Ausgabe 
25.9.1912
 
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Die Dame im Pelz.

Komait von ®. W. Appleto n.

(Nachdruck verboten.)/ (Fortsetzung.)

Ich blieb noch eine Weile im Zimmer und dachte über die seltsamen Geschehnisse des vergangenen Tages nach. Dann drehte ich das Licht aus und begab mich gleichfalls in mein Schlafgemach.

Meinem Versprechen gemäß legte ich das Päckchen mit dem Löschpapier unter mein Kissen, wobei ich ein inneres Lachen nicht unterdrücken konnte. Die Sache kam mir außerordentlich komisch vor. Bald überkam mich infolge der vielfachen Aufregungen eine große Müdigkeit. Ich schlief ein und träumte von der schönen Fremden.

Am anderen Morgen erwachte ich bei guter Zeit. Mein erster Gedanke galt meinem wunderbaren Gaste. Würde ihre Erinnerung zurückgekehrt sei» oder nicht? Als ich zum Kaffee erschien, erzählte mir meine Schwester, daß sie noch rnhig schlafe. Während wir aber noch am Tische saßen und über unsere eigentümlichen Erlebnisse vom vor­hergehenden Tage plauderten, hörten wir Tritte über. uns. Helen ging zuerst allein hinauf, kehrte aber bald zurück und bat mich, hoch selbst auch hinaufzukommen, weil un­sere Besucherin mich zu sehen wünsche.

Bei diesen Worten durchschauerte mich eilt eigenartiges Gefühl, das ich mir damals jedoch nicht erklären konnte. Ich folgte Helen ins Fremdenzimmer.

Unsere geheimnisvolle Pflegebefohlene hatte sich wieder zu Bett gelegt. Sie begrüßte mich mit einem leichten Lächeln, wobei ihre weißen Perlenzähne reizend zum Vor­schein kamen; dann richtete sie ihre prächtigen schwarzen Augen auf mich und sagte:

Ich würde selbstverständlich zu Ihnen hmuntergegcmgen sein, aber ich weiß nicht, ich habe so Kopfweh, und da drängte mich Ihre liebenswürdige Schwester hier, mich doch wieder etwas niederzulegen und auszuruhen. O, tote gut und freundlich Sie beide gegen mich sind gegen eine Fremde. Sie wissen.gar nicht, wer und was ich bin H imd dabei huschte ein schmerzlicher Zug über ihr Gesicht und doch sind Sie so gut so sehr gut!

O, das hat.doch nichts zu sagen! Wir mochten nup gern, daß Ihre Erinnerung bald wiederkehrte, damit wir Ihnen auch wirklich zu Diensten sein könnten. Können Sie sich noch nicht entsinnen?

Gar nicht nur auf Ihre übergroße Gute. Alles übrige ist mir immer noch vollkommen dunkel.

Meine Schwester, spann ach die Unterhaltung weiter, fürchtet, daß Sie einen Schlag auf den Kops bekommen haben. Darf ich vielleicht Mal nachsehen?

Ich fand gleich eine ganz bedeutende Verletzung, die Meiner Ansicht nach von einem Schlag herrühren mußte,

und zwar von einem von hinten geführten. Ich sagte ihr das und fragte sie, ob sie sich gar nicht darauf entsinnen könne, einen solchen Schlag erhalten,zu haben, aber sie schüttelte den Kopf und meinte:

Es kommt mir so vor, als ob ich mich ganz dunkel an einen furchtbaren Schrecken erinnern könnte, aber es ist nur eine ganz, ganz dunkle Vorstellung. Ach, wie entsetz­lich langweilig muß Ihnen das alles erscheinen!

Durchaus nicht, versicherte ich ihr mit freundlichem Lächeln. So was müssen Sie nicht immer denken. Wir sind besorgt allerdings- aber doch nur um Sie, und dann! freilich noch etwas beunruhigt wegen dieser Sache hier. Damit zeigte ich ihr den Brief mit dem Gelde, den ich gleich nach dem Aufstehen wieder in Ordnung gebracht und wieder in meine Brusttasche gesteckt hatte. Ich finde meinen Namen und Adresse in Ihrer Börse, und hier steht er gleichfalls. . ,

Ich weiß, antwortete sie ernst, daß es, tote Sie sagem Ihr Name ist. Dann muß es eben für Sie sein, und ich muß hergekommen sein, es Ihnen zu überbringen; was sollte ich sonst hier gewollt haben? O, wenn doch erst einmal mein Gedächtnis wiederkommen wollte!

Ich ließ mich jedoch durch ihre Klagen nicht abhalten, meine Untersuchung sortzusetzen. ! .

Wissen Sie überhanpt, was drin ist, fragte ich daheri selbstverständlich im liebenswürdigsten Tone werter, in­dem ich es gleichzeitig öffnete und ihr den Inhalt zeigte. Wie Sie sehen, ist es eine große eine sehr große Summe Geld ess Was soll ich damit machen?

Behalten Sie es, versetzte sie. Verbergen Sie es -i verbergen Sie es vor. Hier hielt sie lange inne, offenbar, um sich zu besinnen; aber endlich schüttelte sie traurig den Kopf und fuhrt fort: Ich weiß weiter nichts, als daß ich mich in irgend einer sehr großen Gefahr befinden muß, und daß Sie mich beschützen nnd das Geld von irgend jemandem behalten sollen. Ich glatche bestimmt, daß ich deshalb zu Ihnen gesandt bin. , _

Ich sah Helen an, und sie mich. Das Geheimnis schien immer tiefer und tiefer zu werden.

Hinter dieser Sache steckt noch viel mehr, sagte ich etti£ hch als wir vermutet haben. Auf alle Fälle habe ich vorläufig mal die Pflicht, das Geld in Sicherheit zu bringen. Die weitere Entwicklung müssen wir dann abwarten; etwas anderes bleibt uns nicht übrig. o f

Sie hing an meinem Munde, als ich dies sagte, und dankte mir 'zuerst mit Blicken und dann mit bewegtem SBoxtCTl *

O, 'wie soll ich Ihnen alle Ihre Güte lohnem. Herr Doktor? Was hätte aus mir werden sollen, wenn Sie sich nicht meiner so gütig angenommen hätten? Es schauer« mich, wenn ich dran denke denn ich bin mir bewußt, daß ich mich in irgendwelcher großen Gefahr befunden habe, und was hätte ich aufangen sollen so hilflos und Mein? Haben Sie, bitte, noch ein Weilchen Geduld mit mir.