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stalten ist gemeinsam, daß sie wirken für die Zukunft, daß sie Kräfte entfalten und stählen, es darf keine Trennung zwischen ihnen entstehen, daß es heiße: hier Wissen, dort Können. Den Geist echter tiefgründiger Wissenschaft nimmt, so ist unser gemeinsamer Wunsch, der Lehrer von der Uni⸗ versität hinüber an das Gymnasium und hält ihn fest, denn nur wer selbst des Geistes Ringen spürt, kann dem Kleinen und Kleinsten wirkliches Leben verleihen.
Den Beschluß bildete der Direktor des Haus⸗ und Staatsarchivs, herr Dr. Freiherr Schenk zu Schweinsberg, der als Vertreter des historischen Dereins von Hessen einen stattlichen Band überreichte.
Den Dank des Rektors geben wir wieder im Wortlaut: Sehr geehrter Herr Archivdirektor!
Aufs herzlichste danken wir Ihnen, danken wir dem historischen Verein für Hessen, daß Sie als treue Bundes⸗ genossen uns heute begrüßen und uns ein so wertvolles Ge⸗ schenk darbringen, indem Sie in gelehrter Arbeit hinein⸗ greifen in die Geschichte unserer eigenen Universität und die der einstigen Schwester zu Mainz. Wohl bedürfen wir solcher Bundesgenossen; neben das stehende Heer treten mit Fug und Recht die Freischaren, deren hingebende Begeiste⸗ rung eine Gewähr des Erfolges ist, die mit scharfem Blick verborgene Schwächen des Feindes erspähen und auch da einzubrechen wissen, wo der befohlene Marsch des großen Heerzugs nicht vorüberführt. In richtiger Erkenntnis von der Bedeutung solcher Unterstützung hat die Universität von lange her enge Beziehungen zu dem Geschichtsverein gepflegt, der aus ihren eigenen Anregungen entstanden ist, dem Ober⸗ hessischen Geschichtsverein. Wir haben die Freude, auch ihn heute unter den Glückwünschenden zu empfangen, wenn er auch nicht redend auftritt. Auch er hat uns mit der Ver⸗ öffentlichung von Haupts Schrift über Karl Follen und die Gießener Schwarzen reich beschenkt. Und noch mehr sind ihrer, die mit stummem Mund, aber mit offener Hand zu uns kommen, voran die geschulten Hilfstruppen unserer früheren Kollegen, unserer Ehrendoktoren: Pfarrer Dr. Diehl hat uns sein Stipendiatenbuch der hessen⸗darmstädtischen Universitäten Gießen und Marburg gewidmet, Dr. Karl Müller in Tübingen unserer theologischen Fakultät eine Schrift über die Eßlinger Pfarrkirche. Ihnen reiht sich an der hessische Kreisschulrat hans Scherer, der uns eine umfangreiche Schrift über die Pädagogik als Wissenschaft von Pestalozzi bis zur Gegenwart dargebracht hat, Pfarrer Gombel mit einer Schrift„Vernunft und Gottesgedanken“, die die theologische Fakultät als Geschenk empfängt, und der Tharandter Professor Kuntze, der unsrem Forstinstitut eine Schrift über Schaftformzahlen und Astholzgehalt der Weißtanne beschert hat.
Nicht wenige haben sich des Wortes erinnert, daß zum
Kriegführen Geld gehört, Geld und wieder Geld; und sie haben uns mit reichen Subsidien unter die Arme gegriffen, daß wir Waffen und Munition beschaffen, daß es der jungen Mannschaft an Proviant nicht mangele, daß wir Streifer entsenden mögen zur Erkundung in fremde Länder.
Andere endlich haben selber uns von den Uriegswerk⸗ zeugen gespendet, die sie zubereiteten, indem sie den Bücher⸗ schatz unserer Bibliothek gemehrt haben. Wie so manches Mal schon hat auch bei unserer Feier der deutsche Buch⸗ handel gezeigt, daß er hochsinnig Opfer zu bringen versteht im Dienste unseres geistigen Lebens.
