Ausgabe 
3.5.1935
 
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gebracht.

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl',che UniveriULlS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Dieben-

Dies alles hatte sich so unvermittelt begeben, daß Melzel an seinen - t »rft denken konnte als die Flügeltür hmter dem Herzog von

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mnter entgegen, als dieser durch die verborgene Oeffnung ans Tageslicht krocb Der Pater straffte sich. Seine Glieder schmerzten ihn. Dieser fran- älttche Kaiser h° - hn ange in seinem engen Loch gefangen gehalten Wie es war? Ich erwidere mit der Gegenfrage: Em Schachspieler fall Napoleon sein? Ein Schlachtenlenker soll Napoleom sem? Mein verehrter Hosrat, der Eroberer hat die Nerven verloren. Mit Bonaparte sieht es bedenklich aus."

minnbet durch tausend Klänge und Farben eine unendliche Fülle per- trhtohonor Crmcfinbunaen der Schwermut und Trauer und unergründ­bare Gedanken'über den Tod erweckt. Dennoch bringen seltsamerweise auch in bie iubelnbe Begrüßung bes Frühlings immer «leb« wehmütige Klänge, bie uns verraten, daß Lachen und Tranen Ge

bah Liebe immer Kummer unb Schmerz tm Gefolge hat. Unter den Lenzgebichten bes Minnesangs finben wir barum auch viele traurige Sieber bie ben Frühling anklagen, daß er unerhörte Liebe s^Erzlicher empfinden läßt und gerade durch feinen schimmernden Einzug mit Blumen- und Vogelliedern im Herzen der Betrübten tiefere Trauer Ad schmerz­lichere Wehmut weckt. Der kaiserliche Minnesänger Heinrich hat diese Tragik des Liebenden in einem feiner Lieder ergreifend zum Ausdruck

Freundschaft.

Von Eduard Mörike.

Durchs Fenster schien der helle Mond herein. Du saßest am Klavier im Dämmerschein, Versankst im Traumgewühl der Melodien, Ich folgte dir an schwarzen Gründen hin. Wo der Gesang versteckter Quellen klang. Gleich Kinderstimmen, bie ber Winb verschlang.

Doch plötzlich war bein Spiel wie umgewanbt, Nur blauer Himmel schien noch ausgespannt. Ein jeber Ton ein lang gehalt'nes Schweigen. Da fing bas Firmament sich an zu neigen, Unb jäh baran herab ber Sterne selig Heer Glitt rieselnb in ein golbig Nebelmeer, Bis Tropf um Tropfen hell barin zerging, Die alte Nacht ben oben Raum umfing.

Unb als bu neu ein fröhlich Leben wecktest. Die Finsternis mit jungem Lichte schrecktest. War ich schon weit hinweg mit Sinn unb Ohr, Zuletzt warst du es selbst, in den ich mich verlor; Mein Herz durchzückt mit eins ein Freudenstrahl: Dein ganzer Wert erschien mir auf einmal. So wunderbar empfang ich es, so neu, Daß noch bestehe Freundeslieb und Treu! Daß uns so sich'rer Gegenwart Genuß Zusammenhält in Lebensüberfluß!

Ich sah dein hingesenktes Angesicht

Im Schatten halb und halb im klaren Licht; Du ahntest nicht, wie mir der Busen schwoll, Wie mir das Auge brennend Überquoll.

Du endigtest; ich schwieg. Ach! Warum ist doch eben Dem höchsten Glück kein Laut des Danks gegeben? Da tritt dein Töchterlein mit Licht herein, Ein ländlich Mahl versammelt groß unb klein. Vom nahen Kirchturm schallt bas Nachtgeläut, Berklingenb so bes Tages Lieblichkeit.

