Ausgabe 
1.3.1913
 
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War der beste FreunÄ von Hans-Wilhelms Vater, sie sind die Attacke bei Vioüville Schulter an Schulter geritten, er verbrachte die ersten Fahre nach dem Feldzuge seinen Urlaub regelmäßig drüben in Moreth; ich selbst habe ihn leider nicht kennen gelernt, weil deine gute Mutter leidend war, und immer gerade während seiner Anwesenheit im Süden weilte. Später kam er nicht mehr, denn man sagte nun, mein Kind, du kannst dir sa denken, was man sagte. Er blieb fort, nahm sich aber Hans-Wilhelm an wie ein Vater. Und jetzt schreibt er mir, ich soll als Freund! von Frau von Moreth meinen Einfluß aus ihren Sohn geltend machen, denn iveitn nicht schleunigst ein Umschwung zum Besseren einträte, könne er ihn nicht mehr halten, er sei sonst rettungslos dem Spielteufel verfallen und habe dieses Manöver in der Garnison Wirt) das nach Möglichkeit zu verhindern gesucht toller gespielt, denn je, und zwar mit großem Erfolge. Das macht die Sache natürlich nicht besser, liebe Eva im Gegenteil, denn nun wird er glauben, alle seine Verluste schnell wieder ein» zubringen.'/

Ich will nicht nach Mildenmgstzründen forschen, Papa, aber mit ihm reden will ich."

Sie totir aufgestanden und stand in entschlossener Hal­tung vor ihrem Vater.

Das überlaße bitte mir selbst, liebes Kind! Nach diesen Tatsachen wirst du wohl einsehen, daß, eine Verbin­dung zwischen euch unmöglich ist."

Nein, Papa, das sehe ich absolut nicht ein!" Aber Mud!"

'Er wird sich bessern felsenfest glaube ich es!" Dann höre mein letztes Wort ich hätte es dir gern erspart."

Denke an Frau von Moreths Treue über das Grab Hinaus."

Eva Relendorff sagte es mit Nachdruck, warf den Kopf in den Nacken und verließ das Zimmer. Mehr wollte sie nicht hören konnte es nicht.

Am nächsten Morgen hält Oberst von Seinsheim zu Pferde vor der Wohnung des Adjutanten, des Grasen Beerenburg. Zwei Ordonnanzen begleiten ihn, eine sendet er hinauf und läßt fragen, ob der Herr Graf noch zu Hanse sei. Der kommt sofort selbst herunter und fragt nach den Befehlen seines Kommandeurs.

Störe ich, wenn ich Sie um eine Aussprache in Ihrem Arbeitszimmer bitte?"

Al'solut nicht, Herr Oberst."

Der Oberst steigt ab-, eine Ordonnanz! springt zu und- Hält Bügel und Zügel.

Ich komme, bester Graf, weil ich eine unangenehme Sache außerdienstlich mit Ihnen besprechen möchte. Heute nacht habe ich dies Telegramm da erhalten

Der Graf liest: Wohin ist Moreth gefahren? Kündigt eben telegraphisch seine Ankünft erst in acht Tagen an. Mutter trostlos. Antwort erbeten an mich. Graf Relen- dorff-Glossow.

Ich weih wirklich nicht, Herr Oberst."

Graf, Sie sind Moreths bester Freund. Tun Sie mir einen Gefallen, versuchen Sie es aus dem Burschen 'rau szubeko armen."

Und was ich nicht unbedingt M wissen brauche na, Sie verstehen mich schon!"

Also auf Wiedersehen uni zehn Uhr im Regiments­geschäftszimmer!"

Adieu, Herr Oberst!">

Graf Beerenburg trifft Möreths Burschen im Stall.

-Versorgst du auch die Pferde gut, mein Sohn?"

Der elegante Lldjutant tippte dem Kürassier vertraulich mit dem Reitstock auf die Schulter.

Zu Befehl, Herr Graf."

Woher bist du denir und wie heißt du?"

Mengert, Herr Graf. , Ich bin von Ringleben am Kysshäuser."

Fruchtbare Gegend-, nicht wahr, Mengert?"

Jawohl, Herr Graf, Lei uns wird der Morgen Land Noch mit fünfhundert Talern bezahlt."

Potztausend ! Sage mal, wann ist eigentlich der Herr Oberleutnant abgereist?"

Gestern nachmittag,"

Weißt du wohin?" -

Jawohl, Herr Graf, nach Moreth in Pommern alles soll dorthin nachgeschickt werden."

Du, das stimmt nicht."

Ich weiß nichts anderes, Herr Gras."

Scharf blickte ihm Beerenburg in die Augen, der Bursche hatte sicherlich nicht gelogen.

