Ausgabe 
29.7.1929
 
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Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Drühl'sche Llniverf itätS-Duch- und Steindruckerei. A. Lange, Gießen.

ffi, daß der Spender vollkommen gesund ist, damit nicht womöglich mit feinem Blute Krankheitskeime in den Körper des Empfängers dringen.

Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist es nicht immer möglich, beim Eintreten plötzlicher lebensbedrohender Blutverluste, in der unbedingt gebotenen Eile einen geeigneten Blutspender herbeizuschaffen. Selbst dann nicht, wenn die Blutlieferanten, die dank der schnellen Regeneration des Bluts im gesunden Körper in verhältnismäßig kurzen Abständen ihrer menschenfreundlichen Tätigkeit obliegen können, in einer straffen Organi­sation zusammengefaßt sind, was namentlich im Ausland schon vielfach oet Fau ist.

Aus diesen und vielen anderen Gründen ist es stets Bemühen der experimentellen Medizin gewesen, einen künstlichen, jederzeit herstellbaren und immer vorrätigen Blutersatz zu schaffen.

Die Grenzen des Erfolgs solcher Bemühungen sind im voraus gezogen. Blut enthält als wichtigsten Bestandteil die Blutkörperchen, das sind lebende funktionstüchtige Zellorganismen. Die Erschaffung, solcher aus unbelebter Materie ist bisher noch nie gelungen. Der Weg bis zu diesem Ziele ist weiter, als der von dort bis zum Homunkulus wäre.

Den im Laboratorium hergestellten Ersatzmitteln, physiologischen Salzlösungen, künstlichen Seren oder wie sie sonst heißen mögen, fehlen die lebenden Zellelemente und damit deren lebenswichtige Leistungs- Möglichkeiten.

Trotzdem ist ihr großer Wert nicht in Abrede zu stellen. Solche Lösungen sind, sofern sie in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrem physi­kalischen Verhalten der Blutflüssigkeit gut entsprechen, wohl imstande, bei Blutverlusten nicht zu hohen Grades lebensrettend zu wirken. Ihr Hauptwerk besteht darin, daß sie bei Einführung in die Venen die durch de« Blutverlust verursachte mangelnde Flüssigkeitsfüllung des Gefäßsystems Mit deren verderblichen Einfluß auf Blutdruck und Herzarbeit ausgleichen. Ist diese momentane Gefahr gebannt, so ist dem Organismus damit eine Frist gegeben, durch eigene Aufbautätigkeit das in seinen Adern kreisende veroünnte und zellarme Blut durch neugebildetes vollwertiges zu ersetzen. Ob ihm dies gelingt, hängt von der Höhe des Blutverlustes und dem All­gemeinzustand der Organe ab.

Vor kurzem wurde nun der naturwissenschaftlichen Abteilung der Pariser Akademie der Wissenschaften durch den bekannten Physio­logen Richet ein von Dr. La Normet gefundenes Verfahren des Blut­ersatzes vorgelegt, das allen bisher bekannten gegenüber nicht unbeträchtliche Vorzüge zu besitzen scheint.

Auch bei diesem Mittel ist die Grundlage eine v,7Sprozentige Kochsalz­lösung. Dieser setzt Normet aber bestimmte Mengen einer zweiten Lösung zu, die genau bemessene Mengen der Metalle Natrium, Kalzium, Magnesium, Eisen, und sehr geringe Mengen Mangan in Form ihrer zitronensauren Salze enthält. Die theoretische Begründung, die Dr. Normet für die erhöhte Wirksamkeit seiner Lösung gibt, wird fraglos in Fachkreisen auf Widerstand stoßen. Die Tatsache, daß sie eine solche besitzt, scheint jedoch einwandfrei bewiesen.

Alle bisher zum Blutersatz verwendeten Mittel versagten im Tier­versuch in 70 von 100 Fällen, wenn der Blutverlust des Hundes 50 ccm pro Kilo Körpergewicht erreichte. Da die Gesamtmenge Blut beim Hunde etwa ein Zwölftel seines Körpergewichts ausmacht, entspricht dies einem Verlust von 60 %. Wurde in diesen Fällen, ja selbst in solchen, in denen die Entblutung noch wesentlich weiter getrieben wurde, selbst bis zu dem enormen Blutverlust von fast 80%, die zitrathaltige Lösung verwendet, jo trat stets eine mindestens vorübergehende vollkommene Er­holung ein. Die ganz geringe Anzahl von Versagern war auf unglückliche Rebenumstände zurückzuführen. In allen anderen Fällen trat bei den Tieren, die sich gegen Ende der Entblutung im Zustande des Todeskampfes befanden, auf Einverleibung der Normetschen Lösung in unglaublich kurzer Zeit so weitgehende Wiederherstellung em, daß die Tiere sich erhoben Nahrung nahmen und wenigstens eine Zeit lang den Eindruck normaler Tiere nicht solcher in deren Adern zum größten Teil Wasser kreiste machten.

