Ausgabe 
3.8.1907
 
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nach dem Dekan der theologischen Fakultät trat der der juristischen, herr Professor van Calker, auf:

Auch die Juristenfakultät der Ludoviciana übt, ihres dreihundertjährigen Promotionsrechts mit dankbarem Stolze gedenkend, beim Eintritt in ihr viertes Jahrhundert freudig den alten Brauch.

Sie verleiht zum heutigen Tage die Würde eines doctoris juris utriusque honoris causa ö

Seiner Exzellenz dem Großherzoglichen Staatsminister und Minister der Justiz

Karl Ewald, der lange Jahre hindurch als Mitglied des deutschen Reichs⸗ gerichts für deutsche Gerechtigkeit und deutsches Recht ge⸗ wirkt hat, der auf den Ruf seines Fürsten seines Lebens Arbeit in den Dienst der hessischen Heimat stellte, dem höchsten Berater der Krone, dem hochgesinnten Freunde und Förderer des Rechts und der Wissenschaft; dem Wirklichen Geheimen Gberregierungsrat, Professor Dr. Adolf Harnack,

Generaldirektor der Bibliotheken in Berlin, dem hervor⸗ ragenden, von uns wie im Auslande mit Recht gefeierten Gelehrten, der mit dem Reichtum seiner Gedanken das eigene wissenschaftliche Gebiet wie kaum ein Sweiter an⸗ geregt und gefördert hat, dem Forscher, dessen Werke auch für die Geschichte des kirchlichen Rechts und der kirchlichen Derfassung neue Probleme nicht nur gestellt, sondern selbst in mustergültiger Weise gelöst haben, dem früheren Mit⸗ glied des Lehrkörpers unserer Hochschule, dessen Namen 1 Andenken die Ludoviciana mit Stolz in ihren Annalen ührt;

dem Professor der Nationalökonomie an der Universität Leipzig,

Dr. Karl Buecher, dem langjährigen und beliebten Lehrer auch der juristischen Jugend, der durch die Erforschung des ökonomischen und sozialen Lebens der Vergangenheit der Rechtsgeschichte neue Grundlagen gebaut, der durch tapfere Aufklärung wirt⸗

schaftlicher Verhältnisse der Gegenwart der Gesetzgebung

wertvolles Material geschenkt hat;

dem Professor der deutschen Geschichte an der Universität Göttingen,

Dr. Max Lehmann,

der in nie ermüdender Forschung die in den Archiven schlummernden Urkunden deutscher Geschichte und deutschen Rechts mit neuem Leben erfüllt hat, der die kirchenpolitische Entwicklung des Mönigreichs Preußen in ihren Grundlagen untersucht, der die Wiedergeburt des preußischen Staats und das Emporwachsen Preußens in den höchsten nationalen Aufgaben durch eine glänzende, begeisternde Darstellung des Lebens seiner größten Männer geschildert hat;

dem Professor an der Universität Florenz,

Girolamo Ditelli,

dem ausgezeichneten Altertumsforscher, dessen palaeo⸗ graphische Meisterschaft und umfassende Sachkenntnis in seiner Veröffentlichung griechischer Rechtsurkunden dem Studium der antiken Kechtsentwicklung die wertvollsten Dienste geleistet hat;

Gberlandesgerichtsrat

Wilhelm Keller

in Darmstadt, dem langjährigen angesehenen Mitgliede des Oberlandesgerichts und des Derwaltungsgerichtshofes zu Darmstadt, dem verdienstvollen Mitbegründer und Heraus⸗ geber der Hessischen Rechtsprechung;

dem kaiserlichen Oberstaatsanwalt am Oberlandes⸗ gericht Colmar,

Hugo Molitor aus Alzey,

dem einstigen Schüler der alma mater Ludoviciana, der durch seine schöpferische Mitarbeit bei dem Erlasse des elsaß⸗ lothringischen Ausführungsgesetzes zum deutschen bürgerlichen

Gesetzbuchs dem Vordringen des deutschen Rechts an der Westmark des Keichs siegreiche Bahnen gewiesen hat, der durch vortreffliche Interpretation jenes Gesetzes sich um die Einheit und um die Wissenschaft des bürgerlichen Rechts verdient gemacht hat; dem kgl. sächs. Hofrat

Hermann Tredner; Verlagsbuchhändler in Leipzig, dem hochangesehenen Ver⸗ leger zahlreicher, die Wissenschaft und die Praxis des Rechtes fördernder Werke, der mit pietätvoller Liebe an der alten hessischen heimat hängt und für sie auch in seiner neuen Heimat wirkt, dem treuen Sohne der Stadt Gießen, der eingedenk seines Ursprungs aus dem akademischen Kreise sich um das Wohl der Witwen und Waisen der Dozenten der Cudoviciana hochverdient gemacht hat.

An dritter Stelle sprach Herr Professor Kossel:

Von dem Gefühl des Dankes beseelt, gedenkt die medi⸗ zinische Fakultät heute der Männer, die, obwohl selbst nicht Hrzte, im Sinne ärztlicher Bestrebungen gewirkt haben und durch ihre Forschungen Mitarbeiter an dem Ausbau der medizinischen Wissenschaft geworden sind.

Hus ihren Reihen ernennen wir ehrenhalber zu Dok⸗

toren der Medizin: Se. Exz. Artur Graf von posadowsky⸗ Wehner, den hervorragenden Staatsmann, der sich an die Spitze der Bewegung zur Bekämpfung der verderblichsten Volkskrank⸗ heit gestellt hat, dessen Tätigkeit auf dem Gebiete der so⸗ zialen Gesetzgebung reichen Gewinn für die Hebung der Volksgesundheit zu tragen verspricht,

den Professor für Phusik an der Universität Freiburg

Franz himstedt, den Professor für Philosophie an der Universität

Würzburg i Oswald Külpe den Professor für Zoologie an der Universität Utrecht Wilhelm hubrecht, den Professor für Phufik an der Universität Leipzig Otto Wiener,

die Meister der Beobachtung und des Experiments, aus deren Arbeiten die Wissenschaft von den Lebensvorgängen stets neue Anregung schöpft,

den Geheimen Kommerzienrat

Couis Merck zu Darmstadt,

den berdienstvollen Leiter der Firma E. Merck, die vor einem Jahrhundert mit der Reindarstellung unserer wich⸗ tigsten Heilmittel vorangegangen ist und in der Neuzeit die Errungenschaften der synthetischen Chemie verwertend, die Heilkunde mit einer großen Sahl wirksamer Stoffe be⸗ reichert hat,

den Sahnarzt

Georg Wilhelm Koch zu Gießen,

den Ehrenvorsitzenden des Vereins hessischer Zahnärzte, für deren Ausbildung er ein halbes Jahrhundert hindurch seine besten Kräfte eingesetzt hat, denen er allzeit ein treuer Helfer beim Lernen und ein ebenso gewissenhafter wie wohl⸗ wollender Prüfer gewesen ist.

Zu Doktoren der Veterinärmedizin ernennt bei dem Jubelfest die vereinigte medizinische Fakultät:

die Professoren der Tierheilkunde an der tierärztlichen Hochschule zu Berlin [Eugen Fröhner und Wilhelm Johann Schü tz,

den Professor an der tierärztlichen Hochschule zu Han⸗ nover

Karl Dammann,

die ausgezeichneten Lehrer und Forscher, die Wissenschaft und Anwendung der Tierheilkunde in gleichem Maße ge⸗

fördert haben,