Donnerstag, den 27. November
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. ßaurrnblut.
ßwman von Gerhart v. Amhntor (Dagobert v. Gerhardt).
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Die Unterhaltung zwischen Teil und Völker konnte nur in Absätzen stattfinden, denn sobald eine der Kammersängerinnen ihren programmäßigen Vortrag zum Flügel begann, mußten die beiden Herren jedesmal verstummen und andächtig dem Gesang lauschen.
Als die Konzertpause eingetreten war, sagte der Maler: „Sie sind so still geworden, Herr Staatsanwalt; Sie haben mir doch vorhin meine Offenheit nicht übel genommen? Es ist mein alter Fehler, daß ich aus meinem Herzen keine Mördergrube machen kann."
Trübe lächelnd versetzte Teil: „Sie sind, wie immer, mein bester Professor, maßlos grob gegen mich gewesen, und ich weiß, daß Sie niemand zu nahe treten wollen — darum, wir bleiben die Alten."
Er drückte ihm versöhnlich die Hand. Dann benutzte er die Freil)eit, die ihm die Pause gewährte, um seinen Posten zu verlassen.
Als Tell bei Herrn von Tollen vorüber wollte, wurde er vou diesem festgehalten: „Halt, halt, Herr Staatsanwalt! Empfangen Sie erst noch meinen Glückwunsch! Sie haben ja einen famosen Fang gemacht! Und auf welch geniale Weise! Die Abendblätter sind ganz voll von Ihrem Preise!"
Tell suchte das ihm gespendete Lob bescheiden abzulehnen; um seine Kehle lag aber eine Schlinge, die sich, je öfter man von der unseligen Einbruchsgeschichte sprach, um so fester zusammenzog. Da teilte sich die Menschenmauer, die die Umfassung der freien Saalmitte bildete, und der hohe Herr des Hauses schritt durch die Lücke gerade auf den Staatsanwalt zu, der in diesem Augenblick von nicht wenigen beneidet wurde, die bisher vergeblich auf die Auszeichnung einer solchen Ansprache gelauert hatten.
Der Kronprinz erhob den Zeigefinger seiner Rechten, spitzte die Lippen, zog die Brauen leicht zusammen und schaute Tell eine Zeitlang scherzhaft drohend an, als wollte er sagen: „Wehe dir, wenn du nichts herausgebracht hast!" Dann fragte er vertraulich: „Nun, haben Sie die Bösewichter?"
„Wenigstens einen, Kaiserliche Hoheit."
„Bravo! Erzählen Sie, wie es zugegangen."
„Ich hatte am Tatorte einenKnopf gefunden, Kaiserliche Hoheit, und durch einen sonderbaren Zufall hat ein Bekannter von mir den zu diesem Knopf passenden Ucberzieher auf einem Straßenbahnwagen entdeckt. In dem Ucberzieher steckte ein Mann, der wahrscheinlich identisch ist mit einem schon vielfach wegen anderer Verbrechen gesuchten Uebeltäter; der Mann war eben erst unter dein Namen Karl Ritter aus Neuyork in einem hiesigen Gasthofe abgestiegen. Bei seiner
Verhaftung fand man bei ihm mehrere Pakete Einhundert- Nrarknoten der Deutschen Reichsbank, jedes Paket zu zehntausend Mark; über den ehrlichen Erwerb dieses Geldes konnte er sich bisher nicht ausweisen. Nun bestand aber das dem Herrn Brank geraubte Geld zum größten Teil aus ganz ähnlichen Paketen, und ich habe die Hoffnung, daß der Goldschmied Wilhelm Lampert, der dieses Geld erst kurz vor dem Einbrüche dem Herrn von Brank als Kaufschilling ausgezahlt hat, die Pakete vielleicht noch wiedererkennen wird, denn er hat geäußert, daß er kleine Kennzeichen an den die Pakets zusammenhaltenden Papierstreifen gemacht habe."
„Da ist ja Hoffnung vorhanden", sagte der Kronprinz erfreut, „daß der gute Brank sein Geld wieder bekommt?"
„Einen Teil desselben wird er, wenn meine Annahme zutreffen sollte, ohne Zweifel zurückerhalten können."
„Wieviel haben Sie denn mit Beschlag belegt?" „Vierzigtausend Mark, Kaiserliche Hoheit."
„Wo mag nur der Rest geblieben sein? Er beträgt noch über dreißigtausend Mark. Ob sie den Helfershelfern ausgezahlt wurden? Haben Sie von diesen gar keine Spur?"
Tell fühlte bei dieser Frage, wie ihm alles Blut nach dem Gesicht drängte; er antwortete ausweichend: „Ich hoffte, durch die Aussagen des Verhafteten auf die Spur zu kommen. Aber er leugnet hartnäckig und kann, solange er dies tut, natürlich noch keine Helfer angeben."
„Was braucht er denn für Ausflüchte?"
„Er versucht, wie jeder in seiner Lage, ein Alibi zu beweisen. Er behauptet, am Tage des Einbruchs noch in Loudon gewesen zu sein; sein dortiger Freund, Fritz Brent, werde dies eidlich bestätigen können; erst vierundzwanzig Stunden nach dem Einbruch will er in Berlin angekommen sein."
„Nun, widerlegt das nicht Ihre Annahme?"
„In keiner Weise, Kaiserliche Hoheit. Derartige Subjekte sind um Alibibeweise nie verlegen. Dieser Londoner Freund ist vielleicht ein Helfershelfer, dem es auf einen falschen Eid mehr oder weniger nicht ankommen wird; vielleicht ist er nur zu dem bestimmten Zweck nach London gesandt worden, um einen Alibibeweis möglich zu machen."
Der Kronprinz nickt zustimmend. „Das ist allerdings nicht unwahrscheinlich. Glauben Sie, daß nur zwei Personen bei dem Einbruch beteiligt waren?"
„Nein, Kaiserliche Hoheit, ich nehme an, daß es drei gewesen sind."
„Warum?"
„Der Fußspuren wegen. Zwei haben den eigentlichen Einbruch besorgt und ein Dritter hat Wache gestanden."
„Wenn es zutrifft, daß der Londoner Freund des Verhafteten der zweite Spitzbube war, bliebe also immer noch der dritte zu ermitteln — haben Sie gar keine Vermutung?"
Dem Gefragten wurde abwechselnd eiskalt und siedeheiß. Aber er wollte und konnte den Kronprinzen nicht geradezu belügen und sagte daher: „Eine Vermutung wohl. Kaiserliche Hoheit, ich möchte ihr aber nicht eher Ausdruck geben,


