Ausgabe 
10.7.1939
 
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Der Nrfc.

Von Herbert Böhme.

Wenn die Akazien am Walde blühen, der süße Duft den frühen Mond umweht, der alte Hirte schon mit seinen Kühen verstaubten Schrittes zu den Ställen strebt.

Und wenn die Grillen ihre Geigen proben, steht er am Gitter unterm Kirschenbaum und faltet seine Hände wie im Traum, für diesen Gottestag das Licht zu loben.

Die Bienen kehrten surrend von den Wiesen, längst ging die Sonne fromm und scheu zur Nacht, die schwankend mit dem Glast der Wolkenriesen die warme, müde Erde überdacht.

Die hartgekrümmte alte Schäferhand hält einen langvergessenen Sinn gefangen: Auch damals hing Akaziendust im Land... Weiß Gott, die Jahre sind so schnell vergangen.

Man achtet kaum der frohen Schmetterlinge, selbst lustig wie ein Windspiel überm Feld und sieht so schnell, als ob es kaum verginge, verlassenen Blickes in die junge Welt.

Dem Kind, das übern Weg dahergekommen, streicht trunken er das aufgeschmückte Haar und hat es glücklich in den Arm genommen, als ob es seine eigne Jugend war.

Salvatore.

Bon W. Somerset Maugham.

Ich bin neugierig, ob ich es zustande bringe...

Ich sah Salvatore zum ersten Male, als er ein Junge von sünfzehn Jahren mit einem lustigen, unschönen Gesicht, einem lachenden Mund und sorglosen Augen war. Er brachte den Morgen meist damit hin, daß er, fast unbekleidet, am Strands herumlag. Sein brauner Körper war so dünn wie eine Eisenbahnschiene. Er war voll Grazie. Er war die ganze Zeit bald draußen, bald drin im Meer, wo er mit den ungeschulten, mühelosen Bewegungen aller Fischerjungen herumschwamm. Die schar­tigen Felsen mit seinen schartigen Füßen erkletternd (denn außer an Sonntagen trug er nie Schuhe), warf er sich in das tiefe'Wasser mit einem schrei der Lust. Sein Vater war ein Fischer, der seinen eigenen kleinen Weinberg besaß, und Salvatore vertrat bei seinen zwei jüngeren Brüdern das Kindermädchen. Er schrie ihnen zu, an Land zu kommen, wenn sie sich zu weit hinauswagten und hieß sie sich anziehen, wenn es an der Zeit war.

Aber die Knaben wachsen in diesen südlichen Landstrichen rasch heran, und über ein Weilchen war er toll verliebt in ein hübsches Mäd­chen, das an der Grande Marina wohnte. Es hatte Augen wie ein Wald­see und hielt sich aufrecht wie eine Tochter der Cäsaren. Sie verlobten sich konnten einander aber nicht heiraten, bis Salvatore seinen Militär­dienst gemacht hatte. Um Matrose in der Marine König Viktor Emanuels zu werden, verließ er die Insel und weinte wie ein Kind. Es war hart, auf einem Kriegsschiff unter Fremden zu leben, statt in einer kleinen weißen Hütte unter Reden; und wenn er an Land war in lärmenden unfreundlichen Städten durch so wimmelnde Straßen zu gehen, daß er, ber an stille Pfade und die Berge gewöhnt war, Angst hatte, sie zu über­queren. Ich glaube, es war ihm in den Sinn gekommen, daß Ischia, zu dem er jeden Tag hinüberblickte (es lag wie eine Feeninsel im Sonnen­untergang), um zu sehen, wie am nächsten Tag das Wetter werden würde, oder der Vesuv, perlfarben in der Dämmerung, überhaupt etwas mit ihm zu tun hatten.

