Ausgabe 
27.10.1913
 
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Besitzung betrachten. Der Mann steht finster blickend, die Frau weinend und wehklagend dabei. Ms sie flohen, war es eure blühende Besitzung, jetzt nichts als Trümmer und verwüstete, zer­stampfte Aecker! Bei Belle crorx versperrt noch die Barrikade die Chausse, mir steigen aus und lassen den leeren Wagen über Feld fahren. Wahrend des kurzen Aufenthalts betrachten wir die hübschen und eleganten Insassinnen der vielen vorbeifahrenren Wagen. Die Leiden des Krieges sieht man ihnen nicht an, auch ihre Gefallsucht hat nicht gelitten. Am Fort les Bordes und,lpater kommen wir an den zahlreichen Biwakplatzen vorbei; alles sumpf, Schmutz und Unordnung. D-e Pferde sind fast zusMetttn ab- gemagert, nagen an dem Holz, an das sie gebunden sind und gegen- seitig an Mähnen und Schwänzen: die letteren ftnb .r«m ^etl schon ganz kurz abgeftessen. Crmte« und Soldaten sehen elend nnd verhungert aus, die im Festungsgürtel gelegenen Sorftabte sind Ruinen Alles macht einen traurigen, ent,Glichen Eindruck. An unseren Wagen drängen sich die verhungerten Soldaten nnd betteln um Geld und Zigarren; wir geben, was wir haben.

Fn der Stadt von der Porte des Allcniands ab tvar em solches Gedränge von deutschen und französischen Soldaten, Marke­tendern, Frauen, Juden mit Ochsen und Hamnicln, daß wir unser» Weg zu Fuß fortsetzen. Zunächst sehen wrr uns dw. schone Kathedrale an. Bon der Moselbrücke sehen wir das Fort St. Quen­tin ^auf dem stolz die preußische Fahne wicht. Dann wendet sich unser Blick auf die Gegend, wo wir so lange deni mühseligenund gefahrvollen Vorpostendienst hatten, auf Marly, Tomlly, Montoy und .auf das .Gesichtsfeld tiont 14. August Wehmütige Grfuhle bewegten uns. Wie mancher, der mit Begeisterung cmvzog, schlief dort den ewigeii Schlaf. Wird uns vielleicht auch noch an an­derer Stelle Frankreichs das gleiche Los treffen?! Wie Gott will!

Nun die Esplanade. Im Palais de Justice ist nn Lazarett für 1200 Verwundete eingerichtet; ein anderer großer Teil liegt m Zelten, welche draußen aufgefchlagen sind Es ist em buntes Bild, welches wir hier sehen, und doch treftraurig. Alle möglichen, »um Teil phantastische Uniformen, schwer Verwundete und Zob» ^Eke denen der Ud auf der Stirn geschrieben steht, leicht Ver­wundete, zu>n Teil recht vergnügt. Dazwischen Damen und barm­herzige Schwestern, welche mit rührender Sorgfatt um dre Ein­zelnen bemüht sind. Endlich gehen wir in em Restaurant,. das dickt besetzt ist. Wir finden Platz an einem Tisch, an welchem französische Offiziere fitzen; sie rücken sehr liebenswürdig zu­sammen. In der Unterhaltung erkundigen sie sich nach Städten, die ihnen tn Deutfchland für die Dauer ihrer Kriegsgefangenschaft ancrewiesen sind, dann sprechen sie von den von ihnen Mitge- Machten Schlachten, und als sie hören, daß wir bei spichern. Eolombey und Gravelotte ihre Gegner waren, erheben sie sie) und nehmen zum Zeichen ihrer Hochachtung, die Kopsoedeckungen ab Wir leeren auf ihr Wohl unsere Glaser und gehen dann zum Diner in dcS Hotel de Metz, Spät abends kehren wir ,n unser Quartier zurück.

