Ausgabe 
30.6.1854
 
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Zweiter Jahrgang.

Gießen, 0. Zuni 1853.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 kr.

N A.

Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt.

Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt. Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 5 bei Wittwe Stohr.

8 Da das Laternemännche nicht allein in Gießen, sondern auch in allen Städten der Provinz stark gelesen

wird, so eignet es sich gewiß ganz besonders zu Annoncen. Nichtabonnenten berechne ich die gespaltene

Zeile mit 2 kr., Abonnenten dagegen billiger.

C. Schild.

Altes deutsches Cheng.

(Bleibt leider immer neu.)

Irgendwo, in fernen fremden Landen, Trafen einstmals sich zwei Europäer; Waren hocherfreut ob der Begegnung, Drückten traut und freundlich sich die Hände.

Und sie wollten einig mit einander, Und verbunden mit vereinten Kräften, Jedem Angriff nun gemeinsam wehren, Gut' und Böses nun zusammen tragen.

Da auf eins, im Laufe des Gespräches, Wenden frostig sie sich von einander, Macht der Eine rechts, der Andre links um Und allein gebt jeder seine Wege.

Murrend spricht der Eine zu sich selber:

Werd' mich lassen in das Schlepptau nehmen!

Unsre Interessen sind verschieden, Muß Selbstständigkeit vor Allem wahren!

Und der Andre:Ja wenn von derselben Völkerschaft er wäre, ließ' ich's gelten,

Daß gemeinsam wir zusammen hielten, Doch in solchem Falle gebt es nimmer!

Sagt, was war wohl der Zerwürfniß Ursach? Waren sie nicht beide eines Stammes,

Sprachen beide nicht dieselbe Sprache? Waren eines Vaterlandes Kinder!

Nein! o nein! Sie hatten wahrgenommen, Daß sie Söhne zweier Vaterländer! Ach! der Eine war aus Lippe-⸗Detmold Und aus Lippe⸗ Bückeburg der Andre!

Wenn man ein bischen in der Weltgeschichte nachblättert, so wird man finden, daß die Türken stets als Bluthunde und Tyrannen bezeichnet sind. Nach der neueren Weltanschauung sind sie nun Herrgottschäfchen geworden, allerliebste charmante Leute, liebenswürdig zum Abschmatzen; da müssen sich die Christen, was die Humanität anbelangt, verstecken und die englischen und französischen Zei⸗ tungen sprudeln von Lobeserhebungen. Es ist wirklich eine verkehrte Welt und scheint als habe sich seit der Tischrückerei auch bei vielen andern Dingen Alles herumgedreht. Die ganze Welt laborirt an einer Art Drehkrankheit, und es wird bald an Aerzten fehlen, diese gründlich zu kuriren! i

Unterhaltung zweier Damen nach einem ausgestandenen Parthie vergnügen.

Grethche: Ei Rickelche, wo wart ihr dann aigentlich am Sonndag mit dem Umnipus?

Rickche: Laß doch dei Ladeinsch weg unn sag Blamasch odder Vanilljewage, sonst! Ei mer hawe e Blamasch-Pardie in's Kloster gemacht.

Grethche: Hurrjeh, da musses awer schö sei, ich kann mer gar kei Enthaltsamkeit vonnem Kloster vorstelle, wie isses dann da?

Rickche: Ach, es war eifach, awer dabei doch recht simpel unn hibsch, mer hawe nach dem Flettch gedanzt.

Grethche: Flügel?

Rickche: No, deß werd wol einerlei sein; mei Vadder sagt immer, m'r misse de Hinkel emal de Flettch stimme und so en Fliegel, wonach ge danzt werd, wird doch auch gestimpt. Du bist awer de hochdeitsche Düalekt gewohnt.

Ach, du meunst gewiß nach dem