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fkrutzig tunb. Das letzte Fünftel wollten, sie allenfalls trügen. Wber nicht einen Heller mehr!

Die Deppsdorser hielten das für eine elende Knickerei und brachen die Verhandlungen ab. Sie wollten die Brücke dann lieber ganz aus, eigenen Mitteln bauen. Reich genug waren sie ia, da sie einen prachtvollen, rationell aufgeforsteten Wald besaßen. Sie konnten sichs also leisten.' Wenn auch natiirlich Mit Grimm und Groll!

Die Trutzinger aber, die schon lange eine neue Feuerspritze nötig hatten, wandten das verschmähte Fünftel an und bestellten sich ein Wunderwerk von so stattlicher Größe wird erwiesener! Güte, daß alle Flammen auf den Küchenherden' sich scheu drückten, wenn das Vehikel nur timt weitem die Dorfstraße heraufrasselte.

Deppsdorf nahm keine Notiz davon, ©eine freiwillige Feuer­wehr folgte auch der Einladung nicht, als die Spritze eingeweiht werden sollte, wozu die Trutzinger tijiren alten überflüssig ge­wordenen Backofen in Brand steckten. Es wurde ein großes Fest und die entstandene Ruine wirkte sehr malerisch. Das konnte niemand bestreiten. Mer gegen die Brückenweihe der Depps'- dorfer wars nachher doch einPappenstiel", weil da ein Re- gierungsvertretcr eine lange Rede hielt uitb dem Orts Vorsteher eine Medaille auf die Brust heftete, während die halbwüchsigen Burschen des Ortes Bittoria schossen und das Freibierfaß heim­lich anzapften, das der Dekorierte schon vorher hatte hinter den Brückenkopf rollen lassen.

Die Fidelitas trat dadurch natürlich W so früher ein, und der Regierungskommissar hätte mit sämtlichen Teppsdorsern Brüderschaft trinken foimen, wenn er sich nicht bei Zeiten über die neue Brücke wieder in die Stadt gerettet hätte. Mer er hatte ihnen beim Abschied wenigstens etwas versprechen müssen. Und dies Versprechen vergaß er nicht, wie das den' Herren von der Regierung Mitunter passieren soll. Er hielt Wort: die Deppsdorser bekamen die «Erlaubnis, ein Brückengeld zu er­heben. ' '

Alle Gemeindemitglieder erhielten selbstverständlich freie Passierscheine. Wer jedes Barfüßchen, das aus Trutzingen oder von anderswoher über die schöne, neue Trutzbrücke wollte, mußte seinen Obulus en trieften; jedes Hutzelweibchen mit mühsam zn- saniMengelesenem Reisig auf dem Rücken hatte seine zwei Heller­lein aus dem welken Beutelchen zu klauben. Und kam gar einer Mit Pferd und Wagen, den schröpften sie glatt um zwei Nickel.

Die Trutzinger machten etwas verdutzte Gesichter, als sie den Schützenpoldl mit seinem Seitengewehr am Brückenkopf postiert sanden uitd ihm sein bedrucktes Zettelchen abkaufen mußten. Ein paar kehrtcir sogar wieder um. Wären sonst kaum rechte Trutzinger gewesen. . Aber nach und nach schickte Man sich doch darein, den Deppsdorser Brückenzoll zu zahlen. Nur zur Nachtzeit sausten manchmal die Fleischerwägelchen mit ihren flinken Pferden am Schützenpolbl vorüber, noch ehe er aus seinem! 'Häuschen am Brückenkopf die Nase herausgesteckt' hatte.

Da legte Man bei einbrechender Dunkelheit ein Sperrgitter mit einem warnenden Laternchen daran vor den Trutzinger Aus­gang. Die Deppsdorfer waren eben ttotz ihres Namens nicht auf den Kopf gefallen. Es schlüpfte ihnen.keiner mehr durch, ohne seinen nachträglichen Beitrag zuM Brückenbau gespendet zu haben, so geringfügig er auch war. Und der Bauer vom 'Eulenhbf, der die Weisheit gewissermaßen in Erbpacht hatte, wußte genau, wie viel hunderttausend Nickel Man in Humbert Jahren über die Brücken- banlasten hinaus erübrigt haben mürbe, wenn ber Verkehr nur so Halbwegs blieb wie im ersten Jahre!