Vermachtes.

kf. Napoleon u n d General Merveldt. Eine sonderbare Fügung be§ Schicksals hat in den Tagen der Völker­schlacht beit österreichischen General Merveldt zum Gefangenen Napoleons gemacht. Dieser Mann hat im Leben Napoleons eine ganz merkwürdige Nolle gespielt. Ain 16. Oktober >var es seine Kurzsichtigkeit, die ihit in die Hände des Feindes führte: gegen 5 Uhr glaubte Merveldt von deut Rittergnte Dölitz aus aus dem anderen User der Pleiße Ungarn zu erkennen; Oberst von Wol- zogen und Fürst Liscklenstein machten ihn zwar darauf aufmerk­sam, sie hielten die Truppen für Franzosen, Gras Merveldt aber überschritt doch den Fluß und wurde mit einer heiligen Salve etiipsangen. Merkwürdigerweise ivurde er voit keiner, einzigen Kugel getroffen und wurde völlig unversehrt durch die Mann- schasten Ponjatowskys zu Napoleon geführt, der sich bei seinen Garden in der Nähe von Dösen befand. Napoleon begrüßte den General als alten Bekannten und ttahm ihn freundlich auf, beim er bachte wohl barem, baß dieser General es gewesen ivar, mit dem er den Frieden von Campo Formio abgeschlossen hatte, der seinerzeit den von Napoleon im Auftrage des Direktoriums unter­zeichneten Friedensvertrag mit Oesterreich nach Wien überbracht hatte und der ihm in der Nacht nach der Schlacht von Austerlitz die Waffenstillstandsvorschläge des Kaisers von Oesterreich über­mittelt hatte. Napoleon war fest davon überzeugt, sein guter Stern habe ihm den General Merveldt abermals in den Weg ge- führt, und er würde durch feine Vermittlung sein Ziel erreichen. So schickte er ihn als Unterhändler zum Kaiser Franz, allein be­kanntlich wurden Napoleons Vorschläge nicht angenommen; sein Stern war im Untergehen.

* Ist der Ohrwurm nützlich? Dem Ohrwurm wird allgemein ein ziemlich ausgedehntes Sündenregister vorgehalten. Er soll schlafenden Kindern in die Ohren kriechen und dort bös­artige Entzündungen verursachen; er soll in Obstgärten großen Schaden anrichten, da er Blüten und Früchte annage. Gelegent­lich hört man sogar die .Meinung, daß Früchte durch ihir direkt vergiftet würden. Mit all diesen Vermutungen ist nun, ivie die

Natur" berichtet, durch Versuche Tormanns aufgeräumt worderk. Er hat mehrere dieser Tiere längere Zeit in Gefangenschaf« gehalten und ihre Lebensweise genau studiert. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Ohrwürmer sich nicht von den vorgesetzten! Blättern, Blüten und Früchten nährten, sondern stets Fleisch- nahrnng vorzogeu. Auch die Freßwerkzeuge deuten darauf hin, daß sie Fleischfresser sind. Nur in ganz seltenen. Fällen haben sie sich an Pflanzennahrung versucht. Aus dieser Beobachtung läßt sich schließen, daß der Ohrwurm auch im Freien Fleischnahrung vor­zieht, und daß er sich wahrscheinlich von kleinen Kerbtiere»>- Maden, Larven und Eiern nährt. Er Mrd also, im Gegensatz zu der bisherigen Ansicht, zu den nützlichen Garteninsekteu, als Vertilger von Obstfeinden zu zählen sein.

