Wäre er in das Land am Nil gekommen, ich hätte ihn für einen Sonnengott gehalten. So tötete ich ihn mit einem Schuß meiner Pistole.
Mir schien es seltsam und unbegreiflich, daß sie mich deshalb zu einem Hauptmann machten, weil ich in dem Bersaglieri-Bataillon Lamamora in Veduten und Schanzen der Oesterreicher sprang, einen General gefangen nahm, einen schwarzen Adler auf gelbem Grundtuch erbeutete und eine Brücke, über die eben Kanonen fuhren, in die Luft sprengte. Diese Tapferkeit, dieses Ungestüm und diese Größe und Verwegenheit" in ihrem Sinne, löschte ihre Verachtung aus, die auf der schwarzen Haut lastet.
Ich wurde heimgebracht; ein Bein von mir velfauite in einem venezianischen Maisfeld. Mein linker Arm hing wie ein Stumpf herunter.
Daß mich Signorina Eleonora Nooanta demütig liebte und mich zum Mann nahm, blieb mir unerklärlich, verdächtig und gut zugleich. Es war das Schönste und Gnädigste meines Lebens. Ich saß mit ihr an vielen Abenden unter dem Granatapfelbaum und betrachtete das Feuer der piemontesischen Sterne. Sie waren kleiner als die in der Riesennacht des Sudans. Ich hielt mir Drosseln in Käsigen, zirpende Zeisige und blutäugige Sperber. Ich spielte Domino und Schach. Ich hatte Kinder mit einer metallhellen Haut.
Wenn der Regen aus den Wolken fiel und der Schnee über das Bergland, hatte ich Angst. Ich stellte mir vor, daß meine weiße Frau zu mir sprechen würde: Gehe, Neger Gommi aus dem Sudan!
Ich hätte nicht gewußt, wohin ich auf meinem Krückenbeine hätte humpeln sollen. Die Wege waren steinig und der Wind der Regenzeit war wie eine kalte Peitsche. Und in der Erinnerung hatte ich, daß das Meer weit, furchtbar weit war.
Alfred Edmund Brehm»
J« seinem 10 0. Geburtslage.
Von Dr. C. Schüz, Dresden.
Im kleinen, nadelwaldumkränzten Unterrenthenüorf im thüringischen Kreis Neustadt an der Orla (zwischen Gera und Rudolstadt) war es, wo Alfred Edmund Brehm am 2.Februar 1829 das Licht der- Welt erblickte. Sein Vater war Christian Ludwig Brehm, Pfarrer in Unter- renthendorf und mit Bechstein, den Naumanns u.a. ein Klassiker der deutschen Vogelkunde. Eigene Sammeltätigkeit und die Beziehungen zu fast allen zeitgenössischen Ornithologen erbrachten ihm eine Sammlung von etwa 9000 Vogelbälgen, bei deren Sichtung, sein bewundernswerter Scharfblick eine große Reihe neuer Arten ftstftellte. Wenn auch die meisten dieser neuen Arten nach unserer heutigen Auffassung in die Variationsbreite der Art hineinfallen und höchstens als Spielarten zu gelten- haben, so verdanken wir ihm doch die Erstbeschreibung einer großen Reihe von geographischen Rassen und aud). richtiger Arten. Die Mutter Alfred Brehms und die zweite Gattin des „alten Brehm" (wie der Vater in der Ornithologensprache schlechthin genannt wird) war eine geborene Berra Reiz, die mit ihrer Frohnatur, ihrem dramatischen Talent und ihrem Sinn für klassische Literatur einen erheblichen Anteil an der Unternehmung Aust und der anschaulichen Darstcllungsgabe des berühmten Sohnes haben dürfte. Unter dem Einfluß dieser Mutter und an der Seite seines Vaters, der ihn in alle Künste der Beobachtung der heimischen Tierwelt musterhaft einzuführen und ihm nach Besuch der Dorfschule auch den weiterhin nötigen Unterricht zu erteilen wußte, verlebte Alfred Brehm eine glückliche und freie Jugend. Nach seiner Konfirmation (1843) sehen wir ihn, dessen Los doch in andere Richtung zu weisen schien, nach Altenburg ziehen und sich, dem Baufach- widmen. 1847 brach er diese Studien ab, um sich mit einem württembergischen Baron und Vogelliebhaber, John Wilhelm v. Müller, als ornithologischer Sammler aus dessen zweite Asrikareise zu, begeben. Die Reisenden schifften sich im Juli des genannten Jahres in Triest ein, nahmen an der griechischen Küste und in Kairo Aufenthalt und zogen dann zusammen mit einer katholischen Missionsgesellschaft auf gemieteter Barke nilaufwärts, dabei streckenweise an den Ufern des Stromes wandernd und jagend: In Dongola nahmen ste von den Missionaren Abschied und gewannen auf einer entbehrungsreichen Wanderung von Ambukol über die Bayudawüste die Stadt Khartum, das Standquartier für ihre