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Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
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J ihrgang 1929 Freitag, den 1- Februar Nummer 9
Blick durch das Fenster.
Von Edmund Finke.
Zwischen First und Giebel gegenüber zieht im Blau ein Taubenschwarm vorüber, schwingt empor und läßt sich leise sinken aus den Flügeln, die im Winde winken, wie die silberweißen Wolkensahnen, die nach Stürmen an den Frieden mahne«.
Hinter dunklen Dächern kehrt er wieder, fahler scheint im Schatten das Gefieder, schwarze Schwere, die zur Erde gleitet, bis sie breiter ihre Schwingen weitet sanft und stark sich selbst zu überwinden und ins Glühn des Lichts zurückzufinden.
Menschen, die von ihrer Arbeit geh'n, bleiben in der stillen Gasse steh'n.
Durch die Stunden, die sich träge gleichen, schw mmen magisch die bewegten Zeichen .,. Zwischen First und Giebel gegenüber zog im Blau ein Taubenschwarm vorüber.
Aus den Lebensläufen der Abenteurer.
Von Anton Schnack.
Der König von Madagaskar.
Begraben liegt er auf einem Hügel voll fremder Früchte, giftiger Masblumen und glühender Nachttiere. In dem Schatt der Steine vermorscht der Schädel, vor dem die alten Madagassen erstarren. Sie glauben, daß er dem Sohn der Tochter Raminis gehöre. Ramini war der letzte Gott und König dieses Volkes, das schwermütige Augen und wilde Tänze hat.
Man schreitet die Bai von Antongil strandaufwärts, zwei bronzene Palmen stehen auf dem Hügel und sind allen Schiffen sichtbar. Das Meer liegt davor wie alles Silber. Die Nächte hat ein weinerlicher Affe beunruhigt. Es riecht wie Zimt ..
Er war ein großer Reiter, schwermütig und zornig zugleich, mit einem vergilbten Schnurrbart, dessen Enden spitz rote Metall waren. Der alte Franzose tiean de Bouffier hat es erlebt, als er aus dem feuchten und nachstchwarzen Urwald in die Faktorei Antongil einbrach. Er kam mit den Häuptlingen über die Holzzäune geklettert, schoß aus fünf Pistolen in die Franzosen und trieb sie in die Flucht bis zur Brandung hinunter. In der Dämmerung ließ er wilde Tiere braten, Affen und runde Schweine, Vögel mit Schlappbäuchen und riesengroße fahle Spmnen, die wie Gewürz schmeckten. Sie tranken den ätzenden Branntwein der Franzosen und pfiffen aus fünfhundert Pfeifen dazu.
Hölzer, SchÜngwerk, Erde, Steine, Dornstäbe ließ er rund um die Faktorei aufschütten und einrammen. Aus zwei schmalen Steinluken funkelten Kanonenköpfe. Er sah die französischen Expeditionen kommen. Sie kamen mit vielen kleinen Schiffen, die Segel waren aufgefpannt, und die Ruder schlugen grausam in das Wasser.
Sie waren von der Insel Ile de France ausgebrochen: sie hatten weiße Hüte auf, Ballen mit Munition an den Mastbäumen stehen, viele Gewehre stachen in die Luft, große braune Stricke hingen von den tangigen Schiffswänden. Die Segel trieben in einem scharfen Wind an den Strand.
„Er hatte zwei Kanonen in feiner Redoute, viele hundert Speere, Fischgrätenpfeile, runde Fauststeine, dreißig Gewehrläufe, lange vergiftete Dolche, ruchlose Wurfeisen und scheppernde Pistolen.
Die Franzosen hatten einen Offizier, der eine rote Feder am Hute krug. Am ersten Tage schossen sie von weither. Leise fielen die Kugeln in den Sumpf der Gräben. Die nackten Eingeborenen mit den zerbeulten Winten und zähen Bastschleudern waren von ihm geflohen, als die ersten Schüsse aus den Dornbüschen rollten. Nur er allein, mit einem merkwürdig fahlgrünen Molch, der durch ein Erdloch aus- und einschlüpfte, war geblieben ... Durch die Luken zog ein ekliger Pulverdampf. Am Nachmittag standen die Belagerer fünf Meter weit von den Pfählen entfernt, die im sumpfigen Wasser staken und mit Baumzweigen verbunden waren.
Er schoß mit eisigem Gleichmut. Er schoß aus seinen zwei Kanonen, vte er von einem großen Handelshaus aus Baltimore erhalten hatte, ab- wechsÄnd. Die Finger seiner reckten Hand waren verbrannt. Aus der
einen Kanone sprang ein großes Stück der Mündung. Er traf damit nicht mehr genau.
Gleich nach einem Affenschrei schlug ihn mit Klatschen eine Gewehrkugel unter das Herz ein. Das Blut schoß daumendick auf die Erde.
Letse fiel er um. Sein Mund muimeite ein paar furchtbare Worte, sie waren zornig und trugen keine Spur von Furcht Dce Belagerer stiegen blutend, verschunden, argwöhnisch und mit bitteren Gesichtern Über die Pallisaden. Aber es blieb Totenstille.
Das war das Ende des ungarischen Grafen Moritz von Benyovszky. Seine Abenteuer begannen schon mit fünfzehn Jahren.
Gommt Queto.
