ISSLE
WKV
M
W
aMBiarin iiui , rii“ yggtWyjelMUüuti
JFrauenürbe.
Roman von Horst Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Rede ruhig, mein Kind, du bist alt genug, ich werde vir die Antwort nicht Verweigerer. Zwischen uns darf es fernerhin keine Mißverständnisse und Heimlichk iten g' den, ochh es handelt sich bei dir um vieles, um alles, um das sogenannte Lebens glück. Freilich, zurechtzimmern mußt du es dir selbst, nur die Wege kann ich dir zeigen als alter, erfahrener Mann — als dein Vater."
Eva wurde es aber doch schwer, die Frage zu stellen; nervös fuhr sie sich mit der Hand über die hohe, weiße Cttrn.
„Rede nur ungescheut, mein Kind!"
„Warum hast bii eigentlich nicht eine zweite Ehe geschlossen?"
„Eva, wie konrmst du auf diese Frage? — Und mit wem?"
„Mit — mit Frau von Moreth."
Da senkte der Greis. den Blick und starrte auf die Schreibtischplatte. Eine lange Pause entstand.
„Die Frage hätte ich von dir niemals erwartet, liebe Eva," sagte er endlich leise.
Langsam erhob sie sich und schlang beit Arm um den Nacken des Vaters.
„Wenn du mir nicht antworten willst, Papa —■ ich begreife es, nur —"
„Nein, nein, mein liebes Kind; zwischen uns soll Klarheit herrschen! Frau von Moreth hat mir ihre Hand verweigert."
„Dacht' ich mirs doch!"
Wieder entstand eine peinliche Stille.
Eva drückte einen Kuß auf das weiße, dünn gewordene Haar ihres Vaters.
„So ist Frauenliebe, Papa!""
Der Greis wußte keine Antwort.
„Verstehst du mich jetzt?" fragte Eva leise.
Da raffte Graf Releudorff seine Energie zusammen.
„Es kommt auf die Persönlichkeit au, Kind. Nimm wieder Platz, denn ich muß dich jetzt schwer verwunden, so weh' mtr'd selbst tut!"
Gehorsam befolgte die Tochter des Vaters Wunsch, sie war seit den letzten Minuten eine andere geworden. Frau von Moreth — ja, die wußte, was Frauenliebe ist, und Eva Relendoi ff durfte ihr an Seelengröße nicht nachstehen. Nichts Lässiges war mehr in ihrer Haltung, straff faß sie im Sessel, ruhig blickte sie den Vater an.
„Du weißt," fuhr er fort, „wie leichtsinnig Hans-Wil- Helm lebt."
„Franenliebe wird ihn bessern!"
Traurig schüttelte der Greis den Kopf.
„Viele Laster kann Frauenliebe von der Schwelle weisen, das gefährlichste auf die Dauer nicht — die Karten. Auch die beste Ehe ist nicht immer Poesie, mein Kind. Der Alltag konrmt mit seiner Prosa, da regt der Spielteufel sein Haupt immer wieder — und das Ende? Sieh dir die Frau von noch nicht' fünfzig Jahren drüben in Moreth an mit ihren grauen Haaren, ihrem von Sorgen um den einzigen Sohn durchfurchten Gesicht!"
„Wenn nun Hans-Wilhelm den Dienst quittierte und das Gut bewirtschaften wollte?"
„Gespielt wird überall, mein liebes Kind."
„Aber wenn seine Mutter und wir beide unsere Hände über ihn huckten?"
„Wie denkst du dir das? Glaubst du wirklich, Hans- Wilhelm würde es sich auf die Dauer gefallen lassen? lind dann, Eva, bis heute hat er nicht um dich angehalten. Ist es einer Komtesse Releudorff würdig, zu warten, bis er als Bankrotteur zu kommen geruht?"
Da schoß ihr wieder die Röte ins Gesicht.
„Was fragt Liebe danach?"
Aber die Worte kamen ihr doch nur zögernd aus deiÄ Munde.
„Na, höre mal, das ist denn doch zu stark! — Aber ich bin noch nicht zu Ende. — Bor einem halben Jahre wars, da bekam ich von Hans-Wilhelm diesen Eilbrief. Er bat mich, ihm binnen dermal viarunt zwanzig Stunden zwanzig- tausend Mark zu senden, denn er hatte diese Summe verspielt und einen Ehrenschein darüber ausgestellt. So schnell könne er das viele Geld nicht beschaffen; ließe ich ihn in? Stich, bliebe ihm nur die Kugel übrig."
„Du haft's ihm geschickt, Papa?"
Zitternd vor Erregung fragte es die Tochter.
„Beruhig dich — natürlich! Ich kann dis Summ's entbehren, man tut doch als Christ alles, was man vermag. Ich dachte dabei auch an dich und die arme Mutter. Daß das Gut keine neue Schuldenlast von zwanzigtausend Mark trägt, weiß ich; ich kenn die Verhältnijse drüben doch ganz genau."
„Wie gut du bist!"
Die Tränen traten ihr in die Augen.
„O, ich bin noch nicht zu Ende — leider noch nicht! Ich schickte ihm das Geld und schrieb — hier liegt die Kopie zu deiner Durchsicht, daß er nunmehr, nachdem er die Mot hat kennen gelernt, hoffentlich Vernunft annehmen und keine Karten mehr berühren würde, sonst müßte ich ihn für einen Lumpen halten."
„Das hat er sicher getan!"
„Leider irrst du, liebe Eva. Die letzte Post brachte mir zugleich mit Norderoogs Brief ein Schreiben von Hans- Wilhelms Kommandant."
„Um Gott, Papa — schlimme Nachricht?"
„Auch das kannst du nachher lesen. Aber ich muß wieder weit ausholen. Oberst von Setnsheim, der Kommandeur,


