Ausgabe 
13.3.1931
 
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Unter Tropenblitzen.

Von Friedrich Schnack.

Tagsüber war es ungeheuer heiß gewesen, in der Glut rosteten die Berge, und dem fruchtbaren Boden der immergrünen Jnsellandschast ent- schwelten Dämpfe, als läge die ganze Gegend in Fieber. Erstaunlich eigentlich, daß der anscheinend klapperdürre Bambus imDschungel nicht r. < . hin GVttao fniftprtp unh fttGcftc

unter dem Brodern der Tropensonne. Aber diese hohen Knotenrohre waren mit Wasser vollgespeichert. (Legte man an sie Feuer, wurden die «taugen von den Explosionen des kochenden Wassers knallend zerrissen: das klang wie Gewehrfeuer.) Nachinittags kam ein Gewitter, das sich über den Bergurwäldern zusammengebraut hatte. Wie schwarze sacke rutschten die Wolken über die waldigen Höhen, wo morgens und abends die Lemure greinten. Fürchterliche Regengüsse platzten aus den Wo kenbauchen Man fah wie plötzlich die langen, grauen Wasservorhange voll Wucht herunter­stürzten und auf das Tal des hier offen strömenden Urwaldflusses zurasten.

erl°sch°n

setzt der neuen, grundsätzlich anderen Auffassung von Raum und Körper. Man berief sich um 1800 auf die Antike, jedoch ohne das Schema ische, archäologisch Genaue, man nahm ohne sich dessen bewußt zu sein das Impulsive des Barock mit in den neuen Stil hinüber

Die Jahre 1805 bis 1815 bringen Schinkels malerische Werke. Die Ungunst der Zeiten, in denen es an großen architektonischen Aufträgen fehlte, zwingen ihn dazu, den Pinsel zu führen. Es enstehen da m erster Reihe die Panoramen, besonders genannt das von Palermo, fast alles ist leider verschollen, nur weniges auf uns gekommen. Biel Anklang fan­den diese Schinkelschen Veduten beim Publikum, eindrucksvolles Dokument dafür ein Brief des Zeitgenossen Achim von Arnim aus dem 3<lfUnb8bann die Gemälde, die viel Empsindung, viel Geschmack ver­raten. Im Jahre 1803 in Italien hatte der Meister auf italienischem Boden die heroischen Landschaften von Josef Anton Koch kennengelernt. Die Anregungen Kochs sprechen aus Schinkels Landschaften, einer am Bergrand' aussteigenden antiken Stadt mit einem Tempel und einem Opferfest im Vordergrund, reich an malerischen Motiven und Reizen, ein I wenig hart in der Farbe und in der Komposition an das Schema Kochs gemahnend Ein großes Interesse an architektonischen Details jpricht aus dieser Arbeit, die Klarheit und Bestimmtheit verraten.

Die Schinkelschen Landschaften aber bringen noch mehr: s>e sind Sym­bole der momentanen, gesühlsgesättigten Stimmung chres Schöpfers. Caspar David F r i e d r i ch s Kunst blickt hinüber, [euie Shmmung5b.lber höchster Vollendung. Der Gegensatz zwischen Romantik und Klassik, der der Zeit geläufig war, macht sich bei Schinkel geltend: er gibt zum Bei­spiel eine klassische Natur mit Figuren in altdeutscher Tracht. Und er setzt I unter einer deutschen Trauerweide einen römisch-deutschen Kaiser! Selten nur hat er Landschaften ohne Architektur geschaffen: '.Reine Landschaften lassen Sehnsucht und Unbefriedigung in der Seele ;^,,Der Ueberbl.ck eines I Landes, in welchem noch kein menschliches Wesen ouß gefaßt hat kann I Großartiges und Schönes haben, der Beschauer wird aber unbestimmt, I unruhig und traurig, weil der Mensch das am liebsten erfahren will, wie I sich seinesgleichen der Natur bemächtigt, darinnen gelebt und ihre «chon- I heit genossen haben." *

I ^allen Sei^schw°ll Wasftr,die Blitze zerstachen den schwarzen Him­mel und Übersäbelten flach die Bergkämme. Weiße geuersalven. Ei ern

I polterte der Donner. So eine halbe Stunde rang und brüllte die tropische I Natur dann war es vorbei, aber die schöne Landschaft lag zerrissen da, I zerzaust und zerrupft. Die Eingeborenen tauchten auf und halsen ihren I ^"Gut^daß^es^auM^e^Abends war ich ja zu einer Geburtstagsfeier I eingeladen, im Tal des Sahandas-Flusfes, der von ä(ernrUr®°bernemb= I stürzte Zu einem Kolonialenglandcr, der von der Briefmarkeninsel .Naur> ' tiu/ stammte, und seiner heut zwanzigjährigen hübschen Frau Marlern einer Kolonialweihen aus der madagassischen Hafenstadt Tamatave. Er 'war Angestellter eines Bergwerksunternehmens. Beide liebenswiirdig, gastfreundlich, aber von einer fast unvorstellbaren, sagenhaften Weltferne.

