Ausgabe 
6.1.1913
 
Einzelbild herunterladen

»m < »»* u-

<» L<

12

(1311) vor.

(Fortsetzung folgt.)

Grundbesitz bedacht worden waren. In diesen, .sowie, in einigen anderen Urkunden kommt um das Jahr 800 der Ort Achazz, Achizuvila (891), Echezila (817), Echezil (1235) und Echtzil

Berlin bei Nacht in englischer Beleuchtung.

Das berühmte Berliner Nachtleben beginnt dem nächtlichen Paris den Rang abzulaufen das ist das Resümee der Ein­drücke, die der englische Journalist Frtedrw William Wile bet der Beobachtung des dem Anmsement zugewandten Berlins ge­macht hat. Er spricht in der Daily Mail von einer geradezu plötzlich erwachten Mode des Amüsements und selbst die inter­nationalen Bergnügungsjäger begirlnen immer mehr, Pans un­tren zu werden. , c o .. .

Jener gründliche Kenner spannenden Vergnügens, der junge Engländer, hat aus seiner Suche nach nächtlichen Novitäten den Montmartre verlassen und zieht in stetig wachsenden Scharen 'zur Friedrichstraße. Und er wird in Berlin ein ebenso gern ge­sehener Gast, wie er es in Mvulin Rouge und den Folies Bergere gewesen" Aber die größte Armee der fröhlichen Nachtgänger stellen doch die Berliner. Daslustige" Berlin ist lustiger als je. 'Es gibt heute in-der Reichshauptstadt doppelt so viel Nachtlokale, die nur zwischen Mitternacht und Morgengrauen ihre Pforten öffnen, als noch vor zwei Jahren: und jedes neue Etablissement, das eröffnet wird, scheint seine Vorläufer aii Große und Prunk tzu überbieten und steigt in erstauirlich kurzer Zeit zu Dividenden- zahlungen empor. Hat doch Berlin neuerdings sogar seine Nacht- zeitung, die abends, gegen Vs 11 Uhr erscheint und aus die ge­waltigen Mengen der aus dem Theater in die Restaurants und Cafes flutenden Bergnügungsfreunde spekuliert.Man kann sagen, daß die Berliner es mit ihrer nächtlichen Lustigkeit ernst- nehmen und selbst beim Amüsementbei der Arbeit" sind. Demi das Berliner Nachtlebeir ist die organisierte Frivolität. Ihm fehlt noch völlig jene erlösende Ursprünglichkeit der Pariser. Es istsystematisiert". Der Berliner stürzt sich mit einein Arbeits­programm in den Strudel der nächtlichen Vergnügen. Er hat sich gesagt:Ich will das kolossalste und vollkommenste auf dem Gebiete lustiger und vergnügter Teufeleien feilt, das vollkommenste, was die Welt je gesehen". Und da er gründlich ist, widmet er sich auch rastlos der Erfüllung seines Ehrgeizes. Erfahrung ver­vollkommnet und ich bin fest überzeugt, daß eines Tages auch der Berliner ein anmutiger und Mangloser Flaneur sein wird. Heute freilch ist er von diesem Ideal noch so weit entfernt wie Berlin von Honolulu." Ein amerikanischer Humorist behauptete einst, der Berliner scheine zum Essen und Trinken organisiert. Das war vor fünf Jähren. Heute ist der Berliner in erster Linie für das Nachtleben organisiert.Und das ist nicht nur sein Ziel, das ist auch ihr Ziel, denn die Gemahlin des Berliners strebt mit dem gleichen glühenden Eifer wie er dazu, die Dinge auch bei Nacht zu sehen. Sie entfaltet eine verblüffende Fähigkeit, wach zu bleiben und 5 Uhr morgens ihre sechste oder siebente Erfrischung zu sich zu nehmen. In keiner Beziehung hat die Emanzipation derHausfrau" eine solche Vollkommenheit erlangt." Das äußert sich schon int gesellschaftlichen Leben.

Kopfschüttelnd berichtet der Engländer, wie man in Berlin auf 8 Uhr zum Diner geladen ist.Wenn du bann verspätet um Uhr kommst, bist du her erste auf dem Schauplatz. Die Eingeweihten (kommen erst zwischen 9 und V>10 Uhr und,nicht vor 10 Minuten vor 10 Uhr reicht man endlich der Tischdame den Arm, um sie zur Tafel zu geleiten. Die Quantität spielt bei deut! modernen Berliner Diner eine geringere Rolle als die Qualität, die ganz ausgezeichnet ist. Aber höchst wahrscheinlich wirst du nur um Mitternacht bei deinem Achttchr-Abeiidessen sitzen und gegen Val Uhr erreicht (man schließlich den Kaffee utid die Zigaretten. Wenn du fremd bist, glaubst du vielleicht, daß du etwa in einer Stunde nach Hause gehen wirst. Dann aber um Vs2 Uhr nachts beginnen erst die Schwierigkeiten. Die deutsche Gastgeberin will nichts von einem Fortgehen hören. Du seist gelangweilt, sagt sie dir, sonst würdest du nicht daran denken, sofrüh" zu gehen. Wenn du nicht auf einer deutschen Gesellschaft die ganze Nacht über bleibst, beleidigst du deine Gastgeber und wirst sicherlich von ihrer Einladungsliste gestrichen." Der Berliner Abend be­ginnt um 10 und endet nicht vor 4 Uhr früh.

vermochte».

