Ausgabe 
1.2.1913
 
Einzelbild herunterladen

70

so sicher auf einen Sieg gehofft! Aber ich fags ja. immer, Me Outsider! Reins Perg ist natürlich wütend/'

Nun, ich hoffe, du läßt dir di« Sache nicht weiter zu Herzen gehen?" sagte Meta ruhig.Auf so etwas muß mau immer gefaßt sein."

Hin gefaßt sein! Gefaßt sein!" Er zwirbelte erregt feinen Schnurrbart.Man ist eben nicht gefaßt gewesen! Unsummen find gewettet worden ausAram", und daun diese Blamage! Ein Outsieder, den niemand recht kannte, von dem gar keine Rede war, schnappt alles weg! Es ist um wahnsinnig zu werden!"

Irgend etwas in seinem Ton machte Meta unruhig.

Ich begreife wirklich nicht, wie du das so tragisch nehmen kannst!? Es scheint, diese drei Wochen haben dich ganz- nervös gemacht! Aber nun bist du ja mi-eben hier und wirst dich rasch erholen. Vergiß jetzt das Rennen und die Pferde, ja? Bitte!"

Montelli strich sich bas Haar aus der Stirn.

Ja, ja natürlich. Und was habt denn ihr gemacht inzwischen? Ihr seht vortrefflich aus Konradchen be­sonders! Nun, kleiner Manu, Papa hat dir auch was furchtbar Schönes mitgebracht. Rate mal, was?"

Einen Zigeuner?"

Moutelli lachte aus vollem Halse.

Nein, die gibts ja da herum genug. Etwas viel Besseres. Warte nur, bis wir daheim sind." Er wandte sich wieder zu Meta.

Und weiht du, was ich mir einbilde? Das Pech mit Aram" wäre uns nicht passiert, wenn du dabei gewesen wärest!"

Meta runzelte die Stirn.

Unsinn wie kann man so kindisch abergläubisch sein!"

Nein gewiß, es wäre nicht geschehen. " Aber du hattest eben wieder deine Launen, sonst wärest du schon gekommen."

Bitte, laß uns darüber nicht reden."

Im Gegenteil. Ich habe sehr viel darüber aus dem Herzen. Ick) muß gestehen, daß ich wütend- war. Direkt wütend! Den Prinzen derart vor den Kopf zu stoßen."

Viktor, ich bitte dich, verdirb uns nicht die erste Stunde des Wiedersehens. Du weißt ja gar nicht, was vorgegangen ist."

Er sah sie durchdringend an.

9hm?" .

Später morgen"

Morgen muß, ich nach Pest reisen."

Wie gleich wieder fort?"

Ja, ich brauche ... na, das ist meine Sache. Kürz, ich muß für ein paar Tage hin. In vierzehn Tagen be­ginnt übrigens das Derby dort, zu dem wirAram" und Holda" augemeldet haben. Hoffentlich kommt uns dort kein Outsider in die Quere. Und selbstverständlich mußt du mit. Also, was hat's denn mit Reiusperg gegeben?"

Er sprach laut und aufgeregt. Meta mußte ihn durch einen Blick an die Gegenwart des Kutschers mahnen.

Ich will dir alles erzählen, wenn wir allein sind, Viktor," sagte sie leise,dann wirst du begreifen, daß, ich so ivenig nach Pest kommen, kann wie nach Wien da doch der Prinz sicher beim Derby sein wird."

Gewiß, aber, lächerlich !"

Er schwieg und auch Meta lehnte sich ohne Antwort zurück. Es war inzwischen ganz dunkel geworden. Stern- überfät und unendlich hoch wölbte sich der Himmel über der Steppe.

Aus allen Richtungen zirpten die Heimchen. Nun knarrte irgendwo der Hebel eines Ziehbrunnens und der melancholische Gesang ungarischer Bäuerndirnen mengte sich darein.

Dann ein süßer Duft in der lauen Nachtlust mau suhr an den hundertjährigen, jetzt über und über in Blüte stehenden großen Dopolanyier Linden vorüber. Nun tauch­ten auch schon die Lichter auf und das große, schmiedeeiserne! Gitter, welches den Vorplatz abschloß.

Moutelli richtete sich erstaunt aus.

Wie alles erleuchtet? Sind Gäste in Dopolcmyi?"

Dir zu Ehren! Fast die ganze Nachbarschaft hat sich augemeldet.- Lenkay ist Arrangeur. Ich glaube, sie wollen dichArants" Niederlage vergessen machen, und da ich weiß, daß du Geselligkeit liebst, ließ ich sie gewähren. Es ist dir doch recht?"