Die Flüssigkeitsmengen mit denen die besten Erfolge erzielt wurden betrugen zwei Drittel bis vier Fünftel der verlorenen Blutmenge.

Die bei Menschen erzielten Erfolge sollen ebenfalls vielversprechend sei«. Das Normetsche Mittel scheint die Suche nach einem hochwertigen künstlichen Blutersatz einen wesentlichen Schritt vorwärts gebracht zu haben. Es dürste geeignet sein die momentane Gefahr großer Blutverluste wefent- kich einzuschränken und dadurch dem Betroffenen die Möglichkeit zu geben die unvermeidliche Wartezeit bis zur Herbeischaffung eines geeigneten Blutspenders zu überstehen.

ist das Beryll nicht nur äußerst hart unb" von kristallinischem Gefüge, sondern es hat auch den sehr hohen Schmelzpunkt von 1285 Grad, wäh­rend das Aluminium schon bei 658 Grad schmilzt. Diese hohe Schmelz­temperatur verursachte bei seiner Darstellung ungeheure Schwierigkeiten, weil die meisten Falze, die sich zur Gewinnung von Beryllium durch Elektrolyse entsprechend der Darstellung des Aluminiums eignen würden,. bei der Abscheidungstemperatur des Berylliums bereits ver­flüchtigt sind. Die zweite große Schwierigkeit war die Abscheidung des Sauerstoffs und die dritte die Beschaffung geeigneter Baustoffe für die Gefäße zur Elektrolyse und für die Elektroden. Erst Stock und Gold­schmidt gelang es, Beryllium in Form sog. Reguli, das heißt in Gestalt kleiner Kegel, wie man sie auf der Kegelbahn hat, zu erzeugen. Auf Grund dieses Verfahrens bildete zunächst eine Studiengesellschaft unter der Führung von Siemens & Halske die Darstellungsweise des Berylliums weiter durch und ergründete seine Eigenschaften zunächst rein wissenschaftlich. Nunmehr hat sich die genannte Firma entschlossen, im Einverständnis mit den Erfindern Beryllium technisch in größerem Maßstabe zu erzeugen, und zwar soll zunächst eine Tonne jährlich her­gestellt werden. Die Hälfte davon wird die Firma Siemens & Halske selbst verwenden, die andere Hälfte stellt sie der Allgemeinheit zur Ver­fügung. Während der Preis für 1 Gramm Beryllium zuerst 200 Mark betrug, also 200 000 Mark für 1 Kilogramm, wird künftig das Gramm 1 Mark, also das Kilogramm 1000 Mark kosten.

Dieser Preis von 1000 Mark für 1 Kilogramm Beryllium schließt natürlich die Verwendung reinen Berylliums mit wenigen Ausnahmen so gut wie gänzlich aus. Aber man muß sagen, das schadet eigentlich fast gar nichts: denn Beryllium ist ein so spröder Stoff, daß es sich außerordentlich schwer verarbeiten und vor allen Dingen nicht ziehen läßt, falls es nicht durchaus chemisch rein ist, so daß man also keine Töpfe und andere Formstücke daraus herstellen kann. Es hat sich aber gezeigt, daß schon ganz geringe Zusätze von Beryllium/insbesondere zu Küpser und Nickel, die Eigenschaften dieser Stoffe außerordentlich ver­bessern. Man erhält auf diese Weise Bronzen mit einem Gehalt von 2 bis 3 v. H. Beryllium, die zunächst weich sind, sich also sehr leicht bearbeiten lassen, und kann die Werkstücke dann durch Abschrecken und Anlassen vergüten und sie so in einen federharten Stoff verwandeln. Noch geringere Zusätze, in der Größenordnung von etwa 0,02 bis 0,04 v. H. Beryllium zu Kupfer, verbessern den Kupferguß durch Entziehung des Sauerstoffs ganz außerordentlich und erhöhen insbesondere seine elek­trische Leitfähigkeit sowie seine Bruchfestigkeit, diese auf mehr als das Doppelte.

Die Berylliumlegierungen zeigen nämlich neben ihrer großen Härte, die der des besten Stahles gleichkommt, eine ganz besonders bemerkens­werte Eigenschaft: Sie altern nicht und zeigen keine Ermüdungserschei­nungen. So hat man z.B. Wendelfedern aus Stahl im Vergleich zu Berylliumbronzefedern gleicher Abmessungen Schwingungen ausgesetzt, um die Ermüdung festzustellen. Die Stahlfedern brachen nach zwei Mil­lionen Schwingungen, während die Berylliumfedern bis jetzt drei Mil­lionen Schwingungen ausgehalten haben, ohne irgendeine Veränderung zu zeigen. Die Reichsbahn hat bet elektrischen Lokomotiven die Federn an Bürstenhaltern, die bisher immer nach drei Wochen durch neue ersetzt werden mußten, durch solche aus Berylliumbronze ersetzt, die bis jetzt sechs Monate im Betrieb und trotzdem noch wie neu sind. Aus demselben Grunde werden Beryllebronzefedern bereits an den Wählern in den Selbstanschlußämtern verwendet. Man denkt auch daran, die Federn an den Fahrgestellen von Flugzeugen aus Berylliumbronze herzustellen. Auch Brillenfassungen aus vergoldeter Berylliumbronze zeigen eine er­höhte Haltbarkeit. Haarnadeln für Bubiköpfe will man aber nicht aus Berylliumbronze Herstellen, trotzdem dies eine hübsche junge Dame in einer Zuschrift an die Firma Siemens & Halske gewünscht hat. Aus reinem Beryllium macht man Fenster in neuartigen Röntgenröhren, da diese Fenster für die Röntgenstrahlen die zehnfache Durchlässigkeit haben wie die bisherigen Aluminiumfenster.