weiteren Forschungsfahrten. Brehm führte eine solche in das Flußgebiet des Blauen Nils aus, sah sich von einer hochinteressanten Fauna umgeben und sammelte wertvolle Stücke, allein eine schwere Malaria lähmte seine Tätigkeit, so daß sein Auftraggeber mit den opfervollen Leistungen des jungen Forschers keineswegs zufrieden war. Aach fast zweimonatigem Aufenthalt in Khartum wandte sich die Expedition in das heiße, ungesunde Äardosan,, das zwar ebenfalls schöne Ergebnisse zeitigte, aber dies-- mal nicht nur Brehm, sondern auch v. Müller in schweres Fieber stürzte und qualvolle Stunden und Tage durchleben ließ. Ende, August 1848 brachen sie von Khartum wieder nach Norden auf, wagten sogar die gefährliche Fahrt durch, die Nilkatarakte von Wadi Haifa und trennten sich mit einer reichen Ausbeute an Balgmaterial und auch lebenden Tieren Ende Januar in Alexandria. Müller fuhr in die Heimat, während Brehm eine weitere Sammelreise unternehmen sollte, begleitet u. a. von seinem jüngeren Bruder Oskar und von Dr. Vierthaler in. Köthen. Ein mrch^cwer Schlag ereilte die Reisegesellschaft, als. bei einem gemeinsamen Bad Oskar Brehm am 8. Mai 1880 im Nil ertrank. Ein weiteres Unglück war der Bankerott des Geldgebers, von dem Brehm in Dongola Nachricht erhielt. Da saß er nun mittellos und sogar mit Schulden belastet in weiter Ferne von der Heimat. Wer ihm half, waren nicht die dortigen Christen, sondern Mohammedaner, deren Edelmut und Uneigennützigkeit Brehm nicht genug rühmen konnte. Es hatte sich als sehr nütz- lich erwiesen, daß Brehm nach v. Müllers Abreise das Arabische lernte und in Landestracht als „Chalihl-Efendi", wie sie ihn nannten, bei den eingeborenen Eingang gefunden hatte. Nach fünfjähriger Abwesenheit langte Brehm 1852 mit reicher Ausbeute an seltenen Bälgen und lebenden Tieren in der Heimat an, um nunmehr von 1853 bis 1856 dem Studium ^or Wissenschaften in Jena und Wien obzuliegen. Er zeigte sich auch dem Identischen Treiben nicht abhold und trat den „Sachsen" bei.
Nach Erwerbung des Doktorgrades unternahm er mit feinem Bruder Reinhold, Arzt in Madrid, eine Reise nach Spanien, die wiederum seine Kenntnisse und die Sammlungen des Vaters vermehrten. 1858 siedelte Brehm nach Leipzig über; als bewährter Forscher und Schriftsteller, als Herausgeber der „Reiseskizzen aus Nordostafrika" und, mit E.A. Roß- müßler zusammen der „Tiere des Waldes" fand er als Mitarbeiter der Gartenlaube wachsende Beliebtheit. Nach einer Reise nach Lappland und dem Nordkap nahm Brehm eine Stelle am „modernen Gesamtgymnasium" von Dr. Rudolf Zille in Leipzig an und gewann (1861) in Mathilde Reiz aus Greiz eine Lebensgefährtin, die seine Interessen teilte und allezeit seine Arbeiten zu fördern verstand. Sie durfte ihn auch begleiten, als Brehm eine Reise des Herzogs Ernst II. von Sachsen Koburg-Gotha und seiner Gemahlin nach Aegypten und den abessinischen Bogosländern vorzubereiten und zu leiten hatte. Trotz der knapp- bemessenen Zeit und neuen Fieberanfällen verstand Brehm auch diese Reise zoologisch gut auszuwerten. Zu derselben Zeit, als der erste Band seines bestbekannten Werkes, des „Illustrierten Tierlebens" im Bibliographischen Institut erschien (1863), leistete der stets rührige Mann einem Ruf an die Direktorstelle, des Zoologischen Gartens in Hamburg Folge. Obwohl er diesem und dem damit verbundenen Aquarium zu einer neuen Blüte verhalf, verließ er schön 1866 Hamburg wieder als eilt Mann von ausgeprägter, in jahrelangen Reifen erprobter Selbständigkeit; abhold jeder Schmiegsamkeit, konnte und wollte er sich den seinem besseren Wissen widersprechenden Wünschen der geldgebenden Kommissionen nicht fügen. Ein schwerer Schlag war ihm auch der 1864 erfolgte Tod des geliebten Vaters, den er als Menschen und als Forscher stets zum Vorbild hatte. Nunmehr siedelte Alfred Brehm nach Berlin über und ließ sich dazu herbei, mit dem Baumeister Liier zusammen das Berliner Aquarium einzurichten. Brehms Weitblick ging über den Plan eines gewöhnlichen Aquariums hinaus: er wollte den Besucher von der Wüste über den Urwald zum Meer führen und Teile aus der Lebensgemeinschaft dieser Reiche