Es sei mir gestattet, namentlich hervorzuheben die reiche Stiftung der Provinz Oberhessen, die uns 20 000 Mark zu rein wissenschaftlichen§wecken zur Verfügung stellt, die nahezu ebenso hohe Schenkung der Gießener Kaufmannschaft, die Stiftungen der großen Städte des Landes, die neidlos und anteilvoll auf das Aufblühen Gießens und seiner Hoch⸗ schule blicken, das heiter freundliche Darmstadt, das goldne Mainz, zu dem die Hügel voll edler Reben hinübergrüßen, das sagenreiche Worms, in dem es sich erinnerungsschwer⸗
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romanisch träumt; weiter sodann Stiftungen der ober⸗ hessischen Gesellschaft für Natur⸗ und Heilkunde, der hessischen Anwaltskammer, des Vereins hessischer Sahnärzte, höchst beträchtliche Stiftungen unseres allezeit opferwilligen Mit⸗ bürgers herrn Kommerzienrat Aron Heichelheim, unseres früheren Kollegen Professor Dr. Heimburger, des Pfarrers Leydhecker in Auerbach, des Geheimen Medizinalrats Pro⸗ fessor Dr. Curschmann in Leipzig, des Geh. Kommerzienrats Oehler in Frankfurt a. M., des Keichsrats Dr. August Clemm in Haardt in der Rheinpfalz, des Kommerzienrats Dr. Adolf Clemm in Mannheim, des Kommerzienrats Cudo Mayer in Offenbach, des herrn Otto Wolfskehl in Darm⸗ stadt.
Es kommen hinzu Herr Professor Baldensperger, Che⸗ mische Fabrik Elektron in Griesheim, die Herren Kom⸗ merzienrat henne in Offenbach a. M., Fabrikant Klingspor in Gießen, Kommerzienrat Kupferberg in Wiesbaden, Nom⸗ merzienrat Pfalz in Offenbach, Kommerzienrat Preetorius in Mainz, Geh. Kommerzienrat Stroh in Offenbach und Wernher in Hamburg, sowie viele kindere, unter denen besonders die hilfsbereiten Scharen der hessischen Oberlehrer erwähnt seien. Unter den schenkenden Verlegern erscheinen die besten Namen der so bedeutungsvollen Sunft: Der Musikalienverlag André in Offenbach, Joh. Ambr. Barth in Leipzig, J. F. Bergmann in Wiesbaden, Breitkopf und härtel in Leipzig, F. A. Backhaus in Leipzig, die Cotta'sche Buchhandlung in Stuttgart, die Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart, Eugen Diederichs in Alex. Duncker in Berlin, Duncker& Humblot in Leipzig, Elwert in Marburg, Engelmann in Leipzig, Ferd. Enke in Stuttgart, Egon Fleischel und To. in Berlin, Dr. Gustav Hischer in Jena, Neuer Frankfurter Verlag in Frankf. a. M., G. L. Göschen in Leipzig, Heinsius Nachf. in Leipzig, S. Hirzel
in Leipzig, Alfred Hölder in Wien, Wilh. Knapp in hallen
Lehmann in München, Otto Liebmann in Berlin, Löscher in Rom, Prof. Dr. Hh. Meyer in Leipzig,). W. Müller in Berlin, Justus Perthes in Gotha, Froͤr. Andr. Perthes in Gotha, Reuther& Reichard in Berlin, Schotts Söhne in Mainz, Jul. Springer in Berlin, B. G. Teubner in Leipzig, Georg Thieme in Leipzig, die Buchhandlung des Waisenhauses in Halle, E. Wasmuth in Berlin, Weid⸗ mann in Berlin, K. Winter in Heidelberg.
So werden wir mit stolzer Freude, mit dankbewegtem Herzen auf die Tage unseres Festes zurückblicken dürfen, die uns so viel der Teilnahme, so viel der bleibenden Hilfe
gebracht haben.
(Es sei uns gestattet, hier einzuschieben, daß der Dank der Bibliotheksberwaltung bereits auf einer marmornen Ehrentafel im Treppenhaus der Bibliothek zum Kusdruck gekommen ist, die die Worte trägt:
Den deutschen Verlagsbuchhändlern die in hochherziger Weise diese Bibliothek urch Schenkungen bereichert haben
1907.) N
„In mächtigen Wogen durchbrausten dann die freudigen Weisen des Meistersinger⸗Vorspiels den Saal als Abschluß des Festaktes, der für alle Beteiligten ein Erlebnis bedeutet.
8 Festessen.
Nur kurz war die den Ehrengästen und Dozenten ge⸗ gönnte Ruhepause, bis 1¼ Uhr hatte der Festakt gedauert, und schon um 2½ Uhr versammelten sie sich wieder zu der angenehmen Pflicht des Festessens. Die Gedecke für die etwa 500 Teilnehmer des Mahls füllten nur einen kleinen Teil der riesigen Halle. Seine Königliche Hoheit erschienen, von vier Herren des Gefolges begleitet, um 2½ Uhr und nahmen an der Miitte der Ehrentafel Platz.


