lasse ich in

doch zwei gefaßt. In einem befanden sich Briefpakete. In einer Wnfschrist wurde der Finder gebeten», die Depeschen zur Post zu geben. Ein anderer Ballon enthielt 10 000 Briefzettel auf Seideul- Lapicr ohne Umhüllung, bündelweise zusammengeschnürt. Es stellte sich heraus, daß diese Bündel nach Truppenverbänden gesammelt seien, und dgs bot doch manches Interessante. Viele Schreibet gaben ihre Adressen an, welche sich aux die einzelnen Feldlagev bei Metz, Plätze der Korps, Divisionen bezogen, ebenso standen! die Namen der Kommandanten der verschiedenen Forts bann.. Der' sonstige Inhalt war meist unwichtig. Alle Briefschreiber be- «augtcn eine auffallende Ergebung in ihr Los. Nur ein Arzt sprach? die Hoffnung aus, daß ein mit allen Kräften unternommener Aus­fall dem gegenwärtigen Zustand bald ein Ende machen werde. Sonst las man nur die Versicherung, daß es der Armee gut gehe Jtttb daß sie sich halten werde, bis die Befreiung aus .Frankreichs r also von außen komme.

Daß sie in Metz nichtgenügend mit Vorräten versehen" und auch nichtin ausgezeichneter moralischer Verfassung" waren, wie man in diesen Briefen las, dafür erhielten wir täglich schlagende Beweise. Die Kavallerie trieb ihre Pferde vor die Vorposten, damit je dort das etwa noch vorhandene Grünfutter fanden; die Manns­chaften kamen in Massen ebenfalls vor die Vorposten und gruben U den Feldern die Kartoffeln und Rüben aus- Oft genug wurden ie daber durch unsere Schüsse gestört und zurückgetrieben, obwohl Unsere gutmütigen Leute häufig auch nicht schossen. Als ich einmal den Posten meiner Feldwache fragte, warum er nicht schösse, ant­wortete er:Ach, Herr Leutnant, die armen Deubels haben doch sicher riesigen Hunger!"

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Am 26. Oktober morgens 3 Uhr ziehe ich auf Feldwache bei La Planchette vor Montois. Es war stocksinster, die einzige La­terne brauchte die Kompagnie; ich mußte also sehen, wie ich hin­fand. . Es gelang, weil es gelingen mußte. Einen Teil der Leute» l > den Gebäuden der Mühle La Planchette zurück, gehe mit den anderen selbst die drei Untcroffizicrpostcu ausstellen. Stock­finster, strömender Regen! Um die abzulösendcn Posten zu finden, hen ich mich von einem Mann der alten Wache führen. Der dritte Posten stand am Bach und hatte einen Doppelposten auf dem jen­seitigen Ufer.

Die Feldwache lag tu dem sehr zusammengeschossenen Gebäude der Mühle, Türen und Fenster fehlten, Möbel waren nicht vor­handen. Die Sitzgelegenheiten bestanden aus den herausgenomme- neu Dielen, welche auf aufeiuandergelegte Mauersteine gelegt wa­ren. Gott sei Dank war aber ein großer Kaupln bariit, in dem die Leute ein gehöriges Feuer unterhielten. ,

Draußen tobt ein orkanartiger Sturm, der uns den Qualm üt die Stube treibt. Bei Tagesanbruch gehe ich meinen Posten revi­dieren. Da vorne ist freilich viel zu sehen.1 Zunächst überall Grä- 1er von Gefallenen wir hatten hier am 31. August und 1. Sep- ember (Roisseville) gefochten auch viele Ausrüstungsstücke. ramösische und deutsche liegen noch Herum. Ein an einem ilbhang liegendes Grab ist vom Regen so aus- und abgewaschen, daß die Leiche zum Teil bloßgelegt ist. Von den mich begleitendsit Leuten lasse »ich die Erde wieder aufschaufelu; als wir zum Schluß ein stilles Gebet sprechen, fliegen uns einige Kugeln uni die Ohren. Der französische Posten konnte uns bei unserer Tätigkeit sehen.

