerkennung seiner bahnbrechenden Forschungen über Glaube und Leben der christlichen Kirchen in Dergangen⸗ heit und Gegenwart.
Aber nicht bloß dem akademischen Berufsgenossen gel⸗ ten unsere Huldigungen, sondern jedem, der selbstlos und hingebend seine Kräfte dem Dienste der wissenschaftlichen Forschung widmet. Wir freuen uns in diesem Geiste gemein⸗ samen wissenschaftlichen Strebens die höchste akademische Aus⸗ zeichnung zwei Männern unseres Hessenlandes zusprechen zu können, dem Oberlehrer
Professor Karl Berger in Darmstadt, der in seinen Schriften über Schillers Asthetik und in seiner Schillerbiographie philosophische Einsicht mit gründ⸗ licher Gelehrsamkeit und vortrefflicher Darstellungsgabe ver⸗ bindet, und dem Konservator am naturhistorischen Museum in Mainz, a a Wilhelm von Reichenau,
dem wir unsere Anerkennung in gleichem Maße für seine Beiträge zur geologisch⸗paläontologischen Erforschung des Mainzer Beckens, wie für seine ausgezeichneten Leistungen im Dienste der naturwissenschaftlichen Bildung als Organi⸗
sator der Mainzer naturhistorischen Sammlungen aussprechen
müssen.
In dem gleichen Sinne der Knerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen senden wir unsern akademischen Festgruß einer Reihe von Männern unseres weiteren Dater⸗ landes. Wir ernennen ehrenhalber zum Dohtor der Phi⸗ losophie den Geheimen Oberregierungsrat
Heinrich Brunner,
Professor der Rechte an der Universität Berlin, den bedeutendsten Dertreter der Rechtsgeschichte in Deutsch⸗ land, der durch seine zahlreichen Arbeiten auf diesem Ge⸗ biete, vor allem durch seine groß angelegte deutsche Rechts⸗ geschichte ebenso sehr der allgemeinen historischen wie der speziell rechtsgeschichtlichen Forschung die fruchtbarste und nachhaltigste Anregung gegeben hat.
Mir ernennen zum Ehrendoktor unserer Fakultät den Architekten
Georg Kawerau, Direktorial⸗Assistenten bei der Station der Möniglich Preußischen Museen in Nonstantinopel, in Anerkennung der ausgezeichneten Hilfe, die seine Kenntnisse, sein Scharfsinn, seine zeichnerische Kunst der Erforschung griechischer Ruinen⸗ stätten leistet.
Wir verleihen die gleiche Würde dem unübertroffenen Kenner der Bienen,
Herrn heinrich Friese in Schwerin, in Würdigung der großen Verdienste, die er sich durch seine unermüdlichen Forschungen über die Jystematik und die Le⸗ bensweise der Bienen erworben hat.
Wir reichen den wissenschaftlichen Lorbeer dem kühnen Besteiger des Kilimandjaro,
dem Professor Dr. jur Hans Meyer in Leipzig, dem unermüdlichen Erforscher und Förderer unserer Nolo⸗ nien, der zugleich der rührige Leiter eines alten hoch⸗ angesehenen Verlagshauses ist.
Die Fakultät wünscht endlich in dieser Stunde ihre be⸗ sonderen Sympathieen noch zwei Männern unseres deutschen Vaterlandes auszudrücken, deren Tätigkeit, gerichtet auf die Verfeinerung und Vertiefung unseres sprachlichen und unseres künstlerischen Empfindens, nicht einem Spezialgebiete der Wissenschaft, wohl aber dem Geistesschatze unseres gesamten Volkes, seiner Geistes⸗ und Herzensbildung zu Gute kommt. Wir ernennen zu Ehrendoktoren den Geheimen OGberbaurat
Otto Sarrazin in Berlin, der als Vorsitzender des deutschen Sprachvereins den Kampf für deutsche Art in der deutschen Sprache kämpft, und den Schriftsteller Ferdinand Avenarius in Dresden,
* *


