Ausgabe 
21.1.1854
 
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merksame Beobachter würden seine Gestalt eher plumb, als schlank genannt haben.

Kaspar war der ehrenwerthe Sohn gut

erzogener Eltern. Seine Wiege stand in jener Stadt, von der schon seit Jahren die wenigsten und unfähigsten Corpsstudenten nach Schilda kom men. Weiß der Himmel, ist der Geist, der am dortigen Gymnasium herrscht, Gift für die gute Milch richtiger Corpsprinzipien oder treibt ein neckischer Zufall sein loses Spiel; genug, die Stadt, die einst die meisten Rekruten zu dem herrlichen und geachteten Corps der R. geliefert hatte, stellt jetzt den in Schilda existirenden Corps nur noch ein schwaches und unbedeutenden Contingent. Doch es genügt zu bemerken, daß Caspar nicht dazu gehörte. Schon von zarter Jugend an, war er bestimmt, Theologie zu studiren.

Sein Vater zeichnete sich durch weiter Nichts als durch die Geschicklichkeit aus, renitente Stiefel wieder zum Gehorsam zu bringen. Zu den be sonderen Vorzügen seiner Mutter gehörte außer der Geschicklichkeit, mit der sie ihren Dienst als Hebamme versah), noch die besondere Vorliebe, die sie zu ihrem nichts weniger als wohlgewachsenen

Sohne hatte, den sie immer nurihren kleinen

Kaplan nannte.

Der hoffnungsvolle Sohn schiffte an den Klip⸗ pen, die jeden Jüngling, der katholische Theologie studiren will,(Caspar war Katholik) bedrohen, glücklich vorüber und hatte endlich im Conviet Aufnahme gefunden. Aber seinem längeren Ver bleiben in besagter Anstalt stellten sich Hindernisse entgegen, die mit der Gestalt unsrers Helden,(den man grade keinen Appollo zu nennen berechtigt war), in nicht allzuferner Beziehung standen. Uebrigens war Caspar's Abtreten vom Schau platze seiner theologischen Wirksamkeit von selt samen Umständen begleitet, die die Entfernung einger anderen Convictsmitglieder aus der Anstalt zu Folge hatten. Doch wir wollen den Talma mantel christlicher Liebe über diese Vorgänge decken. Da Caspar kein Priester des Herrn werden konnte, so wollte er wenigstens Priester der Thennis wer den, er ging nach Schilda, um sich dem jus in die Arme zu werfen. Es ist schon oben bemerkt worden, daß unser Held nicht die Reihen der in Schilda existirenden Corps verstärkte. Es ist nicht bekannt geworden, daß diese darüber in Sack und

*) Und außer der Virtuosität, mit der sie Familien geheimnisse zu verbreiten wußte.

Asche getrauert hätten. Er zog es vor, sich einer Gesellschaft anzuschließen, die größtentheils aus Landsleuten bestand, und die zwar auch Farben trugen, denen es aber nicht einfiel, auf diese Far ben Satisfaction zu geben. Für was auch? Waren sie doch größtentheils friedfertige Leute, und selbst wenn es einmal Spektakel gab, so war es doch dervernünftigen Ansicht nach klüger, eine Beleidigung ruhig einzustecken, als zu den Waffen zu greifen, wo der Ausgang noch so un⸗ gewiß war. Außer diesem Umstand, denn auch Caspar ging von dem Grundsatze aus:

Und Losgehen ist kein Kinderspiel, mochte noch eine andere Rücksicht unsern Helden bewogen haben, sich gerade dieser Gesellschaft an zuschließen.

(Fortsetzung folgt.)

Verhandlung am verflossenen Spar⸗ kassezahltag in einer Residenz. Ein Bauer zu Sparkasse-Rechner: Rechelt

mer e mol aus wäi väil mai Zinse unn die Til

gungsrente(statt Tilgungsquote) ausmache vo

mei'm Käpidälge.. Rechner Becker: Wie groß ist Eure Kapi

talschuld und wie viel Ziele habt Ihr bezahlt?

Bauer: Ers worn im Ofang 100 Gille unn jetzt hunn aich mei Sach 1Amol bezahlt.

Rechner Becker zu Controleur Schmuhl: Wir haben demnach das 15. Ziel Zinsen und Tilgungsquote zu berechnen, sein Sie so gut und rechnen Sie mit.

Beide fangen gleichzeitig mit der Berechnung an und nach geraumer Zeit fragt der Bauer: Nu, wäi väil duths aus?

Controleur Schmuhl: Nach meiner Berechnung habt Ihr als 15. Ziel zu bezahlen 40 fl. 18 kr. Zinsen und 5 fl. 56 kr. Tilgung, zusammen also 46 fl. 14 kr.

Bauer mit dem Fuß stampfend und laut aus- rufend: Ei wäi väil? Herr Schmuhl nennt noch mals ganz deutlich die berechneten Summen, worauf der Bauer in der größten Wuth äußert: Ei, ders Ungleck unns Donnerwerrer, aich glawe Ihr seid narrigt!

Rechner zum Controleur: Sie haben sich

geirrt, Herr Schmuhl, so viel macht's nicht aus. Controleur wird roth wie e Krebs, er durchgeht mit einem ellenlangen Gesicht nochmals

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