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lebendig machen jeder Zeit und Stunde; aber wenn ich in meinem Herzen derselbe bleibe, der ich zeither war und noch bin, werde ich nimmermehr eine Frau hfimführen. Ich mag nichts von Hochzeit wissen, weil ich täglich den Tod erwarte und eines Ketzers wohlverdientes Gericht. Nun denn, ich will auf meinen Sinn nicht pochen und mich wider den Willen Gottes nicht sträuben." Wenn er gleichwohl bald darnach sich zur Ehe entschloß, so tat er es aus einem geradezu heroischen Grunde. Er glaubte, daß er über dem Bauernkrieg, vielt acht durch die Bauern selbst, in Bälde sein Leben verlieren werde; da wollte er vorher n ch heiraten, um durch sein eigenes Vorbild d n Ehestand zu ehren. Auch hatten ihm die e gesagt, w nn er andern immer die Ehe predige, so solle er es auch selber durch die Tat bew i,en. Für diese seine Anfassung haben wir bündige Beweise. In einem Briese, in dem er dm Kardinal Al- brecht von Mainz zur Heirat aufsorderte, schrieb er: „Wo meine Ehe seiner Kur restlichen Gnadm eine Stärkung sein möchte, wollte ich gar basd bereit sein, Seiner Kür- fürstlichm Gnaden vorherzutraben, nachdem ich doch sonst im Sinne bin, ehe ich aus diesem Leben scheide, mich in den Ehestand finden zu lassen, welchen ich von Gott gefordert achte, und sollt's nichts weiter denn eine verlobte Josephsche sein." Und noch in seinen späteren Jahrm hat er einmal erzählt: „Das haite ich, e'e ich ein Weib nahm, ganz und gar beschlossen, dem Ehestand zu ehren: wenn ich gar unversehens hätte sollen sterben oder jetzt auf dem Totenbette wäre gelegen, so wollte ich mir haben lassen ein frommes Mägdelein ehelich vertrauen, und derselben wollt' ich darauf zwei silbeme Becher zum Mahlschatz und Morgengabe ge- gebm habm."
Zu seiner „Käthe" aber kam er auf gar eigene Art. Katharina von Bora war Nonne im Kloster zu Nimtschm gewesen und fand in Wittenberg Unterkunft. Luther führte sie dem Harre des Stadtsyndillis Reichenbach zu und suchte sie dann mit dem vornehmen Nürnberger Hieronymus Baumgärtner oder dem Tr. Glatz zu Orlamnnde zu verheiraten. Inzwischen erfuhr er von seinem Freunde Amsdorf, daß Käthe ihn selbst in ihr Herz geschlossen, und nun erwog er auch in jenen Märztagen ernstlich seine Ehe mit ihr. Freilich an angs nicht ohne Bedenken. Er hielt sie „für verdächtig, als wäre sie stolz und hoffärtig". Er selbst litt aber, nun schon 42 Jahre alt (Käthe war 26), auch zunehmend unter der bitteren Einsamkeit. Noch immer wohnte er in sein m alten Augustinerkloster. Vor seiner Heirat machte ihm während eines ganzen Jahrs niemand sein Bett zurecht; eines Tages fand man ihn ohnmächtig aus Ueberarbeit und infolge mangelnder Lebensmittel. Damals brachte ihn nur die edle Trösterin, Frau Musika, wieder zurecht. So fügte sich denn ein ernster
Umstand zum andern, daß Luther im März sich tatsächlich mit dem Gedanken vertraut machte, bald Käthe als Weib heimzuführen.
Lin Feldpostbrief aus dem Jahre J8U-
Millionen von Briefen sind in diesem Weltkriege durch die Feldpost von der Front in die Heimat und wieder aus der Heimat hinaus zu den Kämpfenden befördert worden. Alle diese Briefe berichten von Kampf und Sieg, von Leid mtb Not, von Heimweh und stillem Sehnen. In früheren Kriegszeiten find so viele Feldpostbriefe nicht geschrieben wü' d n, einmal, weil damals das Postwesen schlecht organisiert war, und sodann, weil viele der im Felde Stehenden mitunter Helden in der Schlacht, aber keine Helden im Briefschreiben waren. Immerhin haben die Deutschen, die vor mehr als hundert Jahren unter Napoleons Fahnen kämpfen mußten, oft ihren Angehörigen in der Heimat Kunde von ihrem Ergehen gegeben, und ihre Briefe sind zum Teil heute noch zu finden. Ten Brief, den ich im nachstehenden mitteile, habe ich vor mehreren Jahren unter Akten, die das Großherzogliche Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt aufbewahrt, gefunden. Daß dieser Familienbrief in dem Archive zu finden ist, hat seinen besonderen Grund. Napoleon war darauf bedacht, auch den letzten wehrfähigen Mann zum Heeresdienste heranzuziehen, und die militärischen Behörden forschten eifrig nach sogenannten „Refraktären", das waren Militärpflichtige, die sich dem Heeresdienste entzogen. Auch von dem jungen Johannes Strebe! aus Göllheim am Tonnersberg nahm man dies an, dabei diente der junge Mann schon längst im französischen Heere. Um dies nachzuweisen und um sich selber vor lästiger Exekution zu schützen, haben seine Eltern einen Brief, den er aus Spanien geschrieben hatte, dem Rekrutierungsrate zu Mainz vorgelegt. Vorausgeschickt sei, -daß sich unter den Frarr- zosen, die von 1808 bis 1814 in Spanien gegen Spanier und Engländer kämpften, viele junge Leute aus der heutigen preußischen Rheinprovinz, aus Rheinhessen Und aus Rheinbayern befanden, also aus Gebieten, die damals leider zum französischen Kaiserreiche gehörten. Ter besagte Brief hat folgenden Wortlaut:
„Sevilla, d. 2. May 1811.
Lieben Eltern und geschwister!
Aus hertzlicher Liebe gegen Sie kann ich nicht mehr Länger verweilen die Feder zu ergreifen um mnen Brief an Euch zu geben, wie wohl ich schon oft und oielmal an euch geschrieben habe und noch nicht mer als eine Antwort erhalten ich seufze Tag und Nacht nach einem Brief. Tiefen Brief schreibe ich Euch mit weinenden Augen dieweil ich grad denken muß ich hätte keine Eltern und Geschwister so will ich.sie bitten zum Letzten mal um eine ballige Antwort. Neues weiß


