jr niedergeschlagen. Tagelang M der Bries eintresfen könnte, oder
Kostylin
ihm,
und
und
— Druck und Verlag: Brühl'sche Aniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange,
Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot.
fort und Nogaier Kleidung
konunt ihr gar nichts."
Wieder unterredeten sich die Tataren, schickten den Nogaier blickten bald auf Shilin, bald auf die Tür. Jetzt kommt der zurück, und hinter ihm schleppt sich ein feister Mensch; feine ist abgerissen, die nackten Füße stecken in einem Block.
erwidert:
„Die beste Meldung gebe ich euch: einen Tscherkessenrock und Stiefel, könnt damit zur Hochzeit gehen. Speise sollt ihr haben wie Fürsten. Wollt ihr zusammenbleiben, so mögt ihr im Verschlag leben. Vom Block aber kann ich euch nicht befreien — ihr würdet euch fortmachen; indessen lasse ich ihn euch zur Nacht abnehmen."
Er tritt noch näher zu Shilin, klopft ihm auf die Schulter und radebrecht:
gefangengenommen.
Abdul sprang auf, zeigte auf Kostylin und sagte einige Worte.
Der Dolmetsch übersetzte, daß sie beide Eigentum eines Herrn seien; wessen Lösungssumme zuerst antrifft, den wird man zuerst freigeben.
„Siehst du," sprach er auf Shilin ein, „du bist wild und dein Kaderad verhält sich ruhig. Er schrieb einen Brief nach Hause, man wird fünftausend Rubel schicken. Er soll gut gefüttert werden und man wird ihm nichts zuleide tun."
„Mag mein Kamerad tun, was ihm beliebiger vermag es, er ist reich, ich aber bin nicht reich. Wie ich gesagt habe, fo bleibt es. Tötet mich, wenn ihr wollt. Nutzen werdet ihr nicht davon haben. Aber mehr als fünfhundert Rubel schreibe ich nicht."
Nach längerem Schweigen sprang Abdul wieder aus, brachte einen kleinen Koffer herbei, entnahm demselben eine Feder und einen Fetzen Papier, schob dieselben Shilin zu, klopfte ihm auf die Schulter und machte durch Zeichen bemerklich, daß er schreiben solle. Mithin war er auf fünfhundert Rubel eingegangen.
daß er uns nicht im Block halte."
Dabei, wie er Abdul ansieht, muh er lachen. Auch Abdul lacht
' Als die Tataren mit den Pfannenkuchen fertig waren, kam die Tatarin, in Hemd und Hosen wie das Mädchen, über den Kops ein Tuch geschlungen. Sie trug ab und reichte eine schöne Kufe mit enger Schneppe. Die Tataren wuschen sich die Hände,^legten dieselben zusammen, stellten sich auf die Knie, bliesen nach allen Seiten und sagten Gebete. Nachdem sie sich noch eine Weile auf ihre Art unterhalten hatten, wendete sich einer der Gäste in russischer Sprache an Shilin.
Dich," sagt er, „hat Kasi-Muhamed gefangen." Er wies auf den roten Tataren. „Er überläßt dich an Abdul-Murad." Dabei deutete er auf den Schwarzen. „Abdul-Murad ist jetzt dein Herr."
Shilin gibt keine Antwort. Abdul-Murad begann jetzt zu reden, wobei er wiederholt auf Shilin zeigte. Der Dolmetsch sagt:
„Er gebietet dir, einen Brief nach Haus zu schreiben, daß man für dich Lösegeld schicke. Wenn er das Lösegeld erhalten hat, gibt er dich frei.
Shilin dachte nach und sagt:
„Wieviel Lösegeld will er haben?"
Die Tataren besprachen sich untereinander. Der Dolmetsch sagt: „Dreitausend Rubel." „
„Nein," widerspricht Shilin, „dreitausend kann ich nicht bezahlen. Abdul sprang auf, fuchtelte mit den Armen und rief Shilin in der Meinung, daß derselbe ihn verstehen würde, einige Worte zu. Der Dolmetsch übersetzt:
„Wieviel bietest du?"
Shilin dachte eine Weile nach und sagt:
„Fünfhundert Rubel." „ .
Die Tataren schrien durcheinander. Abdul schrie den Roten an, er schwatzte so viel und so aufgeregt, daß ihm Speichel aus dem Munde
Ser Rote indes blinzelt nur und schnalzt mit der Zunge.
