mit purpurner Decke. Bald nachdem der akademische Lehrkörper und die Herren der Bibliothek auf den Stuhl⸗ reihen des Podiums Platz genommen, führte der Rektor Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und das Gefolge zu ihren Plätzen. Dann kehrte er zu Sr. Königlichen Hoheit in die Vorhalle zurück, und nun hielt der Rector magni- ficentissimus unter Vorantritt der Pedelle mit den schönen alten Szeptern und der vier Dekane seinen feierlichen Ein⸗ zug, während die Festversammlung sich von ihren Sitzen erhob. Nachdem die feierlichen Akkorde der Beethoven'schen Ouvertüre„Sur Weihe des Hauses“ verklungen waren, nahmen Se. Mönigl. Hoheit aus den händen Sr. Exzellenz des Ministers des Innern Braun den Text der Ansprache entgegen und verlasen ihn mit klarer Stimme:
Hohe und geehrte Gäste!
In Meiner Eigenschaft als Rektor Magnificentissimus der Cudoviciana bgrüße Ich an dem Ehrentage der Feier ihres dreihundertjährigen Bestehens Sie Alle, die Sie aus nah und fern zur Teilnahme an diesem Feste sich zusammen⸗ gefunden haben.
Mit besonderer Freude erfüllt es Mich, daß die deut⸗ schen und außerdeutschen Hochschulen und Akademien in so großer Sahl ausgezeichnete Vertreter hierher entsendet haben, die der Hessischen Candesuniversität die Glückwünsche der Schwesteranstalten als wertvolle Seugnisse für die Geistes⸗ gemeinschaft wissenschaftlicher Arbeit überbringen sollen.
Neben diesen Männern und den werten übrigen Ehren⸗ gästen, die der Einladung zur heutigen Jubelfeier gefolgt sind, heiße Ich die alten und jungen Angehörigen der Hoch⸗ schule willkommen. Durch ihre Anwesenheit bekunden sie den Stolz, sich Lehrer oder Schüler dieser ehrwürdigen Bildungsstätte nennen zu können, und damit zugleich den Dank für das, was diese ihnen im Austausch wissenschaft⸗ lichen Lehrens und Lernens geboten hat.
Bei einem Rückblick auf den Werdegang der Hoch⸗ schule bewegt Mich der Gedanke, daß sie stets treu zu Meinem Hause und Lande gehalten und deren gemeinsame Geschicke in Freud und Leid geteilt hat.
Von meinem Ahnherrn, Landgraf Ludwig V., dem Ge⸗ treuen, zu einer Seit gestiftet, als die Deutschland mächtig erfassenden Glaubenskämpfe dem unseligsten aller Kriege zudrängten, läßt auch die Universität in ihrem äußeren und inneren Sustand bei der Wende des ersten Jahrhunderts ihrer Geschichte die kulturverheerenden Folgen jahrzehnte⸗ langer, auf Land und Dolk lastender Leiden deutlich er⸗ kennen. Neue, schwere Bedrängnisse, die der Susammenbruch des alten Reichs und fremdes Joch mit Ablauf des zweiten Jahrhunderts des Bestehens der Ludoviciana gebracht hatten, bedingten in gleicher Weise für die Hochschule einen neuen Tiefstand. Und ebenso ist ihr noch über die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinaus ein nur langsames, der allmählich zunehmenden Wohlfahrt in dem größer ge⸗ wordenen Hessen entsprechendes Wachsen beschieden gewesen.
Wenn wir uns so die Schwierigkeiten vor Augen führen, die zu überwinden waren, um die Landesuniversität in trüben und trübsten Seiten vor dem Untergang oder bloßem Scheindasein zu behüten, so werden wir mit Dank erkennen, wie meine Vorfahren den Wert der Hochschule für das Staatsganze richtig gewürdigt haben, der nicht wenigen von ihnen, gleich Mir, durch die eigene Zugehörigkeit zu ihren Studierenden unmittelbar bewußt geworden ist. Mit ihren Ratgebern haben Meine Ahnen es verstanden, unter kluger Kücksichtnahme auf die sonstigen Bedürfnisse des Landes und seine jeweiligen Kräfte die Hochschule lebensfähig zu erhalten und ihr die Grundlagen für den Kufschwung zu sichern, den sie im neuen Reich und namentlich in den beiden letzten Jahrzehnten genommen hat und der durch das außerordentliche Steigen des staatlichen Aufwands für die„chschule wie ihrer Hörerzahl ebenmäßig dargetan wird.