* Die Volksbildung in R nßland. Man schreibt uns: Während die wissenschaftliche Bildung in Rußland von Jahr zu Jahr tieter sinkt, befindet sich die Volksbildung in so erstaunlicher Entwickelung, daß die Zahl der Analphabeten, die bis vor kurzem aus etwa 60 v H. beziffert wurde, in absehbarer Zeit erheblich fallen iniiß. Das Volksschulwesen in Rußland hat sich in den letzten fünfzehn Jahren ganz außerordentlich gehoben. Die russische Volksschule wurde in der zweiten Diilite des neunzehnten Jahr­hunderts gegründet, als das Manifest über die Aufhebung der Leibeigenschaft erschien. Bis zum Jahre 1860 besaß Rußland nur

4077 Volksschulen. Als im Jahre 1864 die Semstwo gegründet wurde, stieg die Zahl gegen Ende der sechziger Jahre aui 22 770 Schulen mit 1140 <»15 Schülern. Unter Alexander III. nahm öie Volksschule einen weitete» Aufschwung; zu Ende seiner Regierung gab es bereits 43 o85 Schulen mit 2 970 000 Schülern. In der gegenwärtigen Regierungsevoche förderte die Regierung das Bit» dungswesen des Volkes auf mannigfache Weise. So wurde den von der Semstivo eröffneten Schulen eine jährliche staatliche Zu­wendung von 3'0 Rubeln für je 5 i zuteil und ebenso bewilligte die Krone Zuschüsse zum Gehalt der Bolksichullehrer. Es gibt zuizeit 100 295 Elementarschulen mit 154 177 Lehrern und Lehre­rinnen und 6 180 510 Schülern; von diesen Schulen sind 56 910 in der Regierungszeit des gegenwärtigen Zaren eröffnet worden. Tie Geiverkselementarschulen wuch en in der gleichen Zeit um 1525 Anstalten tmb beziffern sich jetzt im ganzen auf 2748. Tie wirt­schaftlichen Verhältnisse der Lehrer lassen allerdings noch sehr viel zu ivünjchen übrig; hier ist schleimige Verbesserung dringend notivendig. Tnrcbschnutlich stehl sich ein russischer BoUsk lml- lehrer aui 344 Rubel Grundgehalt. Nach fünf Jahren erb^lt er 3ti9 Rubel, nach zehn Jahren 441 und als Maximalgehctrt 540 Rubel.

* Die Züchterin der Polar Hunde. Der Ansturm aus die Pole durch so zahlreiche Forscher hat einen merkwürdigen Frauenberuf gezeitigt: Airs Johnes Scott in Crove Park, einer Londoner Vorstadt, züchtet Eskimohunde zum Berkatif mi die Polar- fahrer. Sie geht dabei mit derselbeir Sorgfalt vor ivie nur die Hundezüchter, die die verwöhnten kleinen Lieblinge iür die vornehmen Damen der Gesellschaft heranziehen. In ihren Hundehütten hat sie eine Anzahl sorgfältig ausgewählter Eskimohunde von reinstem Blute, deren Sprößlinge vom ersten Tage an in jeder Kleinigkeit überwacht und für ihten künftigen Beruf vorbereitet iverden. Airs. Scott gibt ihren Hunden keine Fleischnahrung außer Pemmtcan, dem harten Fletschknchen aus den besten Teilen der Tiere, der »ür die Ertiährung der Polarretienden eine so große Rolle spielt, und getrocknetem Fisch, den sie aus Norwegen kommen läßt. Ein großer Teil der Nahrung besteht ferner aus besonders vorbereitetem Biskuit. Die Tiere find schneller an neue Herren zu gewöhnen als die Eskimohunde und sind übcrhattvt gut gezogen, so daß sie nicht so leicht die Nahrungsvorräte der Expeditionen in Gefahr bringen wie die wild ansgeivachsenen. So ist es verständlich, daß Mrs. Scott guten Absatz findet und schon für eine Reihe arktischer Expeditionen die Hunde geliefert hat.

* Folgen der Aufklärung. Onkel Jack:Also der Storch hat Dir heute. Nacht ein kleines Brüderchen gebracht, Bobbie?" Der kleine Bobbie (verächtlich):Du tätest gut, mal Morgen mit in die Schule zu 'kommen und eine Stunde sexuelle Aufklärung bei uns mitzmtehmen."

* Wer zuerst kommt . . . Die junge Schöne hat die höchste Sorgfalt auf ihre Toilette verwendet und betritt nttti den Salon, wo sie ihr kleines Schwesterchen ans dem Schoß eines jungen Herrn findet.Aber, Mabel," ruft sie entrüstet. Sck)ämst Dtt Dich denn nicht? Geh sofort runter!"Was willst Du denn?" murrt die Kleine,ich bin doch zuerst oben gewesen." __________

Schachaufgabe.

Schwarz.

abedefgh

abedetgh

8

8

6

6

5

5

3

3

2

Weiß.

Weiß setzt mit bein dritten Zuge Platt. .Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Tubercnltn Hunte - Eutncres Oicnjctiinu Ourhai» Otto Liegenwnriu;

Theodor 'Di o m in s e n.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.