Donnerstag, den 6. Februar
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Von Frühling ju Frühling.
Roman von Erich Eben st ein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
XIII.
Sie saßen einander gegenüber in Frau Bettinas Gemach an einem der drei großen Fenster, welche in den Garten Bingen.
.. war geräumig, luftig und gegenwärtig voll Sonne, dreses Gemach, welches alles war: Salon, Wohnzimmer und Schlafraum.
In einer Ecke, nahe dem Kamin aus rotem Porphyr, stand hinter goldgestickten japanischen Wänden das Bett. Gegenüber am Pfeiler die rote Plüschgarnitur mit Eben?- Holzrahmen und Perlmuttereinlagen, -die Meta von Her- minenruhe aus kannte. Darüber hing in leuchtendem Far- benzauber ein echter Rubens.
Ein paar Palmen wölWen sich über den großen, schmucklosen Schreibtisch, der in des alten Petermanns Arbeitszimmer gestanden, hatte.
Links von der Tür wär lein Piano und gerade gegenüber in der Nische des dritten Fensters standen Frau Bettinas Nähtisch und Armsessel, der Platz, an dem sie den größten Teil des Tages zubrachte und §it welchem sie mut auch Meta geführt hatte.
. „Es plaudert sich besser hier als dort auf dem Sofa," meinte sie lächelnd, „und wir haben doch so viel zu plaudern. Du wirst dich wundern, wie schwatzhaft ich geworden bin."
Meta wunderte sich schon jetzt. Dieser weiche Ton, in dem Frau Bettina sprach, und der warme klare Blick, der so gütig auf ihr ruhte, waren ihr völlig neu.
„Wenn ich geahnt hätte, Mama, daß du mich noch ein wenig lieb hast — wie gern wäre ich schon längst gekommen! Aber ich dachte —"
„Ja, ja," Frau Bettina streichelte Meins Hand und ein kleines Lächeln umspielte ihre blassen Lippen, „ich wollte nichts von dir wissen, seit . . . und das wär töricht von mir! Ich hätte es ja begreifen müssen! Siehst du, es ist alles so merkwürdig einfach, wenn man alt wird. Nur, daß man's früher nicht sehen kann . . . aber nach und nach fallen die Schleier, welche entern den Blick trüben, und auf einmal ist alles nmbunt klar und einfach. , Div ist viel Unrecht geschehen in unserem Hause — willst du versuchen, es zu vergessen?"
„Es ist längst verblaßt, Mama. Aber das Gute, das ist gewachsen in der Erinnerung . . . und ich meine, dafür kann ich dir gar nie genug danken. Wenn dir wüßtest, wie mich hier bet dir-alles anheimelt! Wie dankbar bin ich, baß ich kommen durfte . . ."
Frau Bettina hob den Kopf unb blickte ihre Schwiegertochter lange an. Dann nickte sie.
„Freilich — das ist auch eine der Merkwürdigkeiten! des Lebens, daß. der Mensch nie etwas Fertiges ist, sondern unaufhörlich wird ... er mag so alt werden, wie er will, immer noch ist er im Werden. So kommt es dann manchmal, daß zwei, die sich früher nicht finden konnten, in irgend einem Stadium dieses Werdens einander plötzlich^ ganz nahe kontmen. Ich habe mich lange aller Welt verschlossen und jetzt ist mir, als müsse ich sie suchen, als hätte ich, vieles versäumt abseits von ihr. Dir aber äst es, als hättest du mitten drin etwas versäumt unit müßtest es nun abseits suchen. Dabei müssen wir uns begegnen."
Meta staunte immer mehr.
„Wie gut du itt anderen zu lesen verstehst, Mama!" -
„Jetzt erst, mein Kind! Ich wollte, ich hätte es früher immer gekonnt! Da verstand ich mir, in der Seele eines Einzigen zu lesen . . . und als mein Mann tot wär, meinte ich, mit 6er Ehe sei nwn auch alles Leben -für mich zu, Ende. Denn eine wahre Ehe ist wahres Leben. Heuks glaube ich, daß eine wirkliche Che -— tote sie zum Beispiel Konrad und mich verband, mit dem Tode des einen nicht zu Ende ist — daß sie überhaupt nie zu Ende sein kann."
Wieder huschte ein kleines Lächeln über ihr Gesicht-, während ihr klarer Blick unverwandt auf Meta ruhte.
~ „Du brauchst nun natürlich nicht zu denken, daß ich Spiritistin bin. Ich meine das ganz ohne Hintergedanken. Es gibt ein Einswerden im Geiste, das nie erlischt. -
Aber nicht davon wollte ich heute zu dir sprechen, Meta, sondern von realen Dingen. Es freut mich, daß du gekommen bist und wir es in Ruhe besprechen können. Sichst du, als ich früher meinte, dir sei Unrecht geschehen in unserem Hause, dachte ich nicht bloß an seelisches Unrecht. Du hast Mki geheiratet in der Ueberzeugung, eine glänzende Partie zu machen —" i
„Nein, Mama. Ich glaubte, ihn auch zu lieben! Ich wollte so ehrlich ihn lieben, auch dann noch, als ich sah—"
„Und du konntest nicht! Ich glaube dir, Meta. Heute begreife ich es ja ganz gut. Er war ein Lebemann, zynisch und frivol — du ein reines, junges Wesen voller Ideals — es war nicht möglich. Vielleicht wäre es später besser geworden, aber darüber zu grübeln, hat heute keinen. Sinn. Heute hast du ein Neues Glück gefunden, ein wirkliches hoffentlich . . ."
Meta hob plötzlich den Kopf und sah die alte Frau fest an. i
„Nein, Mama. Du sprichst so gut zu mir — -ich will dich nicht belügcsn. Es ist kein Glück." i
„Nicht? Und ich dachte, es sei eine alte Liebe. . .
Nur so begriff ich es..." i
Meta wurde rot und ließ den Kops wieder tief auf dis Brust sinken.
„Ich habe Montelli Nie geliebt. . ." sagte sie leise, „ich nahm ihn in tiefster Verzweiflung. Enttäuscht, verbittert, geängstigt vor der großen Einsamkeit des Lebens, die ich nie ertragen zu können glaubte. Trotzdem wollte ich