I nock nie waren sie in Europa gewesen. Italien, Frankreich, England, I Deutschland waren ihnen nur Bücher- und Z^ungsbegrisfe und wie . I nebelhaft mochten die Länder Dänemark, «chweden, Norwegen, Numano > für sie sein! Niemals hatten sie eine Stadt mit mehr als i^bzigtausend t Einwohnern betreten, ihre Jnselstädte waren alle klemer Der 51nb t

1 er elektrischen Straßenbahn war ihnen ebenso unbe annt wie ifjrten ffodi- und Untergrundbahnen. Sie kannten kaum eine Eisenbahn. Die Mauritius und Madagaskar waren eingleisige Bummelzuge für nolz-

Von Dr. Olga Bloch. I

Man hat sich daran gewöhnt, anzunehmen, daß Schinkels Wirk- | lufeit einzig und allein auf die Reichshauptstadt beschrankt gewesen sei, 1 1« er in erster Reihe dem Berlin der ersten Halste des 19. Jahrhunderts I »c* charakteristische Gepräge gegeben habe Doch dem ist nicht: fo..Weit I Berlins Grenzen hinaus, über ganz Preußen, bis an den Rhein, I udh Schlesien, Pommern, nach Ostpreußen und bis nach Posen hin reichte künkels architektonisches Wirken. Und die meisten Menschen kennen uber- h<»pt nur, wenn sie den Namen des größten deutschen Baumeister-, des Wimzismus hören, Schinkels architektonische Schöpfungen. Nur wenige Linen daß er auch ein bedeutender Maler gewesen ist, daß er auch das ji listaewerbe seiner Zeit befruchtend beeinflußt hat, indem er zahlreiche tz twiirse für deutsche Möbel geschaffen und Modelle für das Berliner j

ii den Zeiten der deutschen Renaissance Elias Holl für Augsburg « liefen war, das bedeutete Schinkel im 19. Jahrhundert der deutschen S ichshauptstadt im Norden. Des Meisters Biograph August Grieb ach «gleicht fein eindrucksvolles Wirken nur noch mit der architektonischen Ttigkeit von Schinkels Zeitgenossen Weinbrenner für die badische ^ SchinkeVift^n^der Mark Brandenburg, in Neuruppin, geboren wo (im Vater Superintendent, alle seine Vorjahren Pastoren gewesen sind. Z, seinen bleibenden Jugenderinnerungen soll eme umfangreicheBrand- Wastrophe gehört haben, die seiner Eltern Besitztum nicht verschonte und dr einzig und allein die bekannte Kirche der Heimatstadt, die Donum- kmerkirche zu Neuruppin, überdauerte. Man weiß, daß spater der Soljn dsser Heimatstadt, Schinkel, die Wiederherstellungsarbeiten, m> Laufe der 5nhre notwendig geworden, an dieser schönen gotischen Kirche leitete.

Mst 13 Jahren kam der junge Schinkel nach Berlin. Die Schule, die e besuchte, war das historisch interessante Gymnasium zum Grauen s oster Man kann sich vorstellen, daß die architektonisch anregende Um- al'unq für den jungen Menschen unb späteren Baumemer uveraus e i)af) der an|ct)emeno tiapperuiure u»**?*

fzselnb gewesen ist: Die klösterlichen Schulräume, die als Klassenzimmer Mtl ch ß Dstkichten ballte sich bie Hitze. Es knisterte und knackte d«nten, und insbesondere die alte Kirche mag anregend gewirkt haberg | O ,hör Tmnpnfnnnp 9fhpr diese hoben Knotenrohre waren nd man aeht nicht fehl, auf manchem späteren Gemälde Schinkels dieft ftühen Jugendeindrücke verwertet zu sehen. Damals hatte die Kirche noch i re ursprüngliche Fassade, die in dieser ihrer gotischen Urwüchsigkeit die siftantasie Schinkels besonders beeindruckt hat. Aber nicht nur dem Alten mit das Interesse des jungen Menschen, auch das Neue erregte feine

| Bewunderung und seinen Beifall. Auf einer AusstellungvonEntwurfen ,, einem Denkmal Friedrichs des Großen, die in der Residenzstadt eröffnet i urde sah Schinkel den Tempelbau, den kein Geringerer als der gemale i vchUcft i^riedrich Gilln aus dem Leipziger Plat^ t.rri ) c erioicnen aue ntinuen yutucn. vic«-u <?--

t eilte. Der Eindruck, den gerade dieser architektomsche Entwurf au, ^ .^^^^ebelten: die wildschlagenden smaragdenen Blatterbuschel k.chinkel machte, war so groß, daß er beschloß, sehr bald in das Atelier I ^aiuuii-------- -----' -- -«»* bleu