Gerne spreche Ich aber dabei gleichzeitig aus, wie die
Cudoviciang die ihr gewidmete Fürforge reich gelohnt hat. Vielfach haben im Laufe der Zeiten die Aufgaben gewechselt, die Fortschritt und Wandel des von ihr vermittelten geistigen Strebens und Erkennens der Hochschule stellten. Nie aber ist sie der ihr zukommenden Mitarbeit an dem Kultur⸗ leben des engeren und weiteren Daterlands uneingedenk geblieben. In stattlicher Reihe lassen sich aus Vergangen⸗ heit und Gegenwart der deutschen Wissenschaft die Namen der hervorragenden Gelehrten nennen, die Zierden der Landes⸗ universität waren und sind, deren Werke und Ceistungen bleibenden Einfluß auf die von diesen berührten Wissens⸗ gebiete besitzen, und die als treue Lehrer den höchsten Cohn ihres Wirkens darin gefunden haben und finden, in der zu ihren Füßen sitzenden Jugend idealen Sinn und reges Pflichtbewußtsein zu pflegen und sie mit tüchtigem Wissen und Können für die künftigen Berufe auszustatten. Don solchem Empfinden beseelt und in hoher Schätzung der ererbten Würde eines Rector magnificentissimus der alma mater erachte Ich es als Meine Obliegenheit, ihr wie bisher, so auch künftig ein wohlgesinnter Schützer und Sörderer zu bleiben und ihr, unterstützt von der verständnis⸗ vollen Opferwilligkeit Meiner getreuen Stände, die erforder⸗ lichen materiellen Hilfen, wie nicht minder das volle Maß von Bewegungsfreiheit zu gewähren, ohne die eine für die Allgemeinheit fruchtbringende Arbeit in wissenschaftlicher Forschung und Lehre nicht möglich ist.
Indem Ich dies der Ludoviciana verspreche, beglück⸗ wünsche Ich sie zu ihrer Jubelfeier von ganzem Herzen und erhoffe für sie Gottes reichsten Segen und glücklichstes Ge⸗ deihen im kommenden Jahrhundert, wie bis in die fernste Zukunft!
Außeren Ausdruck will Ich Meinen wünschen durch die Auszeichnungen, die Ich zum heutigen Tage an Lehrer der Candesuniversität und für Verdienste um sie verliehen habe, sowie durch Mein Bild geben, das Ich für den uns heute vereinigenden neuen Festraum gestiftek.
Weiterhin huldige an ihrem Ehrentage der Hochschule die Kunst, der Ich neben den Wissenschaften im Hessenlande eine bevorzugte Heimstätte zu bereiten bestrebt bin, durch diese Kette. Sie ist bestimmt, von jedem Inhaber des Amtes eines Rektors bei besonders feierlichen Anlässen ge⸗ tragen zu werden. Sie soll in den sie zierenden Bildern und Wappenschilden die ZJusammengehörigkeit der Landes⸗ universität mit Meinem Hause und dem hessischen Staate durch die Seiten seines Entstehens hindurch versinnbildlichen und, hergestellt aus Gold und edelem Gestein, bekunden, wie Hessens Fürsten und Volk in der Hochschule immerdar ein wertvollstes Kleinod erblickt haben und ehren.
Hierauf hingen Se. Mönigl. Hoheit eigenhändig Sr. Magnifizenz dem Rektor die herrliche Kette um, die von nun an stets den Ehrenschmuck des Rektors der Ludoviciana bilden soll. Sodann bestieg der Rektor das Katheder und dankte Sr. Königl. Hoheit mit folgenden Worten:
Allerdurchlauchtigster Großherzog! Allergnädigster Rector magnificentissimus! Tief ehrfurchtsvollen Dank bringe ich Ew. Möniglichen Hoheit dar im Namen der Cudoviciana, der Ew. Königliche Hoheit heute so bedeutungsvolle Beweise landesväterlicher Huld gegeben haben. Die Worte Ew. Ugl. Hoheit sind uns das köstliche Unterpfand einer Gesinnung, die, immerdar auf das Höchste gerichtet, auch der Pflege der Wissenschaften nie ermüdende Hufmerksamkeit widmet und uns die freie Entfaltung unserer Arbeit allzeit gewährleistet. Seit langer Seit steht solchergestalt das geistige Bild Ew. Ugl. Hoheit eingegraben in unserem Herzen. Es ist uns eine tiefempfun⸗ dene Freude, fortan in festlicher Stunde auch mit sinnlichen Augen hinschauen zu dürfen auf die lebensvollen Füge des Fürsten, dessen Person 5 eng mit unserer Hochschule ver⸗ kettet ist. Die Rette, das alte Sinnbild huldvoller Der⸗