Auch in der Cambridger Sammlung lateinischer Gedichte um bie Jahr- taufenbroenbe finben sich solche Zeugnisse bes Gegensatzes zwischen der Schönheit ber wiebererwachten Natur unb der Trauer des Menschen­herzens dessen Sehnsucht keine Ersüllung finden kann. Das Blühen in Flur und Wald, Westwind und Sonne werben gepriesen unb ber würzige Duft ber Ackerkrume, ber über bem Felb tn blauer Luft steht, aber a l bies verdoppelt nur den Schmerz der einsamen Frau, bie mit Wehmu das Hochzeitslieb ber Vögel vernimmt. Ihre Klage lautet in ber ® t n terfeld scheu Uebersetzung:

Ich Aermste sitz' in Einsamkeit Versonnen ba mit meinem Leib, Unb hebe ich bas Haupt empor. Ist blinb mein Auge, taub bas Ohr. Erhöret ihr bas Flehen mein, Herr Mai, in ©naben seht barein; Die ganze Welt in Blüten steht, » Indes mein darbend Herz vergeht.'

Zuweilen kommt dieses Verschlossensein gegen die Fröhlichkeit des Frühlings unb seine Bolen aus einer religiösen ©rui^ftimmung, die sich ber Verlockung ber Natur widersetzt. So spricht eine N°nne:Was küm­mert mich bie Nachtigall, Christi Dienerin bin ich Auch spater in ber Barocklyrik wirb häufig ein Verlangen nach himmlischer Settgte, gerabe Inmitten ber irbischen Friihlingsfreube zum Ausbruck gebracht. Um ben Gegensatz zwischen bemParadies ber Erbenlust und den uIruhlings- freiiden "ber Seele" zu überbrücken, werden eingeistlicher Maien der Seele durch ein Abwenden von der Zauberpracht der Jahreszeit und eine verstärkte Versenkung in Gebet und Andacht vorbereitet. Im Zeitalter der Empfindsamkeit schwelgen die Dichter geradezu in diesem Zwiespalt freu­diger und trauriger Empfindungen, und dort kann man bie Anfänge einer bichterischen Gestaltung jener Frühlingsschwermut finben, für bie ber moberne Mensch eine Fülle von Erklärungen zu geben weiß. Die körperliche unb seelischeUmstimmung" bes Menschen auf den elemen­taren Anfang des neubeginnenben Naturjahres bringt nicht nur über empfinbfame Menschen in einer wiberspruchsvolle Verfassung, auch ber Gesunbe spürt einen ©anbei in sich, ber ihn vorübergehenb gerabe im Ueberschwang ber Friihlingsfreube ganz unvermittelt in eine Unsicherheit, Leere unb schmerzliche Schwermut versetzen kann. Es ist begreiflich, dotz die Grunbstimmung jenesZeitalters ber Empfinbsamkeit gerabe Diese Gefühle bichterisch verklärte unb geneigt war, ben Einzug bes Lenzes mit melancholischen Klagen zu begleiten. Vor allem d-r früh verstorbene H ö 11 y ist hier zu nennen, an dessen Grab der ihm tn dieser Melancholie verwandelte Nikolaus Lenau klagend ausrief:Hdlty, dem Freunds der Frühling ist gekommen! Klagend irrt er im Haine, dich zu finden. Es ist ein Schwelgen in unerlösten Empfindungen, ein Bedürfnis, tn jebem glücklichen Augenblick Tränen zu vergießen unb auch in ber Siebe immer Wehmut unb Trauer zu empfinden. Die Siebenden wandeln verzückt in erdichteten Hainen,allein geehrt von der Freunde Tranen, bis Elysiums stille Hütten uns umsahen." ...,.