Er hatte furchtbares Heimweh. Aber am härtesten war es, von dem Mädchen getrennt zu jein, das er mit feinem ganzen leidenschaftlichen jungen Herzen liebte. Er schrieb ihr lange unrichtig geschriebene Briefe, m denen er ihr erzählte, wie ständig er an sie denke. Er wurde dahin und dorthin geschickt und endlich nach China. Hier erkrankte er an einem geheimnisvollen Leiden, das ihn für Monate ins Lazarett verbannte. Als er erfuhr, daß es eine Art Rheumatismus war, die ihn untauglich für weiteren Dienst machte, jubelte sein Herz auf, denn er konnte heim. Unö er horte kaum hin, als ihm die Aerzte erklärten, er würde nie tmeber ganz gesund werden. Was lag ihm daran, wenn er im Begriffe mar, ju der kleinen Insel zurückzukehren und zu dem Mädchen, das aus ihn wartete.

2lls er in das Boot stieg, das dem Dampfer aus Neapel entqeqen- gefafjren war, um ihn an Land zu holen, sah er seinen Vater und seine Mutter und seine beiden Bruder, jetzt große Jungens, am Kai stehen und winkte ihnen zu Seine Augen suchten unter der wartenden Menqe nach dem Mädchen. Er konnte es nicht entdecken. Es gab viele Küsse, a.s er die Treppenstufen hinaussprang und sie alle, rührende Leutchen, weinten em bißchen, als sie ihn willkommen hießen. Er fragte, wo das

Mädchen sek Seine Muster sagte ihm, sie wisse es nicht; sie hcst zwei oder drei Wochen nicht gesehen. So ging er am Abend, az Mond über dem friedvollen Meer schien und die Lichter von SJleapel der Ferne blinkten, die Grande Marina zu ihrem Haus (jinunfe:. saß mit ihrer Mutter vor den Stufen der Haustür. Er war ein tue befangen, weil er sie so tätige nicht mehr gesehen hatte. Er fragte le, sie den Brief nicht bekommen habe, in dem er ihr geschrieben hatte. | er heimkomme. Jawohl, sie hatten einen Brief erhalten und ein Bursche von der Insel hatte ihnen gesagt, daß er krank wäre. Je. >1 darum war er zurück, war das nicht ein Glück? Oh. aber die >at gehört, er würde nie wieder ganz gesund werden. Die Aerzte schwitz eine Menge Unsinn, aber er wußte sehr gut, er würde jetzt, da er Bit zurück war, bald gesund werden.

Sie waren eine kleine Weile still, dann stieß die Mutter das M-dh an. Es versuchte nicht, den Schlag zu mildern. Es sagte ihm $eti' heraus, mit der derben Unverblümtheit ihrer Rasse, daß es keinen R, - heiraten könne, der nicht stark genug sein würde, um wie ein Mein: arbeiten. Sie hatten ihren Entschluß gefaßt, ihre Mutter und ihr fiel und sie selbst, und ihr Baker würde nie feine Einwilligung geben

Als Salvatore heimkam, entdeckte er, daß sie es alle wußten t Baler des Mädchens war dagewefen und hatte ihnen ihren Beschluß geteilt; aber sie hatten nicht den Mut gehabt, es ihm selber zu age Er weinte an der Brust seiner Mutter. Er war unglücklich, aber er 61M das Mädchen nicht. Das Leben eines Fischers ist hart, und es brm Kraft und Ausdauer Er wußte sehr wohl, daß ein Mädchen es [idjiti leisten konnte, einen Mann zu heiraten, der es vielleicht nicht Bit ernähren können. Sein Lächeln war sehr traurig, und seine Augen M den Ausdruck eines geschlagenen Hundes, aber er klagte nicht und io: nie ein hartes Wort über das Mädchen, das er so sehr geliebt sij Dann, ein paar Monate später, als er sich in den täglichen Arbeit.« eingereiht hatte, den Weinberg bearbeitete und fischte, sagte ihm |fi Mutter, es gäbe eine junge Frau im Dorfe, die willens sei, ihn z»s raten. Sie hieß Assunta

Sie ist häßlich wie Der Teufel", sagte sie. Sie war älter als oierundzwanzig ober fünfundzwanzig und war mit einem Mann o<tl gewesen, der während seines Militärdienstes in 2(frifa getötet nwti war. Sie besaß ein wenig eigenes Feld, und wenn Salvatore jw tt ratete, könnte sie ihm ein eigenes Boot kaufen und sie könnten iii Weinberg bekommen, der durch einen glücklichen Zufall gerade in teil Augenblick ohne Pächter war. Seine Mutter sagte ihm, Assunta hat»-: bei der Festa gesehen und sich in ihn verliebt. Salvatore lächelte j gewinnendes Lächeln und sagte, er wolle es sich überlegen. Am süji den Sonntag, angetan mit dem steifen schwarzen Anzug, in dem it »iel weniger gut aussah als in dem zerlumpten Hemd und in der Süft tags Hose, ging er zum Hochamt in die Kirche hinauf und setzte schl daß er eine gute Sicht auf die junge Frau hatte. Als er wieder heruid kam, sagte er zu seiner Mutter: er sei bereit.