Die Leute schicke ich jetzt zur Feldwache zurück und gehe zum Unteryffizierpostcu an der Chaussee. Als ich dort anlauge, sehe ich mehrere Menschen Zivilisten von Metz her kommen,- die uns eifrig zuwinken. Wr Hatten aber Befehl, niemanden; herauszulassen; ich stelle mich also mitten auf die Ehaussee und! Winke ihnen, zurückzugehen. Kaum flehe ich auf der Ehaussee, schießt! her französische Posten mehrere Male auf mich, sodaß ich mich schleunigst hinter einen Baum stelle. Da nun die Leute doch weiter geben befehle ich dem Posten zu schießen, aber nicht zu treffen; das half, sie zogen sich zurück.

Eben bin ich auf meinem Wege beim anderen Posten angekom^- men, da höre ich, daß der Posten an der Chaussee schon wieder schießt, und sehe, daß etwa 10 französische Reiter höchstens 200 Schritte vor unserer Postenlinie her von der Chaussee nach Süden 'abbiegen. Auf das Schießen meiner Posten reiten sie langen Ga­lopp, dann bleiben zwei zurück, die Pferde stürzen, die Reiter machen sich zu Fuß in der Richtung auf Metz davon. Bei der Rück­kehr zur Feldwache finde ich von meinen Leuten ein bescheidenes Mahl bereitet vor, sogar auch etwas Wein, sodaß ich mich stärken und am Feuer trocknen kann.

Gegen 31/2 Uhr nachmittags höre ich bei meinem Posten wie­der schießen, und als ich trotz Regen zu dem Untcroffizierposten an der Chaussee komme, sehe ich ein eigenartiges Schauspiel. Zwei Bauernwa.gen, mit je zwei Pferden bespannt, auf jedem Wagen eine Stange mit einem weißen Tuch daran, fahren im Trabe auf der Chaussee auf uuls zu; als sie auf 200 Schnitte an den, Posten Heran sind, fangen die französischen Posten an, wie toll? auf uns zu schießen, infolgedessen schießen nun auch meine Posten, die Wagen machen kurz Kehrt und rasen zurück. Insassen habe ich Wf dem Wagen nicht entdeckt; sie müssen wohl darauf gelegen ha­ben; ebenso ist mir der Zweck des Manövers nicht klar geworden.

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Drinnen in bi er Festung mußte es schon recht traurig aus­sehen. Die Gerüchte von einer Kapitulation mehren sich. Der

Generalftabsosftzter Major v. W. von unserem Korps wird nach Frescatt berufen, um Über die Einzel Heften der Kapitulation mit­zuberaten. Trotz aller friedlichen Gerüchte wird aber gegen Abend bei den Vorposten Heftig geschossen. Am 26. Oktober morgens 8 Uhr kommt endlich die Nachricht, daß Metz kapituliert! habe . Wir bekommen Befehl, daß bis 11 Uhr vormittags abge- kocht sein muß und daß wir in die Alarmstellung zu rücken haben. Obwohl nach dem, heutigen Befehl um 12 Uhr nachts Feindselig- ketten etugestellt sind, hört man vorn noch immer schießen, viel-l fach wohl als Warnung für die Leute, die aus Metz heraus wollen. Bet solcher Gelegenheit wird leider auch ein Franzose erschossen. Nach meinem Regimentsbefehl ist die Wachsamkeit aufs äußerste zu verschärfen. Während der Nacht wird auch der Uuterosfizier- posteu angegriffen und zurückgeworfen; gegen Morgen hat er aber ferne Stellung wiedergenommen. Am 29. morgens besetzen wir Petit Montoy, das so zusammengeschossen to|ar, daß esmaisoir bombards genannt wurde. Wir sind jetzt fortgesetzt in unseren Alarmstellungen; es stürmt, der Regen fließt in Strömen.

Gegen Mittag schickt der Unterossizierposten vier Ueberläufer 1 Offizier und 3 Gemeine, die trotz allen Schießens bis an Unsere Posten herangekommen sind. Wir füttern und tränken sie zunächst mit dem, was wir haben, nehmen dann den Offizier mit in unsere Stube und lassen ihn erzählen. Er sagt, die VeI- pflegnng für Mensch und Pferd sei seit langem- so jammervoll/ daß es auf keinen Fall hätte länger dauern können. Die Kapitw- lation von Sedan hätten sie schon am September erfahren!/ unsere Kreuzzeitung hätten sie immer im Lager gehabt. Bazainä sei ein Verräter, mit der jetzigen Regierung werde sich kein ein­ziger Soldat einverstanden erklären. Vdn den Vieren ist fceai Elsässer ein Gardechasseur der Verbissenste; er sagt, sein» Schwadron sei einmütig entschlossen gewesen, zu siegen.