Die Trutzinger hätten ihrem Namen Schande gemacht, wenU sie nicht versucht Hätten, durch Eingaben und Vorstellungen das Zollrecht der Deppsdorser zu bestreiten. Ws es ihnen nicht gelang, schikanierten sie bett Schützenpolbl, der zwar bas Pulver nicht erfunden hatte, aber em phlegmatischer Tickkopf war, durch allerhand Listen. Sie narrten ihn mit falschem! Geld, oder gingen in dichtgedrängten Gruppen über die Brücke und freuten sich, wenn sie ihn betrogen hatten, bis ber gute alte Polbl trotz seines Phlegmas gattz giftig auf jedes Trutzinger Gewächs' war und seine Brückeitwacht zuletzt hielt wie ein Grenzposten am feind­lichen Einfallstore. Ganz Teppsborf aber war deswegen stolz auf ihn!

... Ta schallte eines Abends der Schreckensruf durch die Torfstraße:Feurio! Es brennt Heine Eulenhofbauern! Feurio!"

Nicht lange, so fing auch ber Deppsdorfer Küster an, die Sturmglocke zu läuten, bamit bie Nachb argcmeind en erfuhren, daß ber rote Hahn einem der ihrigen aufs Dach geflogen sei. Es war dann Ehrenpflicht, sogleich mit der Feuerspritze auf» zubrechen, uM womöglich als erster Helfer auf dem Platze an- geraffett zu kommen. Tie Landestiersicherung gegen Feuersgefahr belohnte das außerdem mit einer Prämie timt dreißig blanken Reichsmark. Man kam dieser Ehrenpflicht daher um so lieber nach.

Und so rüstete man selbstverständlich in weitem Umkreise Mit einem prachtvollen Eifer. Bauer und Knecht, Schmied und Bäcker schlüpften in fieberhafter Eile in die Wehruniform. Die nächstbesten Pferde imtrbett herangeholt und eingespannt, und mit schrillen Klingelsignalen ging es zum! Nest hinaus auf den kürzesten Fahrwegen gen Teppsdorf zu.

Ter Schützenpoldl lugte grämlich nach Trutzingen hinüber. Sie waren bie nächsten. Wenn sie kamen, gehörte die Prämie .ihnen, diesen Gaunern und Schelmen! Er gönnte es ihnen nicht.

Aber richtig, da Vernahm er schon den protzigen Klang ihrer Glocke, der noch lauter gellte als die Klingelzeichen des Riesen» karussells beim letzten Schützenfest. Natürlich, weim man sich um den Brückenbau drückt, hat man leicht neue Feuerspritzen laufen! dachte er voll Ingrimm. Vott Rechts wegeit märe das wohl unsere Spritze! Gewissermaßen haben sie uns darum be­stohlen. Allerwenigstens betrogen!

Und dann packte er plötzlich das Sperrgitter und zog es vor den Eingang.

Sie sollen zahlen, toenit sie herüber wollen!" Murmelte er. Tas können mir Deppsdorfer v erlangen! Zwei Nickel kostetsf Tarts den Beutel auf, ihr Specktakelmacher, eh ihr unsere Brücken verschandelt!"

Da ioaren sie auch schon heran. Siefen bie Pferde doch, was sie laufen konnten. Aber kurz vor der Brücke müßte der Lenker parteren.

Poldis He, Schützenpoldl, niMm dein Gartenzaun ba fort, daß mir nit zu spät kommen!" schrie der Trutzinger Schmied/ der Feuerwehi^HauptMann war. Unb er reckt sich, wie ein kom» Manbierenber Generalfeldmarschall.

Glei' glei!" rief ber Wärter zurück.Halt tiM zwei Nickel tät i erst schön bitten!"

Und gelassen streckte er ihnen bas Beutelchen art der Stange entgegen, das sie nur zu gut kannten.

»Jetzt hat 's eing'schlagen!" brüllte der Schmied unb seine Mannen stimmten ein höhnisches Gelächter an.Oes brennts bei Euch brüb'n, tut wir soll'n an Brückenzoll zahl'n? Bist 'leicht ganz narrisch word'n?"

Wenn Ihr nit zahlt, könnts Ihr auch nit herüber!" er­klärte ber Polbl phlegmatisch und lachte sich innerlich einen Schaden vor Vergnügen.