Wieder hebt der Dolmetsch an:
„Deinem Herrn find fünfhundert Rubel zu wenig. Er selbst hat sur dich zweitausend Rubel gezahlt; Kasi-Muhamed war sie ihm schuldig. Er nahm dich für die Schuld. Dreitausend Rubel — für weniger kann er dich nicht freigeben. Willst du nicht schreiben, so wirst man dich in eine Grube und straft dich mit der Peitsche ab."
Eh. denkt Shilin, zeigt man Furcht, so kommt man schwer rvieder auf die Beine; er antwortet dem Dolmetsch:
„Und du sag« ihm, dem Hund, wenn er mir bange machen will, so bekommt er nicht eine Kopeke — dann will ich gor nicht schreiben. Ich habe keine Furcht vor euch und werde euch nie fürchten, Hunde!
Der Dolmetsch übersetzte und wieder sprachen die Tataren zusammen. Lange schwatzten sie, bann sprang der Schwarze aus, näherte sich Shilin, lachte dabei und rief ihm einige Worte zu.
Der Dolmetsch übersetzte: „Gib tausend Rubel."
Shilin blieb bei seinem Angebot:
„Mehr als fünfhundert Rubel gebe ich nicht. Tötet ihr mich, so de-
Ein Ruf der Verwunderung entrang sich Shilin, als er . erkannte. Auch ihn hat man ergriffen! Man setzte sie beide nebeneinander. Während die Tataren sie angaffen, erzählen sie sich ihre Erlebnisse. Kostylin berichtet, daß sein Pferd nicht weiterzubringen war, es blieb stehen, uns obenein versagte die Flinte; Abdul hat ihn eingeholt und
und vertragene Soldatenstiefel, die zweifellos getöteten Soldaten abg«. zogen waren. Zur Nacht entledigte man sie der Blöcke und schloß sie im Verschlage ein.
So verbrachte Shilin mit dem Kameraden einen ganzen Monat
„Geduldet euch noch." rief Shilin dem Dolmetsch zu. „Sage du i.,,„, daß er uns ordentlich nähre und kleide, wie es sich gehört, daß er uns nicht trenne — zusammen wird es uns heiterer zumut sein — u.™
Abdul scherzte immer:
„Du, Iwan, gut; ich, Abdul, gut."
Aber er nährte sie schlecht. Sie erhielten nur ungesäuertes Brot au» Hirsemehl oder ungebackenen Teig.
Kostylin hatte noch einmal nach Hauke geschrieben; da die Geldsendung nicht eingetroffen war, fühlte er sich sehr niedergeschlagen. Tagelang sitzj er im Verschlage und berechnet, wann l" er schläft. Shilin jedoch wußte, daß der Brief, welchen er geschrieben, nicht ankommen könnte, und er schrieb auch keinen anderen.
„Du gut — schreibst — ich gut."
Shilin schrieb einen Bries; damit derselbe nicht ankommen konnte, machte er eine falsche Adresse. Und dabei denkt er: ich werde fliehen.
Man führte Shilin und Kostylin in den Verschlag, brachte ihnen Maisstroh und einen Krug Wasser, Brot, zwei alte Tscherkessenanzüge
Wo, denkt er, soll die Mutter so viel Geld hernehmen, um mich au», zulösen? Sie hat ja zumeist von dem gelebt, was ich ihr schickte. Sollt« sie fünfhundert Rubel sammeln, sie würde sich ruinieren. Gott wird mir beistehen, daß ich selbst mich herausbringe.
Und er geht im Dorfe umher, pfeift oder treibt irgendeine Hantierung: formt Puppen aus Ton ober macht Geflecht aus Reisig — in dergleichen war er Meister.
Einst formte er eine Puppe mit Nase, Händen und Füßen im tata- rischen Hemd und stellte sie auf das Dach.
Abduls Tochter, Dina, sah die Puppe und rief die Tatarinnen zusammen. Sie setzen ihre Wasserkrüge ab, gucken auf das Dach und lachen. Shilin nimmt die Puppe herunter und hält sie ihnen hin. Si« lachen, wagen aber nicht, sie zu nehmen.
Als die Tatarinnen fortgegangen waren, geht Shilin in seinen Verschlag; die Puppe aber läßt er liegen.
Bald kam Dina angelaufen, blickte sich um, ergriff die Puppe und lief fort.