Aber erst die mystische Versenkung der Romantik gibt dieser Fruhlmgs- wehmut einen tieferen Sinn und deutet sie als das tiefe Geheimnis Der beseelten Natur. Es ist das All, das sich erneut unb, um Gestalt zu ge­winnen, sich in Natur unb Mensch herabsenkt.Der lockere Staub wird zum Gesträuch, ber Baum nimmt tierische Gebärben, bas Tier soll gar zum Menschen werben", sagt Novalis über bas Frithlingsgeschehen. Dies geheimnisvolle Werben ber Natur wirb nicht Anlaß zum Jubel, fonbern es wirb als ein schmerzlicher Wanbei mitempfunben. Justums Kerner gibt biefer Ausfassung ben kürzesten Ausbruck, wenn er sesi- ftelft-Schmerz ist ber Grunblon ber Natur!" Nicht baß es an freubtgen hellen Frühlmgsliebern fehlte! Schon bie Wiebererweckung bes Dolks- (iebes gibt einen Reichtum unbefangener froher Klänge. Aber so wie bort plötzlich einReif in bie Frühlingsnacht" fällt unb mitten im frohen be­schwingten Sang ein ernster bunkler Sautenschlag erklingt, so überwältigt auch bie Dichter jubelnber Frllhlingslieber plötzlich ein unerklärliches Weh. Eichenborff kann sich in ber Frühlingsmonbnacht grunblo|er Tränen nicht erwehren, unb 8 e n a u maltbes halben Frühlings Tobe»- ftUn$om Volkslieb her erschließt sich uns am tiefsten bas Verstehen für dieses geheimnisvolle Nebeneinanber von Friihlingsfreube unb Fruhlmgs- wchmut. 3m einfachsten Klang ist biefe fröhliche unb traurige Empfindung enthalten, unb wenn einmal mehr bie Freube unb einmal mehr 01 Wehmut empfunben wirb, fo bleiben boch beibe zugleich im Keim Der Dichtung enthalten. Es ist bas rounberbare Mysterium berblauen Blume", bie sich nicht nur ben Romantikern offenbarte, fonbern bie immer roieber erblüht; in ihrem Kelch erglänzt der Tautropfen einer Trane.

Ich klage Dir, Maien, ich klage Dir, Sommerwonne, Ich klage Dir, lichte Heide breit, Ich klage Dir, Augen brechender Klee

Ich klage Dir, grüner Wald, ich klage Dir, Sonne, Ich klage Dir, Venus, sehnendes Seid, Daß mir die Siebe tut so weh!"

Frühling in der deutschen Dichtung.

Von Dr. Paul Junghans.

Zergangen ist der winder chatt ber mich so [ere mitte, Gelobet stat ber grüne walt, bes froet sich min gemüte.

Niemanb kann nu werben alt, vröbe Han ich manichvatt von eines wibes güte.

Dies alte beutsche Frühlingsoebicht braucht nicht erst in unsere Sprache übertragen zu werben, damit wir es verstehen können. 3ebes (einer Worte unb ber einfache Klang seiner Reime oertünben bie Fruh- lingsbotschaft vom Neuwerden der Natur und vom neuen Auftun der Herzen. Die Traurigkeit, die der Winter mit seinen Unbilden immer tiefer ins Gemüt senkte, ist verflogen, unb bamit auch alle Gebauten von Mube- sein unb Altern. Die Einbezogenheit bes Menschen in ben Wechsel der Jahreszeiten wirb bort schon beutlich empfunben, unb wie in Alku i n s tateiniiehen Texten unb in einem Gebicht über bie Nachtigall aus bem 10. Iahrhunbert wirb freubig begrüßt, baßein blütenreiches Keimen aus bunter Erbe bringt" unb daßsich im Walb alle Zweige belauben unb burch bie blumigen Wiesen süßer Dust strömt." Es smb bie immer gleichen Attribute bes Frühlings, bie hier beounbernb genannt werden, als seien sie zum ersten Mal vom Zauberstab ber Sonne aus der Erde gelockt worben. Unb bennoch vollzieht sich biefe Auferstehung allfahrlick in ber Natur unb in ber Seele bes Menschen, wie Fausts Verse aus bem Osterspaziergang oertünben:

Doch jebem ist es eingeboren,

Daß sein Gefühl hinaus unb vorwärts brängt, Wenn hoch im blauen Raum verloren» Ihr schmetternb Sieb bie Serche singt."

Durch ben unermeßlichen Reichtum ber beutschen Dichtung mit ihren mannigfaltigen Gehalten unb Formen tlingt immer roieber biefe Fruh- lingsmelobie. Es ist ein einfaches beschwingtes Sieb, bas nicht so abgestuft unb vielfach variiert ist wie bie Reihe jener Verse, bie sich auf Winter unb Sommer ober gar ben Herbst beziehen, ber in feinem geheimnisvollen