Reißt's doch den Narrenkram sott!" riet einer! der Trutzinger. Aber der Schmied kannte die Arbeit, bie fein Deppsdorfer Kollege ba geliefert hatte. Tas war nicht so leicht unb machte Wohl außerdem« auch Scherereien.

Nix!" lachte er ärgerlich.Zahl'n mir halt! Könnten sonst bei Gott zu spät kommen!"

Mer als er in bie Tasche griff, zeigte es sich, baß er seinen Schnürbeutel baheim in ber anderen Buxen gelassen hatte. Unb all den anberejt war es ebenso ergangen vor lauter eiliger Nächstenliebe unb Prämiensehnsucht.

Gelb hab'n wir heirt keips. Also schreib's auf, Polbl!" schrie ber Hauptmann.Wer sperr auf jetzt, sonst. . .!"

Gelt, anborgen möchts rms aa noch, IHv noblichten Trutzinger?" spottete ber Schützenpolbl unb rührte sich nicht. Dös wär a neue Mob! Wer bös gibtS net! Schickis einen um, Wenns nix bei Euch habt, nn nehmts a Hypotheken auf beim Schulzen! Mir hab'n bie Mauersleut nn Schlosser auch' ablohn'n müss'n, wie wir bie Brück'n gbaut habn!"

Daraufhin erhob sich ein wacker Geschimpf auf ber Trutzinger Seite, bas den Polbl aber nicht weiter kümmerte.

Tie Brücke blieb geschlossen. Wes weitere ParlaMentieren Unb Drohen prallte an beml Tickkopf des Alten ab.

Plötzlich sagte einer ber Mannen:Horchts Lent, das sind die Wnnblacher schon! I hörs an ber Kuhglocken, die sie aM Spritzenwagen hab'n!"

Wahrhaftig, die Wunblacher!" grollten enttäuscht die andern. Kehrn mr halt um!"

Kehr'u M'r um, Wenns unsere Hilf nit mögen!" entschied' darauf der Schmied, unb rückwärts gings, wieder nach Trutzingen hinein. . .

Der Eulenhof war inzwischen lustig ins Prasseln geraten. Und bie Wunblacher mit ihrem Museums klcinob mären nicht imstande, beit Deppsborfern allzu wirksamen Beistand zu leisten'. Wenn nicht nach und nach bie Spritzen der weiteren Nachbar­gemeinden aus deut Plane erschienen wären, hätte es ein ganzer Dorfbrand werden können. Mit Mühl und Not beschränkte man den Herd auf den 'Eulenhof. Wer der fiel fast restlos zum Opfer.

lieber den unfreiwilligen Rückzug der Trutzinger erfuhr zu­nächst niemand eine Silbe. Daß sie ansgMiehen waren, sand' Man ganz unerhört gehässig, und klagte sie gleich, am anbereit Morgen bei ber Behörbe an.

Erst ba ka'ms heraus, was der Schützenpoldlin treuer Pflichterfüllung" angerichtet hatte. Und wenn Man ihn auch nicht strafen konnte, so Mußte er doch einen Verweis' nach dem andern .über sich ergehen lassen, vom Gemeindevorsteher an bis hinauf zum Herrn Rsgierungskommissar, der" wieder auf dem Plan erschien. Aber diesntal schon sehr amtlich.

Es regnete geradezuduMme Kerle" undschwach-köpfige Esel": vonRindviechern" gar nicht zu reden.

Beinahe mär ber Schützenpolbl melancholisch geworden, trotz­dem man ihm seinen Posten noch einmal belassen hatte.Ver­suchsweise !", ivie der Herr 'RegierungskoMmissar warnend betont hatte, anstatt ihm die Verdienstmedaillefür treue Pflichterfüllung" gleichfalls auf bie Brust zu heften. . .

Aber ba kam der Eulenhofbauer eines Mittags aus ber Großstabt zurück iit einem funkelnagelneuen Zweispänner. Der stieg ab, brückte bent aufhbrchenden Polbl ein richtiges blankes' Goldstück in bie Pratschen unb sagte dazu belobigend:

Recht gehabt hast, Poldi! Laß sie halt reden! Hast doch bloß deine Pflicht getan, lln an OührgeftW hast gehaW irrt