Ausgabe 
11.2.1854
 
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Denn die Akazien waren alle gefällt worden.

In der Luft stritten sich Blüthenschnee und Blumenduft um den Vorrang. 5

Im Heiger'schen Garten ließ eine Nachtigall ihr seelenvolles Lied hören.

In schmelzenden Accorden sang sie von der Liebe süßer Lust, von ihrem süßen Weh.

Einige von der Kneipe zurückkehrende Musen⸗ söhne begleiteten die einsame Sängerin der Nacht.

Tiefe Bierstimmen brüllten das bekannte Studentenlied: Grade aus dem Wirthshause nun komm' ich heraus.

Auf dem Kreuze schlugen sich Filzmucker mit Corpsstudenten.

Einige Straßenlaternen sanken klirrend zu Boden.

Das hatte aber wenig zu sagen, da doch nächstens die neue Gasbeleuchtung eingeführt wer den sollte.

Im Hintergrunde dunsteten einige Misthaufen.

Ein im reichsten Blüthenschmuck prangender Aepfelbaum verbreitete seine aromatischen Düfte.

Am Neuenweg ließ sich der melancholische Ruf einer Kuh vernehmen, der ihre Sehnsucht nach dem gestern von Metzger Weidig geholten Kalbe ausdrücken sollte.

So ist selbst dem Rindvieh das Gefühl der Mutterliebe nicht fremd. 1

Dann herrschte wieder eine fast feierliche Stille.

Alles schien den Zäubertönen, dem geheimen Weben der um diese Jahreszeit göttlichen Natur zu lauschen. N 8

Doch der tiefe Frieden, der über die Zauber⸗ gefilde des keimenden Lenzes ausgebreitet lag, schien von dem jungen Mann, der die Mansarde eines in einer einsamen, aber weiten Gasse gelegnen Hauses bewohnte, nicht getheilt zu werden.

Es war Caspar. 1 Seine Blicke hatten heute fast etwas Geister haftes. 5

Die auffallende Blässe des Gesichtes schien an trübe Tage, an quälende Sorgen zu erinnern.

Krampfhaft bewegten sich seine Gesichtsmuskeln.

Er schien zu hungern.

Der Sämmtling, dessen Bekanntschaft wir schon im ersten Kapitel gemacht haben, umbüllt noch immer seine edlen Glieder. 5

Denn weder Pfeil noch Frech wollten ihn annehmen. 3

Aber das Picken seines Cylinders in der Westentasche war nicht mehr vernehmbar.

Caspar hatte, wie F. L. zu sagen pflegte, eine Uhrden rächenden Furien des Pfand⸗ hauses überantwortet. i

Ott fährst Du vielleicht noch, unglücklicher Jüngling, wenn Du des Abends vor dem Schlafen⸗ gehen das gewohnte Geschäft vornehmen willst, unwillkürlich mit der rechten Hand in die linke Westentasche. 1

Doch sie ist öde und leer, als ob die Anqui⸗ noctialstürme hindurchgesaust wären..

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Dann taucht das freundliche Bild Deines Großvaters, der Dir an Deinem Geburtstage den Käs gegeben, in Deiner Seele empor und Du denkst der goldenen Knabenjahre, die Dir so glück⸗ lich, se wolkenlos heiter im väterlichen Hause da hin gerauscht; Du denkst der Lieben alle, die Du verlassen; der Gesichter, die es geben wird, wenn Du ohne Uhr nach Hause kommst und Dein Herz ergreift eine tiefe Schwermuth, eine bange Sehn⸗ sucht: Du wirst sentimental. f

Verblendeter Jüngling, was hast Du auch gethan?

Das einzige Andenken an einen Dich so zärtlich liebenden Großvater hast Du versetzt.

Und weißt Du auch, was versetzen heißt?

Und wenn der 21. Februar kömmt, und Du hast keine Mittel, das Pfand auszulösen oder den Schein prolongiren zu lassen, dann fällt die theure Reliquie in die Hände eines jüdischen Trödler's.

Und der Geist Deines verblichenen Groß- vaters erscheint Dir im Traum, schüttelt seine sil bergebleichten Locken und blickt Dich mit einem ernst mahnenden Blicke ob Deines Leichtsinnes an.

Unglückseliger Jüngling, was hast Du gethan?

(Fortsetzung folgt.)

In Bieden kopf hat man vor einigen Tagen einen Finger in Papier gewickelt gefunden, man weiß jedoch bis jetzt nicht, wem solcher zu⸗ gehört; derselbe scheint somit bei einem Langfinger⸗ geschäft abgehauen worden zu sein und trägt der Entbehrer wahrscheinlich gerne stillschweigend den Verlust!

Vor einigen Tagen wohnte ein Bauersmann den Assisenverhandlungen wegen der Laternemänner hierselbst bei. Er sah sich um nach der gegensei⸗ tigen Wand und blickte in den großen Spiegel, woselbst er eine ähnliche Gesellschaft wahrnahm, und sich befragte, was denn da verhandelt werde und wünschte auch dieses genauer zu beobachten; allein es wurde ihm gesagt, daß zu diesen ge⸗ heimen Verhandlungen der Zutritt verboten sei. Er erkundige sich hierauf nach dem Bauer in dem blauen Kittel(seine eigene Person), was der ge⸗ than habe; der hat seine Frau mißhandelt, wurde ihm gesagt. No, daß kann Jedem bassirn, ant⸗ wortete er und machte sich schnell fort.

In unserer Stadt steht die eheliche Verbin⸗ dung eines Mohren und einer hiesigen Dame in Aussicht. Wenn nur die Dame den Mohren in keinerlei Art weiß macht, oder die Dame nich mohrig wird. 1

Ein Philister erzählte seinem Nachbarn von seinem Hunde und seiner Katze, die in größter