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SVifia wir bellt öeünatborf! Da ftftflt eins beit $eife( oto tonnt ober nit! Eure Nickel müßts zaU'n. wann Jyr Serüber nrögt! Oder bleibts drüben! Pnnklnml
Das war dem Schützenpoldl ein freundlich lindernd Oel ttt s«ne Munden Er dankte glückstrahlend, wahrend der Bauer wieder aufsprang und mit der unverkürzten Brandkassensumms tml Beutel, weiterftt'hir ... , .
Die Brücke über die Trutz aber heißt seitdem noch immer dis „Nickelbrücke"! . . .
was die Bilder Ludwigs XVII. erzählen.
In einem stattlichen Bande gesammelt werden jetzt zum erstenmal in Paris die gesamten Bildnisse Ludwigs XVII. herauf gegeben, des unglücklichen Komgskmdes, . das die Wogen der Revolution als siebenjährigen Knaben aus einem Leben voll Glanz und Glück jäh in das Gefängnis des Templci trieben, nm es dann unter rohen Brißhandlungen etn^l ftuhen Tode m die Arme zu treiben. Francois Laurentte hat alle die Poriratch Bilder, Stiche und Zeichnungen aus jenen Sturmestagen zu /mem wertvollen ikonographischen Werke vereint, das .fast 400 MNi grohem Teck bisher unbekannte Darstellungen, vereinigt und so rm Bilde noch einmal die düstere Tragödie dieses Kindes anfleben lassen.
Hier sieht man die Spielgeräte, die Abbildungen der Anzüge, die der Knabe in -Versailles trug; in. den Portrats aber und indem erschütternden Veränderungen, die sie in der Zeck der «chit.ckens- Herrschaft erfahren, spiegeln sich die Leiden de.s kleinen ^udwig deutlicher und schrecklicher als Worte sie zu schildern vermochten. Noch die Bilder aus dem Jahre 1790, zahllose Stiche und Gravüren, zeigen einen aufgeweckten kleinen- Zungen mit lebhastem Blicke, der mit vor fröhlicher Aufregung geöffnetem Munde ferne kindlichen Spiele treibt. Das volle bionde .Haar fallt ungekürzt bis aus die Schultern, es ist in der Mitte gescheitelt und mr- deckt sorgsam die Ohren, die in der Tat von ungewöhnlicher Größe waren und in ihrer unregelmähigen Form mit Recht als ein Schönheitsfehler empfunden wurden. Im Winter darauf werden die Haare geschnitteii und schon bte sagenden Bilder, die ans dem Jahre 1791 stammen, sind von der Wetterwolke uur- düstert, die sich über der königlichen Familie nnaushaltfam zusammenzieht. Wo das Mud mit seinen Eltern zusammen abgernldet wird, werden König und Königin bereits der Stofs, roher Karikatur, aber vor dem Kinde scheut der Hohn noch zuriick und seine fröhliche Unschuld wird mich von den Zeichnungen dieser Zeck respektiert. Doch schon gibt man der Kleidung des Kindes den Üniformschnitt der Nationalgarde. Das Schicksal holte zum Schlage flUs, 1792 schleppt man das Kind mit seinen Eltern m den Kerker, und nun vollziehen sich mit furchtbarer Plötzlichkeit int Wesen und Aussehen des kleinen Prinzen jene Wandlungen, die die Bernichtung dieses jungen Menschenlebens anbahnen. Aus den Porträts der folgenden Zeit ist das Kind kaum noch wioder- zuerkennen, man sieht, Ivie die Leiden den kleinen Körper erschüttern, die Brust beginnt einzusinken, die Nase wird iprtz und der Kopf erscheint für den schmalen Körper fast zu groß. An Stelle der niedlichen Kindertracht der vorhergehenden Jahre erscheint die Jakobinerjacke, eine Anschwellung am Kopfe tritt hervor, und die beiqcgebenen Unterschriften, bte das 8sahrtge Kind unter die Protokolle seiner Vernehmungen setzen mußte, zeigen das Entsetzen und die an Wahnsinn grenzende Angst des Knaben.