L David Gilly, dem Vater Friedrich Gillys, zu «ehen * ginHu&

Man weiß ja genugsam, wie groß und wie bedeutsam der E nftutz Mlys für die Berliner Bauschule gewesen ist. Der finge.Schintel ve« l imnttc diesem zeitgenössischen Meister sehr viel. Aber auch Gilly muß I i,.:nen Schüler geschützt und für begabt gehalten haben, denn er ubertrug I inm im Jahre 1800 vor der Abreise nach Karlsbad die Weiterfuhrung der I Amials begonnenen Arbeiten. Senkel entschloß sich bevor eran.di- | arnften Aufgaben heranging, zu seiner ersten Jtalienfahrt. Aus den erbat I en en Tagebücherii und Briefen des Dreiundzwanzigiahrigen kennen wir I stclfache Landschaftsschilderungen, sie sind so eindrucksvoll, daß selbst der I Dichter der Mark Brandenburg, Theodor psontane, in den1 and | ntnncn durch die Mark" einen Bries seines Landsmannes Schinkel auf- enommen und veröffentlicht hat. Die Bauten Italien-5 San Marco und I Salute in Venedig die Kirche Santa Maria delle Grazie zu Aianano, | ^rachen ebenso zu dem von Norden Kommenden w,e bie griechischen und I ömischen Bauten des Landes. ... .. « (r.

Man erkennt aus diesem Intereste Schinkels fur die Wer e aller Jahr | Milderte, daß ihm in diesen Zeiten die Antike keineswegs alleiniger Maß- itab für die moderneArchitektur gewesen ist- D Got.k wm hm durch

1, men mit ihren Freunden, den Terroristen Scheljaboff.Kibalftchitsch m» Michailoff, am 3. April 1881 auf dem Simeonsplatz tn Peterburg Öf ntlich gehängt. _______________

Karl Friedrich Schinkel.

Zum 150. Geburtslage des großen Archileklen.

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der Bananenstauden fuchtelten noch einmal wie verzweifelt aus der blei­grauen Sturmwoge, bann waren sie weg: bis, Brotfruchtbäume orgelten zornig. Der Sturm, von fast zyklonischer Scharfe, wie, auf Madagaskar häufig und oft grauenhaft verheerenb, lag ganzschräg und' trieb den Reaen wie eine zischende Säge von Wasser vor sich her. Die schnitt gu. durch die Nelkenplantagen und die Eingeborenenhütten-, em ganzes Dorf nahe bei mir klappte plötzlich zusammen, die Palmblattdacher duckten sich platt w e furchtsame Vögel mit ausgerenkten Flügeln auf die Erde - man hörte ein paar Weiber- und Kinderschreie im Windgebrull aber d, Rufe wurden sogleich zersetzt. Ein nieberberftenbes Tronimeln karbatschte das Dach, der Regen hatte den Bungalow erreicht und stob Mit solcher Heftigkeit an, daß er die dichten Bambuswande unb bie Ritzen Zwischen h | ben 'Bretterverschalungen durchsprühte, das halbe Zimmer uberschwem- i mend Schnell die Bücher und das kostbare Schreibpapier auf die Seit, ' * in den Koffer' lieber ein paar Briese aus Deutschland kam er blitzschnell, und da sahen sie aus, als vergössen die Handschriften verschwinnnende Tränen. Draußen auf der Veranda wirbelten Gläser, Flafchen, Schach­teln Stöcke und meine Netze zum Schmetterlingsfang durcheinanber. Fahrt wohl! Der Bananenhain am Abhang zum Nuß wurde medci Iltab für bie moberne Architektur gemejen im JT?, I aebroeben alles vernichtet. Der Fluß rauschte, bie Lüfte dröhnten

»en Lehrer Gilly, dessen Ausnahmen der Marienburg Schinkel gelegen I brühen auf dem andern Ufer brachen alle Bananenstauden nieder, batte nabe gekommen. Auf der Rückreise nach der Heimat konnte er aus Auch bruben.nuf bem. a Ts; SUIibo hen Mnuanen H.m-

nllernächster'Nähe den Prager Veitsdom und d'- Wiener Stephanskirche o

I »erounbern, kostbare Zeugen ber von ihm verehrten goiychen Bailkunst. | mei In Sizilien hatte der Meister - man muß immer und immer w eder

I nuf die allseitige architektonische Bildung zurückkonunen mit Ehrfurcht i lUb Staunen die Uebcrrefte der normannischen Kustnr angefehen, hier erkannte er noch nicht - eine treffende Bemerkung Grisebachs, des B>o-

I fgraphen wie stark seine Epoche dem vorangegangenen Barock ver- ^Vach ^er' Rückkehr in die Heimat entstanden sodann Schinkels große Meisterwerke bie man im Auge hat, wenn man an fein Schäften denkt I tu

! 5,1, 1«1U' Wacke 1818 kam ber Auftrag zum Bau bcs Berliner I et....

I S2.mUnielhmüesb 18^ das Alte Museum, 1824 der Bau der Werderschen I war I Se PDaneben zahlreiche Privataufträge, Schlösser unb Herrenhäuser | gast!

®n£ Markund außerhalb ihrer Grenzen. 1820 fand der Besuch Schm- | IP < < n f h p ffntf hpr die UntcrbciltunQ mit bein ^ßduineiftevunter

schönsten de^ rechnet der die EMwürse zum Bai. des Bert ner

'Schauschelhausts vorgelegt erhAt und aus tiefstem Herzen We^llnb