Ausgabe 
11.2.1854
 
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Zweiter Jahrgang.

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Gießen, u. Februar 1854.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mie Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 ki.

12.

Auswärkige, können nur bei den nächsten Post⸗ amtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag einnitt.

Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.

Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition f ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. Da das Laternemännche nicht allein in Gießen, sondern auch in allen Städten der Provinz stark gelesen

wird, so eignet es sich gewiß ganz besonders zu Annoncen.

Zeile mit 2 kr., Abonnenten dagegen billiger.

Nichtabonneten berechne ich die gespaltene C. Schild.

Cuspar's Liebe

oder Leiden einer Universi⸗ tätsstadt.

Novelle in 5 Kapiteln, frei nach dem

(Fortsetzung.)

Er erzählte ihr von den schönen Zeiten der

Pommalia und von seinem Leben auf der Hoch⸗ schule; von den neusten Lyrikern und von dem theuren Brod; von Poesie und von Kartoffelkrank heit; von Ulgian und von dem aufgeschlagnen Kaffee; von dem tiefen Schnee und von seinen Lieblingsgerüchten, wobei er besonders den Hand⸗ käs hervorhob kurz, er war unerschöpflich. 5 Wenn er bisweilen in den Strom seiner Unterhaltung leise Andeutungen fallen ließ, welchen tiefen Eindruck seine schöne Tänzerin auf ihn ge macht habe, da hätte ein aufmerksamer Beobachter leicht ein spöttisches Lächeln über Emma's sonst engelschönen Züge gleiten sehen können.

Verrieth das nicht ein gefühlloses Herz?

Nein; wie darf überhaupt der Wurm sich erdreisten, sich zu einem Cherub erheben zu wollen!

Emma Caspar! Welch' ein Abstand!

Poesie, Prosa; Himmel, Erde; Schönheit, Häßlichkeit; Sonne, Nachtlicht; Rose, Schierling; Frühling, Winter; Edelstein, Quarz; Elfe, Kobold. Als Caspar gar wagte, Emma'n, die er heute zum Erstenmal sprach, seinen Schutz auf dem Nach⸗ hausweg anzubieten, da konnte die Schöne, im Hinblick auf die Gestalt ihres Tänzers, der eher selbst Schutz zu bedürfen, als Andern leisten zu können schien, ein lautes Lachen kaum unterdrücken. Caspar gerieth dadurch in die tödtlichste Verlegen heit, als zum Glück die Musik verstummte. Er

Freuden und

Leben.

wollte nun in einem recht tiefen Bückling seine

Verlegenheit verbergen, aber er bückte sich zu tief, glitt auf dem glatten Boden aus, verlor das (pleichgewicht und riß einen neben ihm stehenden Tisch mit in's Verderben. 1

Da lag nun unser Held, zwischen Shawls, zerknütteten Hüten, zerbrochnen Theetassen, das sorgfältig gekämmte Haar in wilder Unordnung.

Er erhob sich zwar bald wieder, als er aber sein Taschentuch zog, um sein in Augstschweiß schwimmendes Gesicht abzutrocknen, da löste sich Alles in einen allgemeinen Lachkrampf auf.

Der Unglückselige hatte vor seinem Weggehen von zu Hause in allzugroßer Eile das Tintensaß umgestoßen und in der Zerstreuung mit seinem Tuschentuch den Klex abgewischt. a

Und mit diesem Taschentuch war er sich jetzt in's Gesicht gefahren, und grinzte nun, ein zweiter Onecle Tom, die erstaunte Ballgesellschaft au.

Da schwand ihm in einem Augenblick der goldne Traum seiner Liebe und niedergebeugt. an Leib und Seele, verließ er, ohne sich umzusehen, mit stürmischen Schritten den Saal. i

Das war Caspar's Debut im Salon und in der Liebe,

IV. 5 Ich weiß nicht, was es soll bedeuten, Daß ich so hungtig bin;

ein Begf⸗steak aus alten Zeiten

Kommt mir nicht aus dem Sinn Heine. Hungeil quälte, Durst that weh. Altes Volkslied. Das Leben ist doch schön. Marquis Posa. Leb' wohl, du theunes Land, das mich geboren.

Bertram's Abschied.

Es war eine herrliche Mainacht. 3 Ein sanfter Zephir, der über Blumengefilde geschwebt, lispelte in den Linden an der Schor.