Die folgenden Bilder lassen dann deutlich erkennen, was der Schuster Simon aus seinem Pflegebefohlenen gemacht hat: erschüttert blickt man in ein Kindergesicht, das von Entbehrungen, Qualen und Verkommenheit stumm erzählt. Eine ärztliche Behandlung, die man jetzt, immer noch widerwillig und zögernd, deut Königskinde zubilligt, kommt zu spät. In den letzten Darstellungen liegt ein Hauch dumpfer Traurigkeit und müder Apathie auf den Zügen des kleinen Ludwig, der Tod hat ihm schon die Hand auf die Schulter gelegt und erlöst an einem, Junitagc den 10jährigen Märtyrer von seinen letzten Qualen.
Aus einer lfterarischen Damensymde.
Ter Verein „B e r l i n e r P r e s f e" hat als literarische Damenspende zu seinem diesjährigen Pressefest (am 25. Januar) einen „M u s e n - A l m a n a ch 1913" herausgegeben, ans dessen buntem Inhalt hier einige Proben wiedergegeben seien:
Die „Damenspende" ist ein alter Brauch, Zu dem ich jährlich gern mein Verslein sende. Wer tat es nicht? Ist unser Dasein auch Doch weiter nichts als eine Damenspende.
Max Bernstein.
*
Türkenkrieg
Der Regen strömt herab i» schweren Bächen, Im Lehm« klebt die Speiche jedes Rades. Der schmerzlich-grüne Leichenfluß des HadeS Scheint sich zu wälzen durch die senchten Flachen- Da rollt empor ein Rad mit Donnerspeichen, Als ob es aus der Unterwelt erwach!«, Wo Blut umspülte der Geschütze Achse, Und knirscht vernehmbar über morschen Reichen.
O Krieg, du bist der Menschheit Dornenkrone. Durchzuckt von Wehen ewiger Geburten, Gekesselt von des Todes Eisengurten, Hängt sie am Kreuze gleich dem Gottessohn«.
Karl Blechtreu.
Ich kann in dieser finstern Zeit Nicht tanzen sehn —
Ich seh da draußen sprungbereit Tas Schicksal stehn.
Die Welt, des Grausens längst entwöhnt. Birgt ihr Gesicht
Und tanzt und schlottert, tanzt und höhnt: „Ich seh dich nicht!"
Das Schicksal steht bewegungslos Und schauerlich —
Sein Auge nur spricht stumm und groß: „Ich sehe dich" . . .
Und all die krampsige Lustigkeit Muß jäh verwehn . . .
Ich kann in dieser finstern Zeit
Nicht tanzen sehn. * Walter Bloem.
So lang sich einige ehrliche Bekannte finden, die uns beim Wiedersehen sagen: „Sie haben gealtert", sind wir noch jung. Wenn aber jeder Bekannte uns mit den Worten begrüßt: „Nein, wie gut Sie auZsehen, förmlich jugendlich!" — dann sind wir wirklich alt. Marie v. Ebner-Eschenbach.
Noch einmal...
Noch einmal kindlich die Hände kalten Und fühlen: was ich erflehe, das wird. Das Leben für einen Maientag halten, In den fein Wolkenschatten irrt. Noch einmal sagen: die Welt ist groß, Und mein ist sie doch ganz allein Noch einmal himmlisch rücksichtslos Und dumm und voller Fürwiy sein. Noch einmal glauben: sie ist die Eine l Und wenn es auch bald eine andere ist — Noch einmal liegen am Wiesenraine Und leise bitten, daß sie mich küßt--
Ich träume es in den Zigarrenrauch Und spür' mich von Fitttgen getragen; Da kommt der gräßliche Doktor: „Auch Das Rauchen muß ich dir untersagen." Fritz Engel.
Die Zeitungsleser au den Kunstkritiker, ^Auf deine Meinung bauen mir
Und deinem Wort vertrauen wir.
Fern bleibt uns, was du Klitsch genannt, Und was du lobst, wird anerkannt, Gefault sogar peut-etre.
Nur — alles zehn Jahr' später! Max Osborn.
*
Was uns bleibt? Ein Traum von Stunden, Die ein ganzes Leben waren.
Und das Werf von schweren Jahren, Die wie eine Nacht entschwunden. Wilhelm v. Scholz.
Städte-Rätsel.
Arnsberg — Budapest — Frankfurt — Iserlohn — Kreuznach — Wien — Wiesbaden.
Die vorstehenden Städtenamen sotten derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritten nsw. wiederum einen Stadtenamen ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:
E
M
M
A
M
A
A
T
M
A
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R
A
T
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