* Ein taktloser Bursche.Ich will Ihnen gestehen," sagte sie,daß ich älter bin als ich aussehe. An meinem nächste» Geburtstag werde ich 31."Wirklich?" erwiderte er.Ganz ge­wiß würde niemand vermuten, daß Sie mehr als 29 sind."Das ist das letzte Mäl gewesen," sagte sie, als er gegangen war,daß ich zu so einem taktlosen Burschen nett war." ,

* Unverdiente Kränkun g.Was für eine graziöse Tänzerin ist doch Ihre Tochter!" sagte in höchstem Entzücken der junge Manu zu ihrer Mama.Mein Herr," antwortete die Mama entrüstet,was fällt Ihnen ein! Es ist schon verschiedene Jahre her, daß die Grazie beim Tanzen Mode war." ~

* Ein schwacher Ersatz.Glauben Sie, daß Ihre Fra» nun glücklich fein wird, wenn sie das Stimmrecht erhält?"Ich fürchte, sie wird es nicht fein," 'meinte Mir. Meekton.Wisse» Sie, bloß so zu der Urne gehen und einen Stimmzettel rein tun, das wird nur ein schwacher Ersatz fein für die schönen Dinge, bte sie jetzt Hat, die großen Straßendemonstrationen, von den Bombe» gar nicht zu sprechen. .

Vüchertisch.

Neuerscheinungen der Universal-Bib- liothek Nr. 5591. Das Reichsgesetz über einen einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag und das Besitzstenergefetz. ^ext- ausgabe mit ausführlichem Sachregister. Herausgegebeuvon Karl Pannier. In Leinen GO Pfg. Nr. 55925o94. Weltkmder. Bon Paul und Victor Margueritte. Roman. Autorisierte Ueber- setzung aus dem Französischen von Olga Sigall. Lernen 1 Mark Nr. 5595. Musiker-Biographien. 32. Band: Gruseppe Verdi. Von Max Chop. Nr. 5596. Nachbarskinder und an­dere Novellen und Skizzen. Von Walther Burk. Inhalt: Nach- barsrinder. Der Bittgang am Desiderrustage. Des Herrn Thaddäus Jugendliebe. Die Judenberta. Onkel Oskar. Die Spinne. Knotterchen. Der rote Bindfaden - Dam- merungszailber. Finsternis. Nr. 5597. Ausgewahlte Reden des Lysias. Ins Deutsche übertragen und mit Einleitung und Aninerkiingen versehen von Dr. Curt Hermann. Erstes Bänd­chen. Inhalt: Vorwort. Leben und Schriften des Lysias. Rede gegen Eratosthenes. Rede gegen Agoratos. ^Vertei­digungsrede in betreff des Oelbanms. Nr. 5o98. Das Gluck der Häßlichen und andere Skizzen und Satiren. Von Helene Migerka. Inhalt: Das Glück der Häßlichen. Erne Pilger­schaft. Warum sie sich iricht finden komrteri. Pcuelchre. Unerwartet. Die Sprüche der Dürlacherin. >chre Schütz­linge Der neue Besen. Nr. 5599. Opernbücher. 69. Band: Cosr fan tutte. So machen's alle. Von W. A. Mozart. Komische Oper in zwei Auszügen. Dichtung von Lorenzo da Ponte, bearbeitet von Eduard Devrient. Die Rezitative arrangiert von Wilhelm Kalliwoda. Vollstäridiges Buch mit Dekoratronspsiuien, heraus­gegeben und mit Einleitung versehen von Georg Richard Kriise. Nr 5600. Wildwasser. Bon Paul Grabern. Novelle. Mit einem Bildnis des Verfassers. In Leinen 60 Pfg.

Gitter-Rätsel.

In die Felder nebenstehenber ~1 Figur sind die Buchstaben --bbbb, ec, dddd, eeeee __ eeeee e, g g, h h, i i, 111

1, n n n n n n. r r r r r, s, t t I derart einzutragen, daß die senk­rechten und ivagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Süßschiueckende Früchte.

2, Beliebten Märchendichter.

3. EinenOperettenkomponisteir.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Brautjungfer.

Redaktion: K. Neurath. - Rotzttionsdrnck und Verlag der Brühl'sck-" Universitäts-Buch- und Steindruckereh R. Lang«. Gieße»