Ich bin Gommi Queto. Lebte ich heute noch, wäre ich hundertund- zwei Jahre alt. In Rosignano in Italien bin ich begraben unter Blumen, Oleanderbaumen und weißen Kränzen. Vielleicht steht auf meinem Grabstein etwas Heroisches, gedichtet von d'Annunzio, Worte voll Verbrämung und Eisenklang: Hier ist Gommi Queto begraben, ein Ncgeroffizier der italienischen Armee, ein Löwe aus den Steppen des Sudans, siebenmal verwundet, verstümmelt und von Granaten zerrissen, würdig der Weißen, da er ihnen an Kühnheit, Todesverachtung und römischem Heldensinn glsichkam!
Ich höre die Fiebermusik der schwarzen Fasz.sten. Ich höre ihren unwiderstehlichen Gang. Ich höre ihr Getrommel, das sie über die Erde tragen, die meine kugelzerrissenen Gebeine deckt.
Ich hatte Elfenbeii glanz tm Auge, Nacht und viel Trauer. Ich bin aus der afrikanisch.n Sonne gekommen, um dem weißen Kön g der Italiener zu dienen. Ich war hochbeinig wie eine Gazelle. Ich hatte Gesichter aus meiner Kindheit: Neger tanzten in Kriegsausrüstung, Dromedare tarnen in der Morgenröte, rote Flamingos standen am Nil, mein Neger- oater faß an einer Erzschmiede und goß bronzene Götterköpfe.
Ich hatte eine dumpfe Kalbfelltrommel, mit der ich spielte: gong und bong und bong und gong. Urgeheuer ist mir die Nacht des siebten Mond- untergangs gewesen: da kamen schleichende Teufel auf großartigen Kamelen, Feuerblitze fuhren aus den Stangen, die sie vor sich hinhielten. Es waren ägyptische Reiter. Ich weinte leise: denn meine Trommel verbrannte mit einem knallenden Laut. Mein großer Vater Sidar sank geheimnisvoll in die Knie, als er seinen vergifteten Speer zum Wurfe ansetzte.
Wir wurden an Stricken fortgeführt; meine Mutter war dabei, meine Schwester Gi und mein starker Bruder (Borton. In der Hellen Nacht lag Ehartum. Die Reiter ritten unter der roten Mondsichel wie Wind hinein. Wir wurden gedemütigt, geschlagen und wieder hinau gestoßen in den Brand der Wüste. Am Blauen Nil saß der Stamm der Dschulab, der den Aegyptern Abgaben zahlte. Dort ließen sie mich bei einem alten Häuptling: ich mußte Hirse zerreiben, seine Jagdspeere tragen und den Schirm aus geölten Pa'mblättern über seinen fahlen Schädel halten.
In einem Boote fuhren sie mich eines Tages den heiligen Strom hinunter. Reiher standen tm Schilf. Die Ruder knarrten. Gelb war Kairo. In den Gärten stiegen Brunnen hach. Unbekannte Früchte glühten im Laub.
Ich wurde von einem weißen Mann gekauft, der den Sklavenmarkt besuchte. Er hieß Dottore Luigi Castagnone und war Leibarzt des Bize- königs von Aegyvten. Ich war traurig. Er aber lernte mich die Sprache feines Landes, schlug mich nicht, gab mir Gutes zu essen und sagte, daß ich, Gommi Queto, fortan Michele heiße.
Ich las Büch-r. Ich wurde fromm. Ich schrieb Zahlen untereinander und rechnete Kommen aus. Ich ging zum Ballspiel. Ich durfte jagen auf die Vögel in den Sumpfstrichen. Mit einem Schiff, das Isabella hieß und hundert armdicke Schnüre zwischen den Masten hatte und viele Segel mittenbrauf, fuhren wir eines Tages über ein Meer, das stürmte und hoch von Schaum war. An einem Morgen stießen wir an ein Gestade. »Es war das Land meiner weißen Eltern und hieß Italien.
Wir ritten durch viele seltsame Städte und kamen in die Landschaft Piemont, wo unter Zypressen und demütig unter Oleanderbüschen und Oltvenbäumen ein kalkiges und flaches Haus stand. Hier wohnte ich und sah in einen Garten hinein, in dem ein Brunnen spielte. Die Winde tarnen von den bergen herunter. Es gab Nachmittage, wo ich fror. Ich sah zum ersten Male Schnee
Mit vierundzwanzig Jahren nach ihrer Zeit kam ich in eine Soldatentruppe, die schwarze wehende Hahnenfedern auf den Hüten trug und Gewehre mit Messerspitzen in den Händen. Ich wurde getauft und ließ mich Amatore nennen, da ich ein Liebender und ein (Beliebter zugleich war.
Bon Norden kam der Krieg herunter. Wir marschierten durch nackte, nächtliche Landschaften. Dann durch Steine und Schnee auf den Bergen. Dann durch Felder. In der Luft rollte Donner. Es war feurig am Horizont. Es rauchte. Es stank nach Brand und Aas. Wir stiegen auf Pfaden hinter den Rücken der Oefterre.cher hinunter. Ich sah viele Tote. Ich erschreckte viele, da ich schwarz, greulich und teuflisch war. Ich wage kaum daran zu denken: einer war darunter, groß und blond rote eine SäM«