Am anderen Morgen, bei Sonnenaufgang, trat Dm« aus der Hütte. Sie trug die Puppe in der Hand, die sie inzwischen mit roten Läppchen verziert hatte, wiegte sie wie ein Kind und trällerte dazu ein Wiegen- lieb. Bald aber kam ein altes Weib, schimpfte, riß ihr die Puppe fort, zerbrach sie und schickte Dina fort.
Shilin formte eine andere Puppe, die hübscher war als die zerbrochene, und gab sie Dina.
Einst brachte Dina den Krug und stellte ihn hin; sie setzt sich, sieht ihn an und lacht, indem sie auf den Krug zeigt.
Worüber mag sie lachen? denkt Shilin. Er ergriff den Krug, in dem er Wasser vermutete, und brachte ihn an die Lippen. Er war voll Milch Als er getrunken, rief er:
„Gut!"
Wie Dina das erfreute! .
„Gut, Iwan, gut! jubelte sie, sprang auf, klatschte m die Hande, nß ihm den Krug ans den Händen und stürmte fort.
Heimlich brachte sie ihm jetzt jeden Tag Milch. Bereiteten die Tataren aus Ziegenmilch Käsefladen, die sie auf den Dächern trockneten, so brach!« sie ihm heimlich auch von diesen Fladen. Ähr Vater schlachtete einen Hammel, auch davon brachte sie ihm ein Stück im Aermel. Sie warf es vor ihn hin und tief fort.
Einst war starkes Gewitter, wie aus Eimern goß der Regen eine volle Stunde lang. Die Gebirgswässer trübten sich; wo sonst eine Furt den Durchgang gestattete, war jetzt an drei Arschin Tiefe, so daß Steine fortgeschwemmt wurden. , , 9f( .
UeberaU fließen Bäche, dumpse Tone hallen in den Bergen. Als da» Gewitter sich verzogen hatte, ist noch das ganze Dorf von Wasserpsiltzen durchzogen. Shilin erbat sich von Abdul ein Messer, schnitt aus Holz eine Walze und ein Rad, und an beide Enden befestigte er Puppen.
Die Mädchen brachten ihm Läppchen — er kleidete die Puppen an, als Bauer die eine und als Bäuerin die andere. Als das Spielzeug fertig war, fetzte er es auf den Bach. Das Rad dreht sich und die Puppen
Das ganze Dorf versammelte sich: Jungen, Mädchen, Weiber, auch die Männer kamen herbei und schnalzten vor Vergnügen mit der pungi.
Abdul besaß eine zerbrochene Uhr. Er rief Shilin und zeigte ihm
Shilin nahm sie auseinander und machte sie zurecht: die Uhr ging Abdul freute sich. Er schenkte Shilin einen zerlumpten Halbrock; taugte er auch sonst zu nichts, so konnte man doch in der Nacht sich mn ^'Veit^Wejer Zeit kam Shilin in den Ruf, er sei ein Meister. Au» fernen Dörfern kam man zu ihm: dem soll er ein FttnkenschlG, Pistole dem anderen zurechtmachen, wieder ein anderer bringt eine «n > Abdul gab ihm Werkzeug: Zange, Bohrer und Feile.
Nach und nach lernte Shilin ein wenig tatarisch verstehen un 1 auszudrücken. Einige Tataren, die an ihn sich gewöhnt hatien, ries "i freundlich zu, wenn sie seine Hilfe brauchten, und nannten ihn J andere sahen ihn noch immer scheel an. ,
Der rote Tatar mochte Shilin nicht leiden. Wenn er ihn sah, . er die Stirn und wendete sich ab, schimpfte ihn sogar. Unter■ tnn. ~ befand sich auch ein ganz alter Mann. Er lebte nicht im Dorf, öfters herauf. Shilin sah ihn nur, wenn derselbe, um zu - . Moschee besuchte. Er war klein, hatte um seine Kappe ein weiße tuet) geknüpft; Bärtchen und Schnurrbart, die weiß wie Daunei trug er beschnitten, das Gesicht sah rot aus roic Kieselstein, m Habichtsnase, den stechenden grauen Augen, dem zahnlosen JJ • dem zwei Hauer ragten, sah er heimtückisch böse aus; aus Mn cC gestützt, blickt er um sich wie ein Wolf. Sieht er Shilin, so P und wendet sich ab.
(Fortsetzung folgt.) ____,---