darstellen. So entstanden Grotten, in denen bunte Urwaldvögel sich tummelten, während andere die Reptilien und weitere Bewohner der Wüste enthielten: auch an Menschenaffen fehlte es fast nie. Die Speisung der Seewasseraquarien erleichterte er sich durch Erzeugung künstlichen Seewassers. Aber auch an dieser Stelle ergaben sich Reibungen und Widerwärtigkeiten, so daß Brehm 1874 das Amt niederlegte, müde und bald schwer krank an einer Gehirnentzündung, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Durch einen Erholungsaufenthalt im Riesengebirge gekräftigt, widmete er sich nunmehr ganz dem Vortragswesen und der Schriftstellerei. Manch einer, der in seiner Jugend Brehm gehört hat, erinnert sich noch des stattlichen Mannes mit der hohen, breiten Stirn, der kräftigen Nase, dem vollen Bark und dem propheten- hoft nach hinten gekämmten, ziemlich langen Haupthaar, und auch des kräftigen Baritons, in dem der Redner seine Tier- und Reiseschilderungen so anschaulich vortrug. Dazwischen ergriff ihn wieder die Reiselust, er schloß sich nut dem Weltreisenden und Zoologen Otto F i n s ch an die wissenschaftliche Expedition zur Erforschung von Westsibirien an und durchquerte dieses Land unter Strapazen und mancherlei, besonders ethnographischen Ergebnissen vom Ural bis zum Altai md zur chinesischen Grenze. Später arbeitete Brehm eng mit dem bekannten Ornithologen Kronprinzen Rudolf von Oesterreich zusammen, als dessen Gast, er wochenlang auf dem Hmdschin in Prag wohnte. Nach der Rückkehr aus Sibirien traf ihn durch den Tod der Mutter (1877) ein harter Schlag, Ein Jahr später folgte die geliebte Gattin bei der Geburt des jüngsten Sohnes ihr im Tode nach. Brehm hatte sich nunmehr in das einst vom Vater nahe der Pfarre in Unterrenthendorf erbaute Haus zurückgezogen- und begab sich den Winter über auf seine Vortragrreisen. Ende 1883. führte ihn eine solche nach Nordamerika. Bald noch seiner Reife in Nordamerika ereilte ihn eine Nierenerkrankung, der er am 11. November 1884 erlag, — ein schwerer Verlust für das ganze Volk, besonders aber für seine Kinder, von denen der damals noch lebende Sohn, Dr. Horst Brehm in Berlin, nunmehr auch gestorben ist, die drei Töchter aber inziemlich gedrückten Verhältnissen in unterrenthendorf leben. Die jetzt gegründete Brehm-Gesellschaft in Charlottenburg hat sich zum Ziest gesetzt, abgesehen von der Förderung der Zoologie im Sinne Brehms die wirtschaftliche Lage der Töchter des großen Mannes zu erleichtern. — Das von Rudolf Blasius zusammengestellte Verzeichnis der Schriften Brehms überschreitet 180 Nummern; die tatsächliche Zahl ist infolge der mancherlei Schriften, in denen Brehm als Herausgeber zeichnet, wesentlich größer. Seine Neigung, die Handlungen und Eigenschaften der Tiere zu vermenschlichen, will in vielen Punkten nicht mehr mit unseren heutigen Auffassungen zusammenpassen; das schmälert aber nicht Brehms Verdienst, das Augenmerk mehr auf die Lebensweise der Tiere gelenkt und das Interesse weiterer Schichten unseres Volkes dafür gewonnen zu haben.
Fasan am Lpistz.
Eine gastronomische Plauderei.
Von Earl Georg v. Maaßen.
Am Spieß? — Allerdings am Spieß, und nicht anders! Den» her Fasan hat ein trockenes, fettloses Fleisch, und im Ofenrohr gebraten versiert er unrettbar den wenigen Saft, Ben er in sich trägt, falls ihm nicht; die ungewöhnlich liebevolle Pflege eines aufmerksamen Kochs zuteil wird. Ich kenne nur einen einzigen Gasbratapxarat, der dank seiner besonderen Konstruktion eine enorme Trockenhitze erzeugt, wodurch alle Eiweißstosfe auf der Oberfläche des Fleisches sofort gerinnen und der kostbare Saft- erhalten bleibt und dadurch imstande ist, den Bratspieß zu ersetzen.
Wo ist der Zauber des sanft schnurrenden Bratenwenders geblieben? Er verschwand mit der Romantik der Postkutschen, des Waldhorns und« des lodernden Kaminfeuers in der Nacht ewigen Vergessens, und nur au», alten verschollenen Schmökern tönt uns noch traute Kunde von- seiner kulinarischen Herrlichkeit.
B r i 11 a t - S a v a r i n rühmte sich des Besitzes eines solchen mtt Schwunggewicht, wie auch diejenigen, die durch ein Uhrwerk getrieben