Die nächsten Arbeiten gelten den Eisen-Beryllium-Legierungen, und es sind auch auf diesem Gebiete allerlei Ueberraschungen zu erwarten. Vor allen Dingen wird man dahin kommen, daß man die Bearbeitbarkeit der nichtrostenden Stahle erheblich verbessert, indem man die Werkstücke aus weichen Legierungen herstellt und sie dann durch Vergütung härtet. Näheres läßt sich aber darüber zur Zeit noch nicht sagen.

Von der Leichtigkeit des Berylliums wird man vorläufig keinen Nutzen haben. Legierungen geringer Mengen mit Aluminium sind nicht besser, aber wesentlich teuerer als Duralumin und ähnliche Erzeugnisse. Mit Magnesium kann man Beryllium aber nicht legieren, weil das Ma­gnesium schon unterhalb des Schmelzpunktes des Berylliums verdampft.

Auch in Amerika hat man Versuche zur Darstellung des Berylliums im großen gemacht, und zwar hat man hauptsächlich Beryllium-Alu- minium- Legierungen hergestellt, die etwa ein Drittel Beryllium enthal­ten und sich infolge ihres Aluminiumgehaltes noch gut bearbeiten lassen. Man erstrebt damit die Schaffung eines Baustoffes hauptsächlich für Luftschiffe und Flugzeuge, stößt aber damit insofern auf Schwierigkeiten, als der hohe Preis des Berylliums eine solche Verwendung auf abseh­bare Zeit ausschließt. Diese Arbeiten haben daher vorläufig nur einen wissenschaftlichen Wert. Deutscher Forschergeist dagegen hat die Wege gewiesen, auf denen man schon jetzt aus dem Beryllium einen geradezu ungeheuren Nutzen ziehen kann. Dieser Nutzen liegt neben der Ver­besserung der Güte vieler Erzeugnisse vor allen Dingen in der Erhöhung der Betriebssicherheit durch den Wegfall der Ermüdungserscheinungen, die uns ja immer wieder Ueberraschungen bereiten. Dr. Kurt 31*'9- der im diesjährigen Siemens-Jahrbuch einen vorzüglichen Aufsatz über Beryllium veröffentlicht hat, hat vor kurzem in der Technisch-Literarischen Gesellschaft einen glänzenden Vortrag über Beryllium gehalten, der trog seiner Sachlichkeit und feiner Würze durch launige Einflechtungen ahnen ließ, welches große Vertrauen man bei der Firma Siemens & j)al5! auf diesen neuen Werkstoff setzt.

Beryllium, das Wundermetall.

Von Max Fischer.

Rohberyll gibt es an vielen Stellen der Erde, sicher in so großen Mengen wie Kupfererze. Beryllkristalle hat man schon frühzeitig wegen ihres schönen Aussehens geschätzt und hat sie auch technisch verwendet. Schon der Kaiser Nero soll ein Einglas aus Beryll getragen haben, und auch fpäter hat man Brillengläser aus Beryllkristallen hergestellt, als man das Glas noch nicht so gleichmäßig Herstellen konnte wie jetzt. So konunt es, daß Beryll der Brille seinen Namen verliehen hat, die also eigentlich Berylle heißen müßte. Aber der Kaiser Nero und seine brillen­tragenden Nachfahren wußten noch nicht, daß ihre Vorfenster der Roh­stoff zu einem ganz merkwürdigen Metall waren, das erst im Jahre 1798 von Vauquelin entdeckt wurde und zeitweilig ganz in Ver­gessenheit geriet. Erst der große Chemiker Wöhler, der uns auch die Darstellung des Aluminiums gelehrt hat, hat vor 101 Jahren aus dem Rohberyll zum ersten Male Berylliummetall dargestellt, aber nur in mikroskopisch kleinen Flitterchen.

Dieses Beryll ist ein Leichtmetall, das nur f des Aluminiums wiegt, also ungefähr ebensoviel wie Magnesium, aus dem bekanntlich durch Zu­satz von bis zu 1/M anderer Metalle das im Flugzeugbau und zu vielen andern Zwecken verwendete Letchtmetall Elektron hergestellk wird. Run