Am Nachmittag sehen wir auf dem Fort St. .Julien die preu­ßische Fahne; dann kommen, begleitet und bewacht von unseren Dragonern, große Trupps Gefangene hinter den Forts heraus'; sie marschieren in der Richtung auf unser 1. Korps. Sie gehören dem dritten französischen Korps an, während die auf uns Zukom- menben Nationalgarden sind. Von einem Vorbeimarsch mit flie­genden Fahnen und klingendem Spiel ist aus Wunsch der frato- zösischen Generale Abstand genommen, weil sie für die gute Hal­tung ihrer Leute nicht glaubten einstehen zu können.

Bis zum Dunkelwerden bleiben wir in unfern Stellungen und sehen trotz strömenden Regens die iwitere Entwicklung deS Dramas. Die Gefangenentransporte sind endlos.

Nachmittags reite ich nach Belle-croix. Hier standen die äußersten französischen Vorposten; da ist es mir natürlich sehr interessant, von hier aus unsere Stellungen anzusehen. Nach! einiger Zeit kommen noch mehrere französische Offiziere zu Pferde. Wir begrüßen uns und bleiben an der Chausfee halten. Sehr bald kommen nun die von unfern Dragonern geleiteten Ge­fangenentransporte vorbei.

Es spielt sich hier manche tragische Szene ab. Einzelne von den Soldaten nehmen tränenden Anges von den Offizieren Ab­schied und reichen ihnen die Hände, andere zerschlagen auf den Steinen ihre Hacken und Spaten, welche man ihnen gelassen. Die Waffen hatten sie schon am Fort ablegeu müssen; wieder andere drohen ihren Offizieren mit der Faust und fluchen laut:; traitre!",eochon!" und andere liebenswürdige Worte Höch mau fehr häufig, ja sie spucken sie sogar an. Die wüstesten Verwünschungen gegen Napoleon, Bazaine und ihre Führer über­haupt ertönen, namentlich auch von Unteroffizieren. Alle machen einen sehr verbissenen ober niedergeschlagenen Eindruck; z'M größten Teil sehen sie elend und verhungert aus.

Abends 6 Uhr marschieren wir bet strömendem Regen nach Ogp, finden hier geradezu schreckenerregende, schnrutzige Quartiere. Dabei hören wir, daß unsere Division dazu bestimmt ist, zum Abtrausport die Bewachung der Gefangenen zu übernehmen und später Thionville und die anderen kleinen Festungen im Norden zu nehmen.

Unsere Freude an dem Fall von Metz wird durch das Letztere natürlich sehr getrübt. Wir haben doch wirklich schwer ausge­halten und geleistet und hofften nun auf einen frischen, fröh­lichen Bewegungskrieg. Während sicher ganz Deutschland daheim in hellen Jubel ausbricht, sitzen wir düster, durchnäßt und schweigend in unserm elenden Quartter bei einer trübe brennenden Lampe und haben nicht einmal einen Ofen oder Kamin, um unsere Sachtn zu trocknen. *

Den nächsten Tag Ruhetag!! benützen wir zu dreien zu einer Fahrt nach Metz. Der Korps-Auditor gab uns seinen Wagen; trotz des wüsten Wetters treten wir die Fahrt an. Es wäre doch auch wirklich hart gewesen, wenn wir dieJungfrau Metz", um die wir fast drei Mbnate geworben, .nicht einmal zu sehen bekommen hätten.

Die Fahrt war recht mühsam, aber hychinteressant. Endlos- Wagenzüge, Männer, Weiber, Kinder, welckje vor uns nach Metz geflohen waren, und jetzt wieder ihre Heimatstätten aufsuchM- Wie werden sie sie zum Teil wiederfinden?! Als wir bet Petit Montoy vorüberkamen, sehen wir, daß soeben der Besitzer mit Familie dort angekommen ist. Es macht einen tieftraurraeN, er­greifenden Eindruck, wie sie ihre verwüstete, zusammengefchossene