Ausgabe 
28.1.1854
 
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Laterne

Zweiter Jahrgang.

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männche.

Gießen, 28. Januar 1853.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt 5 1* 0 Ausw ärtige können nul bei den nächsten Post⸗ und Umgegend mi. Briugerlohn monatlich 2 kr. 9. 8 ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche 8 Numern 2 kr. 2 A8 Wöstoweschlag eintritt.

Die Expedition

Gute Aufsätze für's. werden mit 0d ee und 180 Umständen 207 bonorirt.

Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche

ist Schloßgasse

Da das Laternemännche nicht allein in Gießen,

wird, so eignet es sich gewiß ganz besonders Zeile mit 2 kr., Abonnenten dagegen billiger.

einer Franco-Marke versehen sind. F. B. N. 3. sondern auch in allen Städten der Provinz stark gelesen zu Annoncen. Nichtabonneten berechne ich die gespaltene C. S Schi i l 8

Caspar's Liebe oder Freuden und Leiden einer Universi⸗ tätsstadt.

Novelle in 5 Kapiteln, frei nach dem Leben. [Fortsetzung.)

Caspar hatte bis jetzt noch nicht geliebt. Das Ziel, dem er früher entgegenstrebte, hatte ihn vielleicht überhaupt unempfindlicher gegen die Reize des schönen Geschlechts gemacht.

Wenigstens hatte er bis jetzt noch nicht daran gedacht, sich einem jener zarten Wesen, die den Mann als holdselige Genien durch das Dück und Dünn des Lebens zu begleiten bestimmt sind, hul digend zu nahen. Und nur schmähliche Ver läumder konnten behaupten, daß diese ihm liebend entgegengekommen wären.

Doch auch ihm sollten die Rosen der Liebe; erblühen; natürlich blieben aber auch die Dornen nicht aus.

Vissvis seiner Wohnung ole ein Justiz⸗ beamter, pessen älteste. Tochter Emma nicht ver gebens so oft an ihrem Fenster sichtbar war. Sehnend schaute sie nur zu oft nach dem Hause, dessen Gesasse Caspar,

Unser Held, bis jetzt unempfindlich gegen den feurigen Blick eines Weibes, fühlte allmählich die Eisdecke, die sein Herz umschlossen hielt, schmilzen, im süßen Glauben, diese Blicke, die sich so oft nach seinem Hause richteten, gülten ihm. Freilich

bedachte der ahnungslose Glückliche oder vielmehr Unglückliche nicht, daß sie eben so gut einem im obern Stocke wohnenden stud. theol., einem paten ten Corpsstudenten, gelten konnten, dem sie in Wirklichkeit auch allein galten.

Sy träufelte Emma, ohne es zu wissen und zu wollen, der Liebe süßes Gift in Caspar's ahnungsloses Herz.

Es ging ihm ein neues, ein schöneres Leben auf; die Liebe erschloß ihm ihte Zaubergärten.

Mit aller Energie seines Willens, mit all der Frische der Empfindung, der sein noch nicht durch moderne Civilisation und Cultur blasirtes Herz fähig war, überließ er sich seiner Leidenschaft. Seine Liebe war um so stärker, je länger dies Gefühl in seinem Busen geschlummert hatte.

So sind die Pharmaceuten, die früher immer in ihren Kräuterkasten eingeschlossen waren und vielleicht blos alle 14 Tage einmal einen Ausgang hatten, auf der Hochschule gewöhnlich grade die wildesten Gesellen, die die meisten närrischen Streiche machen.

Caspar verschmähte von nun an den Genuß des Bieres für das er freilich auch grade kein Geld hatte; die Frigatellen in seinem Speise hause wollten ihm nicht mehr munden; seine Ge danken weilten nur bei ihr. Stundenlang irrte er in den Wäldern umher, der Einsamkeit sein süßes Weh klagend; oder er setzte sich in eine Wiese, wandt Kränze von Gänsblümchen und warf