-Welche Frage! Es ist eine großartige Idee!" Montelli rieb sich vergnügt die Hände.Hei, nun soll's- aber mal! flott werden! Ich fürchtete schon, es würde in meiner Katzenjammerstimmung ein recht trübseliger Wend werden. Stille hätte ich heute schwer ertragen. Wer nun"

Der Wagen hielt.

Leichtfüßig sprang Montelli heraus. Er schien im Mo­ment ganz verwandelt.

Und wie schön du dich gemacht hast. Liebste!" flüsterte er Meta zu, ihr aus dem Wagen helfend. Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Es war ihr eben durch den Sinn gefahren, wie sonder­bar es eigentlich sei, daß sie nach dreiwöchiger Trennungi den Abend nicht allein für sich verbrachten in traulichem Zwiegespräch.

Freilich, diese Zwiegespräche endeten meist kläglich. Sein Thema war stets nur der Sport oder verliebter Un­sinn, und ihr fiel nichts ein. Zuletzt langweilten sie sich dann beide.

Als Montelli das Haus betrat, empfingen ihn in der großen Halle bereits die Gäste mit lautem Hallo und die! seitwärts aufgestellte Zigeunerkapelle begann, einen feu­rigen Tusch zu spielen.

Sein Gesicht strahlte vor Stolz und befriedigter Eitel­keit.

Meta ging hinauf, um ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Als sie vor dem großen Spiegel stand und das Dtamautenhalsbaud umlegte, trat Montelli hastig ein.

Es ließ mir keine Ruhe ich muß dir einen -Kuß geben, ehe wir uns unseren Freunden widmen."

Er zog sie leidenschaftlich an sich und bedeckte ihr Ge­sicht mit Küssen.

Du bist so schön, Meta und ich habe mich rasend nach dir gesehnt" murmelte er.

Lieber Viktor, die Gäste ..."

Ach laß! Lensay und die alte Gräfin Sereuzszi machen inzwischen die Honneurs. Ich muß micfji ja auch noch umkleiden gehen . . . aber nun sage mir, was es zwischen dir und Reinsperg! gegeben hat?"

Er hat mir seine Lieb« gestanden , . ."

Ah weiter nichts?"

Viktor!!!"

Nun, du hast ihn doch natürlich abgewiesen, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen! Frauen können daS sehr. fein . . ."

Ich nicht. Ich habe ihm gesagt, daß es eine Beleidi­gung ist und daß ich dich bitten werde, deine Stellung, die er Dir'eingestandenermaßen nur um meinetwillen gab, aus- zugebeu.'" 1

In Montellis Augen blitzte es ärgerlich aus.

Das sieht dir ähnlich! Immer direkt mit dem Kopf durch die Wand! Immer diese verdammte, rücksichtslose Ehrlichkeit, die nur an sich denkt"

Sie wandte sich verletzt ab1.

Du weißt wieder einmal nicht, was Du sprichst. Es gibt gar feinen anderen Weg für uns, als fort von Do- polanyi!"

(Fortsetzung folgt.)

Die Mckelbrücke.

Humbreske von Alwin Römer (Dresden).

Die kostbarste Brücke, von der man je hak hören können, hat kein Geringerer als Friedrich Schiller konstruiert. Sie ist be­kanntlich von Perlen und führt über einen grauen Ser. lieber die Echtheit des Materials haben wir ebenso wenig rat Urteil wie bei.den so oft zitiertengoldenen" Brücken, die man als edler Kulturmensch seinen beschämten. Feinden Ku bauen pflegt. Irgend­wo mag es auch eine silberne Brücke geben. Vielleicht im Wunder­lande Indien oder im- sagenhaften Reiche der. Inkas. DieNickel­brücke" aber findet sich auf deutscher Erde und führt Mer die zu Zeiten bösartige Trutz, von Deppsdors hinüber nach Trutzingen. Bald hinter Trutzingen liegt die große Stadt, die die Deppsdorser mit Milch und Butter, Eiern, Geflügel und Feldfrüchten ver­sorgen.

Sie haben daher die Brücke sehr nötig. Ehemals war sie aus gutem EichenholK. Ms das aber endlich morsch wurde, mußte sie erneuert werden. Die Deppsdorser hatten geglaubt, ihre jenseitigen Nachbarn wurden die Hälfte der Kosten dazu aufbringen. Da diese sich aber ausgerechnet, daß die Depps- dorfer durch ihre Stadtwege die Brücke zehnmal so oft in Anspruch nahmen als sie, so verlangten sie, daß Deppsdorf allermindestens vier Fünftel auf sein Konto Ku nehvi-en habe und taten solches