Mir hat nämlich der Herr Ob-erleutnant gesagt, er wolle erst noch acht Lago wo anders hin, und nun habe ich! den Ort vergessen nnb einen dringenden Befehl nachzu­schicken was machen wir nur da, Mengert?"

Der toufyte auch keinen Rat.

Schließ mal oben die Wohnung aus, vielleicht finde ich dort einen Anhaltspunkt, die Reiseroute des Herrn Oberleutnants oder so was ähnliches."

Herr Gras, ich habe aber noch nicht in Ordnung ge­macht", ettoiderte Mengert mit rotem Kopse.

Das macht nichts im Gegenteil; wenn ich den Ort lese, weiß ich's gleich- wieder."

Der Bursche rieft- sich die Hände am Hosenboden ab und ging mit dem Lldjutanten die Treppe hinaus.

In der Wohnung sah es allerdings noch sehr wüst aus, mit schlechtem Gavissen blieb Mengert an der Tür des Arbeitszimmers stehen.

Der Graf setzte sich an den Schreibtischsessel undi blätterte in der Briefmappe. Nichts war zu finden. Da stieß fein Fuß an den Papierkorb-. Sofort zog er ihn vor. Einen Augenblick später wußte er, wo Hans-Wilhelm von Moreth war. Ein Briefumschlag fiel ihm in die Hände, auf dem stand mit großen Settern gedruckt: Cercle des etrangers. Spa.

Beerenburg faßte sich an die Stirn. Also der leicht­sinnige Kerl spielt in Spa im Roulettetisch!

Ich weiß schon, Mengert. Eben fällt mirs wieder ein. Man ist manchmal vergeßlich. Räume aber sofort hier aus und verbrenn' den Plunder da im Papierkorbi verstanden?" .

Zu Befehl, Herr Graf!"

Als der Kommandeur das Regimentsgeschäftszimmer betritt, geht der Adjutant auf ihn zu.

Ich bitte Herrn Oberst gehorsamst um einen fünf­tägigen Urlaich."

Mit einem langen Blick sieht ihn Seinsheim an.Be­willigt ! Und das Telegramm nach Glossow?"

Habe ich bereits ab geschickt!"

Mit »velchem Inhalte?"

In vier Tagen ist Moreth zu Hause."

Der Oberst reichte ihm die Hand.

Ich -danke Ihnen, reisen Sie mit Gott!"

(Fortsetzung folgt.)

Endlich gereitet!

In einen« Buch:Ein arktischer Robinson" hat der Polar- reisende Kapitän Mikkelsen seine erschütternde»: Erlebnisse in deck Arktis ausgezeichnet. Mir freundlicher Erlaubnis des Verlegers (Bro-ahaus in Leipzig) ß)raten wir unseren Lesern aus diesem fesselnden Buch (10 Mk.) bat Abschnitt darbieien, in dein Mikkelsen feine und seines Freundes Fversen endliche Befreiung aus drei­jährigem furchtbarem. Robinsouleben schildert.

Jeden Tag kletterten wir auf bat Berg, um nach dem Eis' auszuschatten. Es sieht immer gut aus, und wenn wir sehr optimistisch sind, sprechen wir davon, daß vielleicht im Juni ein Schiss kommen könne; doch nur selten wagen wir, uns auf dieses Thenm einzulassen, denn gewöhnlich gehen wir um das Gespräch über Schiss und Heimkehr herum wie die Katze um den heißen Brei, Je näher die Zeit kömmt, in der ein Schiff zu erwarten ist, desto größer wird die Angst, daß es nicht kommt.

Der Schnee schmilzt; überall rinnt Wasser, das Gras wird grün, die Blumen erblühen und alle Zugvögel sind zu ihrenr kurzen jährlichen Besuch angelangt: wieder haben wir Sommer, die Zeit, auf die wir uns so sehr gefreut. ,

Ein Tag vergeht wie der andere; alle sind sie unendlich lang und alle sind sie von dem- einen erfüllt: du mußt deine Gedanken mit der Gegenwart oder Vergangenheit beschäftigen, aber denke nicht an die Zukunft; sie birgt alles mögliche Furchtbare; es ist schädlich, unter diesen Umstünden daran zu denken. Doch, wir können es nicht lassen, den Schiffen zu folgen, die sich möglicher­weise draufen an der Eiskattte befinden; wir denken uns, daß sie jetzt ins -Eis hineingehen, daß sie Land zu erreichen suchen und daß sie bald Mer sein können, wenn die Verhältnisse draußen ebenso sind wie hier unter Land. Dann folgen wir einem ein­zelnen Schiss; heute geht es ins Eis, Tag für Tag denken jtnt es uns näher, wir geben ihm einen Rasttag, wenn es stürmt oder neblig ist, und wir trauern, wenn endlich der Tag kommt, da es hier sein müßte, wenn cs damals, als wir es dachten.