Schon, sie heirateten und ließen sich in einem kleinen weiß getiirtz Haus inmitten eines stattlichen Weinderaes nieder. Salvatore roar ji ein wuchtiger, derbschwerer Bursche, groß und breit, aber noch im« mit jenem treuherzigen Lächeln und jenen vertrauensvollen, freundH Augen, die er als Knabe gehabt hatte. Er hatte die vollendetsten ili gangssorrnen, die ich je in meinem Leben gesehen hatte.

Assunta war ein grimmig dreinblickendes Weib mit eckigen @i maßen und sah für ihre Jahre alt aus. Aber sie hatte ein gutes » und war nicht dumm. Ich war belustigt von dem kleinen ßädjebn i Demut, mit dem sie ihren Mann ansah, wenn er sich sehr männlkU; bürdete; immer war sie von feiner sanften Liebenswürdigkeit ergrji Aber sie konnte das Mädchen nicht ausstehen, das ihn verworfen, Kotz Salvatores lächelnder Begütigungen hatte sie nichts als harte ® für sie.

Nun wurden ihnen Kinder geboren. Es war ein recht schweres W Die ganze Fischzeit hindurch fuhr Salvatore gegen Abend mit »« feiner Brüder zu den Fifchgriinden hinaus. Er mußte sechs ober M Meilen weit rudern und verwandte die Nacht auf den Fang des träglichen Tintenfisches. Dann wieder zurück, um den Fang rechhst auf den Markt zu bringen. Zu anderen Zeiten arbeitete er in f " Weinberg, bis ihn die Hitze 3um Ausruhen zwang und wenn es 1 wenig kühler geworden war bis in die Abenddämmerung. Oft lM chn sein Rheumatismus, und dann läg er am Strand und rauchte.

Manchmal brachte er seine Kinder zum Baden an den Strand. waren Knaben. Sie krabbelten pudelnackt am Wasserrand herum, « Salvatore, der auf einem Felsen stand, tauchte sie ins Wasser. Der A-s duldete es mit Gleichmut, aber der Kleine kreischte hell auf. SatMü hatte rissige Hände, rauh und hart vom ständigen Arbeiten; aber er seine Kinder badete, sie zärtlich hielt, sie mit vorsichtiger Gor# abtrocknete, so waren sie wirklich wie Blumen. Er konnte das Kieme auf seine Handfläche setzen und hielt es hoch, lachte babeiü menig über seine Winzigkeit, und sein Lachen war wie das Lachen al Engels. Seine Augen waren dann so lauter wie die eines Knaben

Ich sagte anfangs, ich sei neugierig, ob ich es zustande bringe. * legt muß ich euch sagen, was ich überhaupt zustande zu bringen oef'' habe. Ich wollte sehen, ob ich es fertig brächte, eure Aufmerksamkeit paar Testen hindurch zu fesseln, wenn ich euch das Bild eines W\ zeichnete, nur eben eines gewöhnlichen italienischen Fischers, der nr auf ber Welt besaß, außer einer Eigenschaft, welche die seltenste, 1 uchsK, liebenswerteste ist, die man haben kann Nur der Himmel W warum er sie auf so seltsame und unerwartete Weise besessen hat.' weiß nur, daß sie aus ihm leuchtete mit einem Glanz, der ®arl. mast so unbewußt und bescheiden gewesen wohl kaum für einen fad)en Menschen tragbar gewesen wäre. Und wenn ihr nicht erry haben solltet, was die Eigenschaft war, will ich es euch sagen: ® nichts als Güte.

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühlsche Univerfitätsdruckerei R.Lange, Gießen.

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